Anthropic, OpenAI

Anthropic überholt OpenAI: 34,4% Marktanteil bei Geschäftskonten

26.05.2026 - 10:30:13 | boerse-global.de

Studie zeigt: 64,5 Prozent der Beschäftigten verwenden private KI-Accounts beruflich. Das birgt erhebliche Datenschutzrisiken für Unternehmen.

Anthropic überholt OpenAI: 34,4% Marktanteil bei Geschäftskonten - Foto: über boerse-global.de
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Die Mehrheit der Beschäftigten greift für berufliche Aufgaben auf private KI-Konten zurück – zum Leidwesen der IT-Abteilungen.

Rund 64,5 Prozent der Mitarbeiter nutzen mittlerweile private KI-Accounts für ihre Arbeit, wie eine aktuelle Studie von Harmonic Security zeigt. Dieses Phänomen, bekannt als „Shadow AI", stellt Unternehmen vor massive Herausforderungen im Datenschutz und in der IT-Sicherheit. Die Analyse von fast zwei Millionen klassifizierten KI-Sitzungsminuten auf Plattformen wie ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity ergab: Der Großteil dieser Aktivitäten dient legitimen Geschäftszwecken. Knapp drei Viertel aller beobachteten KI-Nutzung verfolgte berufliche Ziele – von Effizienzsteigerung über Automatisierung bis zur Entscheidungsunterstützung.

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Die Kluft zwischen den Abteilungen

Die Nutzung generativer KI variiert stark zwischen den Unternehmensbereichen. Besonders aufschlussreich ist der Vergleich zwischen Rechtsabteilungen und Vertriebsteams. Juristen und Governance-Experten verantworteten 19,5 Prozent aller KI-Stunden – und 81 Prozent davon liefen über offizielle Unternehmenslizenzen. Ein Zeichen für hohe Compliance in risikobewussten Abteilungen.

Ganz anders sieht es in Vertrieb und Marketing aus: Diese „Go-to-Market"-Teams steuerten zwar 17,5 Prozent der gesamten KI-Nutzung bei, aber nur 39 Prozent ihrer Aktivitäten fanden in unternehmenseigenen Umgebungen statt. Die Firmenpolitik hinkt der rasanten Adaption hinterher.

Besonders extrem ist die Lage in der Personalabteilung. Eine separate Umfrage von Sapient Insights unter HR-Fachleuten zeigt: Über 80 Prozent nutzen täglich private KI-Tools. Doch nur 14 Prozent der Unternehmen zahlen dafür, und gerade einmal drei Prozent setzen integrierte HR-KI-Systeme ein. Die beliebtesten Werkzeuge: ChatGPT, Microsoft Copilot und Google Gemini.

Wenn sensible Daten durchs Netz geistern

Die Sicherheitsrisiken sind erheblich. Rund jeder fündfte KI-Prompt in Unternehmen enthält potenziell sensible Informationen. Wer Firmendaten oder Mitarbeiterakten in kostenlose, ungeschützte KI-Konten eingibt, riskiert, dass diese Informationen in Trainingsdaten landen oder von Dritten ausgenutzt werden.

Die Folgen sind messbar: Sophos berichtet in seinem aktuellen Identity-Security-Report, dass 71 Prozent der Organisationen im vergangenen Jahr mindestens einen identitätsbezogenen Datenvorfall erlitten. Die durchschnittlichen Kosten solcher Verstöße liegen bei rund 1,5 Millionen Euro. Besonders alarmierend: Die Zeitspanne zwischen der Entdeckung einer Sicherheitslücke und ihrer Ausnutzung durch Angreifer schrumpfte von Wochen auf Stunden.

Neue KI-Modelle wie Anthropics „Mythos" (April 2026) können Systemschwächen schneller identifizieren und ausnutzen, als Unternehmen Patches einspielen können. Als Reaktion bringen Technologieanbieter neue Isolationswerkzeuge auf den Markt. Microsoft etwa führte ein Framework ein, das autonome KI-Agenten in temporäre Cloud-Umgebungen sperrt – Tokens, Caches und Sitzungsdaten werden nach Aufgabenerledigung automatisch gelöscht.

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Marktverschiebung: Anthropic überholt OpenAI

Erstmals hat Anthropic OpenAI bei der bezahlten Unternehmensnutzung überholt. Laut dem Ramp May AI Index stieg Anthropics Marktanteil bei Geschäftskonten im April 2026 auf 34,4 Prozent, während OpenAI auf 32,3 Prozent fiel. Ein bemerkerswerter Sprung: Im Mai 2025 hielt Anthropic noch gerade neun Prozent.

Die Verbreitung von Claude, Anthropics Flaggschiff-Modell, wuchs fast flächendeckend – von 56,2 Prozent im April 2025 auf 94,9 Prozent im April 2026. Unterstützt wird dieser Trend durch neue Sicherheitsfunktionen für Unternehmen. Im Mai 2026 veröffentlichte Anthropic eine Compliance-API für Claude Enterprise, die IT-Teams programmatischen Zugriff auf Nutzungsprotokolle, Prompts und Dateiaktivitäten gewährt. Die Schnittstelle integriert 28 große Sicherheitstools, darunter Cloudflare, Netskope und Tenable – und hilft Firmen, die strengen Anforderungen des EU AI Acts zu erfüllen.

Die Kostenfrage bremst die Euphorie

Trotz hoher Adaptionsraten bleiben die Betriebskosten eine Hürde. Einige Großkonzerne haben KI-Lizenzen zurückgefahren, weil token-basierte Kosten außer Kontrolle gerieten. Berichten zufolge verursachten einzelne Ingenieure monatliche Token-Kosten zwischen 500 und 2.000 Euro. Die Folge: Rund 25 Prozent der für 2026 geplanten KI-Budgets werden auf 2027 verschoben, während Unternehmen ihre Rendite neu bewerten.

Zwischen Produktivität und Kontrollverlust

Die aktuelle Situation offenbart einen grundlegenden Konflikt: Fast die Hälfte aller „privaten" KI-Aktivitäten läuft tatsächlich über arbeitgeberfinanzierte Enterprise-Tarife. Mitarbeiter nutzen offenbar private Logins, obwohl der Arbeitgeber ein professionelles Abo bereitstellt – wohl aus Bequemlichkeit oder dem Wunsch nach Personalisierung.

Spannend auch die Nutzungsmuster: Die durchschnittliche Sitzung bei Claude dauert über zehn Minuten, bei ChatGPT knapp sechs. Claude scheint für komplexere Aufgaben bevorzugt, ChatGPT für schnelle, häufige Anfragen.

Ausblick: Vom Verbot zur Integration

Die zweite Jahreshälfte 2026 dürfte den Wandel von der Experimentierphase zur rigorosen Integration bringen. Experten raten von Verboten privater KI-Tools ab – das treibe die Nutzung nur in den Untergrund. Stattdessen sollten Unternehmen sichere, enterprise-taugliche Alternativen bereitstellen.

Der Erfolg wird davon abhängen, ob Organisationen KI als Partner betrachten, nicht als Ersatz für menschliche Mitarbeiter. Die finanziellen Lasten „agentischer" KI führen zwar zu Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten, doch der langfristige Trend zeigt klar in Richtung hochautomatisierter Arbeitskräfte. Mit dem EU AI Act als Treiber für bessere Kontrollmechanismen wird die nächste Phase durch ausgefeilte Governance-Tools geprägt sein – für hohe Produktivität ohne Daten-Sicherheitsrisiken.

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