Angststörungen, Mädchen

Angststörungen bei Mädchen: 53% Anstieg seit 2019

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Dauernde Krisenszenarien prägen den Mediendiskurs, während Studien steigende psychische Belastungen und digitale Erschöpfung bei jungen Menschen zeigen.

Krisenmedien und KI-Warnungen belasten Vertrauen und Psyche
Ein belebter, verregneter Straßenzug bei Dämmerung mit verwischten Lichtspuren, die eine Atmosphäre von Unruhe und Reizüberflutung erzeugen. Illustration mit AI erstellt.

Der ständige Wettbewerb um Aufmerksamkeit prägt den öffentlichen Diskurs zunehmend durch krisenhafte Zuspitzungen und Weltuntergangsszenarien. Medienberichte beleuchten die Folgen dieser Dynamik für das gesellschaftliche Vertrauen in politische und technologische Systeme sowie für die psychische Verfassung der Bevölkerung.

Medienlogik zwischen Konflikt und Kompromiss

Nach Einschätzung des Kommunikationswissenschafters Mathias Karmasin von der Universität Klagenfurt und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften dominiert in der Medienberichterstattung unverändert das Muster, wonach vor allem schlechte Nachrichten Reichweite garantieren. Konzepte des konstruktiven Journalismus hätten sich demnach in der Praxis bislang kaum durchsetzen können.

Karmasin plädiert dafür, gesellschaftliche und politische Prozesse verstärkt über einen Kompromissrahmen zu vermitteln, anstatt Debatten über Personalisierung oder Gewinner-Verlierer-Muster zuzuspitzen. Als ein Beispiel für diese mediale Konfliktfokussierung gilt die anhaltende Kritik an Kompromissen innerhalb der österreichischen Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und Neos.

Existenzielle Warnungen als Aufmerksamkeitsmagnet

Besonders ausgeprägt zeigt sich die Tendenz zur dramatischen Zuspitzung im Diskurs über künstliche Intelligenz. Warnungen vor existenziellen Risiken erzielen in sozialen Netzwerken enorme Aufmerksamkeit. Ein Beitrag des KI-Forschers Jacob Coxon, der vor einer tödlichen Bedrohung durch KI bis zum Ende des Jahrzehnts warnte, verzeichnete 170 Millionen Aufrufe.

Der Anthropic-Forscher Evan Hubinger bezifferte die Wahrscheinlichkeit eines solchen Untergangsszenarios auf 10 Prozent. Bereits im Jahr 2023 hatte das Center for AI Safety, unterstützt von Branchenvertretern wie Sam Altman und Dario Amodei, vor existenzgefährdenden Risiken gewarnt.

Diesen Schreckensszenarien stehen jedoch differenziertere Branchenstimmen gegenüber. Nvidia-Chef Jensen Huang wies Darstellungen eines drohenden Weltuntergangs zurück und betonte, ein solches Szenario sei bei einer sachgerechten Steuerung der Technologie unrealistisch.

Huang sprach sich für verbindliche Sicherheitsüberprüfungen vor der Markteinführung und eine transparente Zusammenarbeit mit Regulierungsbehörden aus. Auch Marcel Salathé von der ETH Lausanne kritisierte apokalyptische Übertreibungen als unangebracht; KI bleibe ein technologisches Werkzeug, das von Herstellern und Nutzern kontrolliert werde.

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Zunehmende Belastungen junger Generationen

Die permanente Konfrontation mit Krisenszenarien und digitaler Reizüberflutung korrespondiert mit bedenklichen Daten zur psychischen Gesundheit von Jugendlichen.

Der DAK-Kinder- und Jugendreport wies aus, dass im Jahr 2024 rund 66,5 von 1000 bei der Kasse versicherten Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren wegen Angststörungen in Behandlung waren. Dies entspricht bundesweit hochgerechnet rund 75.500 Betroffenen und einem Anstieg von 53 Prozent gegenüber 2019. Zudem wurden 84.000 Mädchen wegen Depressionen und rund 23.000 wegen Essstörungen behandelt. Christoph Correll von der Berliner Charité verwies dabei auf eine langfristige Verfestigung derartiger Krankheitsbilder.

Parallel dazu wächst das Gefühl der Ohnmacht: Laut einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung unter rund 2.300 Menschen im Alter von 16 bis 30 Jahren glauben 60 Prozent der sich einsam fühlenden jungen Erwachsenen nicht daran, politisch oder gesellschaftlich Einfluss nehmen zu können.

Befunde des Deutschen Schulbarometers 2025/26 sowie der COPSY-Studie belegen ebenfalls, dass die seelischen Belastungen bei Heranwachsenden nach einer Phase relativer Entspannung wieder steigen.

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Digitale Erschöpfung durch Dauerpräsenz

Neben den Inhalten belasten auch die Mechanismen digitaler Plattformen die Nutzer. Medienwissenschaftler Manuel Menke von der Universität Kopenhagen diagnostiziert eine wachsende Algorithmus-Ermüdung, hervorgerufen durch repetitive Inhaltsformate und eine intransparente Ausspielung.

Hinzu kommen physische Folgen des Medienkonsums: Eine im Jahr 2025 durchgeführte Studie mit fast 40.000 Studierenden in Norwegen zeigte, dass jede zusätzliche Stunde Bildschirmzeit nach dem Zubettgehen das Risiko für Schlaflosigkeitssymptome um 59 Prozent erhöht. Im Schnitt verringerte sich die Schlafdauer dadurch um 24 Minuten pro Nacht.

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