Anthropic-Modelle, USA

Anthropic-Modelle gesperrt: USA verhängen Exportbeschränkungen ab 12. Juni

15.06.2026 - 16:25:02 | boerse-global.de

Brüssel prangert diskriminierende US-Exportbeschränkungen für KI-Modelle von Anthropic an und fordert mehr technologische Eigenständigkeit.

EU kritisiert US-Exportstopp für Anthropic-KI-Modelle scharf
Anthropic-Modelle - An abstract image showing digital neural networks with colors of the EU and USA flags, symbolizing AI and international tech policy. 15.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Europäische Kommission hat scharfe Kritik an den neuen US-Exportbeschränkungen für KI-Modelle des Unternehmens Anthropic geübt. Brüssel sieht darin potenziell diskriminierende Handelspraktiken.

Der Streit entzündet sich an einer Verfügung des US-Handelsministeriums vom 12. Juni 2026. Sie untersagt Nicht-US-Bürgern den Zugriff auf die neuesten Modelle Claude Mythos 5 und Fable 5. Betroffen sind auch ausländische Mitarbeiter in US-Niederlassungen.

Anzeige

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Künstliche Intelligenz verschärfen sich weltweit zusehends. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Unternehmen einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen der EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

EU pocht auf Technologie-Souveränität

„Solche Handelsmaßnahmen dürfen nicht diskriminierend sein“, stellte EU-Kommissionssprecher Thomas Regnier klar. Die Behörde prüft derzeit die Auswirkungen auf europäische Nutzer.

Brüssel sieht die US-Restriktionen als Weckruf für mehr technologische Eigenständigkeit. Die EU verweist auf bestehende Regelwerke wie den EU AI Act, den Cyber Resilience Act und die NIS2-Richtlinie. Gleichzeitig treibt die Kommission Initiativen wie OpenEuroLLM voran, um unabhängige KI-Kapazitäten aufzubauen.

Auch andere Verbündete reagieren alarmiert. Südkorea prüft die Folgen für heimische Tech-Konzerne wie Samsung und SK Telecom.

Details der Exportverfügung

Die Verfügung des US-Handelsministeriums zwang Anthropic, die betroffenen Modelle weltweit vorübergehend abzuschalten. Die Begründung aus Washington: Die Modelle seien anfällig für sogenannte „Jailbreak“-Angriffe, bei denen Sicherheitsvorkehrungen umgangen werden könnten.

Branchenbeobachter berichten, dass Amazon-CEO Andy Jassy bereits zuvor Sicherheitsbedenken angemeldet hatte. Senator Mark Kelly unterstützt die Linie der Regierung: Die Modelle könnten potenziell auf sensible Bundes- und Finanzsysteme zugreifen. Unbestätigten Berichten zufolge gibt es zudem Hinweise auf Verbindungen zwischen Mythos 5 und einer chinesischen Gruppe.

Technischer Streit und diplomatische Bemühungen

Anthropic stellt die Rechtmäßigkeit der Exportbeschränkung infrage. Das Unternehmen argumentiert, die US-Regierung habe nur mündliche Belege für schmale Sicherheitslücken vorgelegt. Vergleichbare Modelle der Konkurrenz seien nicht betroffen.

54 Sicherheitsexperten fordern die Aufhebung der Kontrollen. Manche Analysten vermuten, die „Jailbreak“-Begründung sei nur ein Vorwand für ein geopolitischen Signal.

Anthropic entsandte am 15. Juni ein Team hochrangiger Techniker nach Washington. Seit der Verfügung vom 12. Juni fanden zudem mehrere virtuelle Treffen mit dem Weißen Haus statt. Beide Seiten suchen offenbar eine schnelle Lösung.

Anzeige

Exportbeschränkungen und Sicherheitsbedenken bei KI-Modellen zeigen, wie komplex die rechtliche Lage für global agierende Unternehmen geworden ist. Ein kostenloser Experten-Report klärt darüber auf, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und was Unternehmen jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Report zur KI-Verordnung anfordern

Weiterer regulatorischer Kontext

Die Exportkontrollen folgen auf eine Verfügung von Präsident Trump vom 2. Juni 2026. Sie führte ein freiwilliges 30-tägiges Prüfverfahren für neue KI-Modelle ein. Behörden wie die NSA und das Heimatschutzministerium sollen so die Cybersicherheit stärken – ohne verpflichtende Lizenzen.

Der Zeitpunkt der Restriktionen fällt mit wichtigen Meilensteinen für Anthropic zusammen. Anfang Juni veröffentlichte das Unternehmen die Preise für Claude Fable 5: zehn Dollar pro Million Input-Token, 50 Dollar pro Million Output-Token. Zudem bereitet sich Anthropic offenbar auf einen Börsengang vor.

Das Thema dürfte den G7-Gipfel in Évian-les-Bains dominieren, der vom 15. bis 17. Juni 2026 stattfindet. Anthropic-CEO Dario Amodei trifft sich am Dienstag mit den G7-Staatschefs – gemeinsam mit den Chefs von OpenAI und Mistral.

de | wissenschaft | 69545222 |