Anthropic: US-Regierung sperrt Claude Mythos 5 und Fable 5 ab sofort
20.06.2026 - 17:25:10 | boerse-global.de
Die US-Regierung weitet ihre Exportkontrollen auf Cloud-basierte KI-Systeme aus und zwingt den Entwickler Anthropic zu drastischen Maßnahmen. Seit Freitag, dem 19. Juni 2026, benötigt das Unternehmen eine spezielle Genehmigung des Handelsministeriums, bevor ausländische Nutzer auf seine neuesten KI-Modelle Claude Mythos 5 und Claude Fable 5 zugreifen können. Anthropic hat daraufhin den Zugang für alle Nutzer außerhalb autorisierter Gebiete gesperrt.
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Sicherheitsbedenken treiben Regulierung voran
Die neuen Beschränkungen betreffen erstmals die Nutzung von KI-Software in der Cloud – bisher galten vergleichbare Regeln vor allem für den Export physischer Hardware. Auslöser sind die Fähigkeiten der Anfang Juni veröffentlichten Modelle. Branchenberichten zufolge können sie selbstständig Zero-Day-Sicherheitslücken identifizieren und miteinander verketten.
Bereits im Frühjahr deckte das Mythos-Modell eine 17 Jahre alte Schwachstelle in FreeBSD und einen 27 Jahre alten Fehler in OpenBSD auf. Die Sicherheitsfirma Cycode bezifferte die Beschleunigung der Fehlerbehebung durch die Plattform auf das 17-Fache – die durchschnittliche Wiederherstellungszeit sank um 99 Prozent.
Anthropic hatte im April das Projekt Glasswing gestartet, um tausende von seinen Modellen entdeckte Sicherheitslücken zu schließen. Doch die US-Regierung fürchtet, dass dieselbe Technologie in die Hände gegnerischer Staaten fallen könnte. Bereits am 12. Juni stufte die Administration das Fable-Modell als eingeschränkte Munition ein – ein Schritt, der erste Zugangsbeschränkungen nach sich zog.
Druck von Partnern und politische Verhandlungen
Die Verschärfung fällt mit wachsender Besorgnis bei wichtigen Technologiepartnern zusammen. Amazons CEO Andy Jassy äußerte am Donnerstag Bedenken über mögliche „Jailbreaks", die die Sicherheitsprotokolle der Modelle umgehen könnten.
Auch die Sicherheit der Anthropic-Bereitstellung auf Cloud-Plattformen steht unter Beobachtung. Aktuelle Updates für Claude Fable 5 und Mythos 5 auf AWS Bedrock verlangen von Kunden, Daten für menschliche Überprüfungen und eine 30-tägige Speicherung freizugeben – ein Bruch mit früheren Modellen wie Claude Opus 4.8, deren Daten innerhalb der AWS-Sicherheitsgrenzen blieben. Bereits am 12. Juni forderte Anthropic AWS auf, den Zugang zu diesen Modellen zu sperren.
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Auf dem G7-Gipfel in Évian-les-Bains am Freitag deutete Präsident Trump an, dass die Verhandlungen zwischen Regierung und KI-Entwicklern über einen dauerhaften Sicherheitsrahmen gut vorankämen. Ziel ist ein System zur Bewertung von Schwachstellen und einheitliche Reaktionsregeln.
Anthropic-CEO Dario Amodei und Demis Hassabis von Google DeepMind plädieren für eine von den USA geführte internationale Koalition zur Risikobewältigung. OpenAI-Chef Sam Altman schlägt ein internationales Forum für Teststandards vor.
Risiken für Unternehmen und historische Parallelen
Die jüngsten Sicherheitsprobleme bei Anthropics groß angelegten Modellen folgen auf Schwierigkeiten mit dem Desktop-Agenten Claude Cowork, der im Januar 2026 gestartet war. Sicherheitsforscher zeigten, dass der Agent durch Prompt-Injection-Angriffe manipuliert werden konnte – unsichtbarer Text in Dokumenten löste unbefugte Datei-Uploads oder die Ausführung von Shell-Befehlen aus.
Während Regierung und Anthropic über die Zukunft des Zugangs zu Hochleistungs-KI verhandeln, arbeiten auch andere große Player wie Microsoft, Google und OpenAI an ähnlichen Fähigkeiten. Branchenbeobachter bezweifeln, dass Technologieverbote allein wirksam sind – sie verweisen auf Parallelen zu den gescheiterten Versuchen, die Verbreitung der PGP-Verschlüsselung in den 1990er Jahren zu unterbinden. Stattdessen plädieren sie für eine überwachung des Nutzungsverhaltens.
Rechtsexperten sehen in der Anordnung vom Freitag einen grundlegenden Wandel in der Regulierung von Cloud-Software und nationaler Sicherheit durch die US-Regierung.
