Lungenkrebsscreening: Neue Kassenleistung ab April für 50–75-Jährige
20.06.2026 - 17:20:47 | boerse-global.de
Während sich die Stoßwellentherapie bei Fersenschmerzen etabliert hat, bleiben Osteopathie und Co. meist Selbstzahlerleistungen. Und der finanzielle Druck auf das System wächst.
Stoßwellentherapie: Von IGeL zur Kassenleistung
Ein Paradebeispiel für den Wandel: Die extrakorporale Stoßwellentherapie bei Fersenschmerzen. Seit Januar 2019 übernehmen die Kassen die Kosten – vorausgesetzt, die Beschwerden bestehen seit mindestens sechs Monaten und konservative Methoden wie Physiotherapie halfen nicht.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte dies im April 2018 beschlossen. Die Wirksamkeit bestätigte der IGeL-Monitor. Für Patienten bedeutet das: eine echte Alternative zur Operation, ohne selbst zu zahlen.
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Osteopathie: Unklare Evidenz, hohe Kosten
Anders sieht es bei der Osteopathie aus. Der IGeL-Monitor bewertet sie bei unspezifischen Kreuzschmerzen weiterhin als „unklar“. Zehn randomisierte Studien mit über 1.100 Teilnehmern zeigten keinen eindeutigen Nutzen.
Die Kosten pro Sitzung? Zwischen 80 und 150 Euro. Da die Osteopathie keine reguläre Kassenleistung ist, zahlen nur wenige Krankenkassen freiwillig etwas dazu. Die Mobil Krankenkasse etwa gibt bis zu 180 Euro pro Jahr – mit ärztlicher Verordnung.
Die Rechtsprechung ist klar: Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen bestätigte 2020, dass Feldenkrais, Heilpraktiker oder Nahrungsergänzungsmittel nicht zum gesetzlichen Leistungsumfang gehören.
Finanzielle Schieflage: 19 Milliarden Euro fehlen
Die Diskussion um Leistungen findet vor einem harten Hintergrund statt: Die Kassen sind klamm. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Ausgaben um 7,6 bis 7,7 Prozent – die Einnahmen nur um 4,1 Prozent.
Die größten Kostentreiber:
- Klinikversorgung: plus 9,3 Prozent
- Ärztliche Behandlungen: plus 7,3 Prozent
- Arzneimittel: plus 6,4 Prozent
Das Bundesgesundheitsministerium prognostiziert für 2027 eine Finanzierungslücke von rund 19 Milliarden Euro. Ministerin Warken fordert daher ein deutlich größeres Sparpaket.
IGeL-Geschäft: 2,4 Milliarden Euro jährlich
Parallel wächst der Druck auf die Arztpraxen. Der GKV-Spitzenverband will eine 24-stündige Bedenkfrist vor dem Abschluss von IGeL-Verträgen. Kein Wunder: Jährlich setzen Ärzte mit Selbstzahlerleistungen mindestens 2,4 Milliarden Euro um. Besonders in der Gynäkologie ist die Quote hoch.
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Licht und Schatten: Neue Leistungen, gekürzte Honorare
Trotz Spardrucks gibt es auch positive Nachrichten. Seit dem 1. April 2026 ist das Lungenkrebsscreening per Niedrigdosis-CT für Risikogruppen zwischen 50 und 75 Jahren Kassenleistung.
Doch es gibt auch Kürzungen: Die Honorare für Psychotherapeuten wurden um 4,5 Prozent gesenkt. Das sorgt für Kritik – die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz liegt weiterhin bei über 140 Tagen.
