Anthropic-Modelle offline: USA verhängen Exportkontrollen
17.06.2026 - 01:08:14 | boerse-global.de
Während die USA ihre Exportbeschränkungen für KI-Modelle verschärfen, bringt Kanada ein umfassendes Digitalgesetz auf den Weg.
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Verhandlungen mit Anthropic gescheitert
Die Gespräche zwischen dem KI-Startup Anthropic und der US-Regierung sind am Dienstag ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Exportkontrollen für die Modelle Mythos 5 und Fable 5 bleiben damit bestehen. Die Systeme sind weltweit offline – das Unternehmen hatte zuvor erklärt, eine Trennung zwischen in- und ausländischen Nutzern sei technisch nicht umsetzbar.
Die Beschränkungen hatten am 12. Juni begonnen. Handelsminister Howard Lutnick ordnete sie per Verfügung an, nachdem Amazon – mit 13 Milliarden Euro Investitionen einer der größten Geldgeber von Anthropic – eine Sicherheitslücke gemeldet hatte. Die Begründung: Die Modelle könnten von ausländischen Militärgeheimdiensten genutzt werden.
Anthropic argumentierte, dass vergleichbare Schwachstellen auch bei Konkurrenzprodukten wie OpenAIs GPT-5.5 existierten. Doch die Regierung stützte sich auf den Export Control Reform Act von 2018.
Die Maßnahme stößt auf breite Kritik. Mehr als 80 Cybersicherheitsexperten von Firmen wie Nvidia und Adobe fordern die Aufhebung der Beschränkungen. Im Kongress sind die Reaktionen gemischt: Senator Angus King zweifelt an der Rechtfertigung, während Abgeordneter Andrew Garbarino vor Wettbewerbsnachteilen für US-Unternehmen warnt.
Neue Regeln für KI-Entwickler
Parallel dazu treiben Exekutive und Kongress neue Regulierungsrahmen voran. Am 2. Juni unterzeichnete Präsident Biden eine Executive Order mit dem Titel „Förderung fortschrittlicher KI-Innovation und -Sicherheit". Sie führt eine freiwillige 30-tägige Prüfungsfrist für bahnbrechende KI-Modelle vor deren Veröffentlichung ein. Bis zum 2. Juli muss zudem eine KI-Cybersicherheits-Zentrale zur Koordination von Schwachstellenanalysen und Patches entstehen.
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Im Kongress legten die Abgeordneten Jay Obernolte und Lori Trahan einen 269-seitigen Diskussionsentwurf des Great American AI Act vor. Das Gesetz sieht unter anderem vor:
- Ein Zentrum für KI-Standards und Innovation mit einem Jahresetat von 100 Millionen Euro (2027–2029)
- Ein abgestuftes Regulierungssystem für KI-Entwickler, gestaffelt nach Umsatzschwellen von 50 und 500 Millionen Euro
- Meldepflicht für schwere Sicherheitsvorfälle binnen 15 Tagen
- 60-tägige Vorankündigung bei KI-bedingten Massenentlassungen
- Eine dreijährige Bundeskompetenz, die landesweit einheitliche Standards sichert
Kanada setzt auf „Super-Regulierer"
In Ottawa hat die kanadische Regierung am Montag den Gesetzesentwurf C-36 eingebracht – das „Gesetz zum Schutz der Privatsphäre und Verbraucherdaten". Es erkennt Datenschutz als Grundrecht an, verschärft den Schutz von Kindern und führt ein Recht auf Löschung personenbezogener Daten ein.
Herzstück ist die Schaffung der Kanadischen Kommission für digitale Sicherheit und Datenschutz. Diese neue „Super-Regulierungsbehörde" mit fünf von der Regierung ernannten Mitgliedern übernimmt die Aufsicht über den Privatsektor – eine Aufgabe, die bisher der Datenschutzbeauftragte wahrnahm. Die Kommission kann verbindliche Anordnungen erlassen und empfindliche Geldstrafen verhängen.
Die Regierung verspricht sich davon gestärkte digitale Rechte. Kritiker warnen jedoch, dass die Entmachtung des Datenschutzbeauftragten von internationalen Standards abweichen könnte.
Bundesstaaten ziehen eigenes Tempo
Trotz der Bemühungen um eine einheitliche Bundesregulierung treiben die US-Bundesstaaten ihre eigenen KI-Gesetze voran. Mitte Juni 2025 waren bereits über 1.500 KI-bezogene Gesetzesentwürfe eingebracht worden.
Illinois verlangt künftig unabhängige Audits für KI-Entwickler. Colorado ersetzte sein breites KI-Gesetz durch einen spezialisierten Rahmen für automatisierte Entscheidungssysteme. Kalifornien und Oregon konzentrieren sich auf Transparenzpflichten für KI-generierte Inhalte und Schutzmaßnahmen für Companion-KI.
Diese Welle lokaler Aktivitäten hält an – trotz bundesstaatlicher Taskforces, die den Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen für die Tech-Branche eindämmen sollen.
