Angst, Schutz

Angst als Schutz: Warum völlige Angstfreiheit gefährlich ist

Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 23:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Henning Goersch betont die Schutzfunktion von Angst für die Krisenresilienz. Gewöhnungseffekte und sinkende Spendenbereitschaft zeigen nachlassende Wachsamkeit in der Ukraine-Frage.

Katastrophenforscher: Angst als Schlüssel zur gesellschaftlichen Stabilität
Eine nachdenkliche Person schaut bei Dämmerung aus einem Fenster auf eine Stadtlandschaft, Ausdruck psychologischer Wachsamkeit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der psychologischen Bewertung von Krisensituationen nimmt die Rolle der Angst eine zentrale Stellung als Überlebens- und Schutzmechanismus ein. Mitte August 2026 thematisierte der Katastrophenforscher Henning Goersch die Notwendigkeit dieses Empfindens für die gesellschaftliche Stabilität.

Laut Goersch sei es für Individuen und Kollektive essenziell, eine psychologische Schutzfunktion aufrechtzuerhalten, um angemessen auf Bedrohungslagen reagieren zu können. Er warnte davor, den Zustand der Angstfreiheit anzustreben, da dies die Wachsamkeit gegenüber realen Gefahren untergraben könne.

Die psychologische Schutzfunktion und das Risiko der Sorglosigkeit

Die Analyse der menschlichen Reaktion auf lang anhaltende Krisen zeigt, dass Angst nicht ausschließlich als negatives Phänomen zu betrachten ist. Der Katastrophenforscher Henning Goersch betonte in seinen Ausführungen Mitte August 2026, dass die Gesellschaft es vermeiden sollte, gar keine Angst zu haben.

Vielmehr fungiere eine gewisse Grundanspannung als Motor für präventives Handeln. Ohne dieses psychologische Element fehle oft der notwendige Impuls, um auf Veränderungen im Sicherheitsumfeld zu reagieren oder Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

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Goersch wies darauf hin, dass eine Gesellschaft ein gewisses Maß an Verunsicherung benötige, um aktiv zu werden. Eine vollständige emotionale Beruhigung in volatilen Zeiten könne dazu führen, dass notwendige Anpassungsprozesse ausbleiben. Damit wird Angst als funktionales Werkzeug der Risikobewertung definiert, das die Handlungsfähigkeit eher stärke als lähme, sofern sie in einem kontrollierten Rahmen verbleibe.

Habituationseffekte und die humanitäre Lage in der Ukraine

Ein wesentliches Problem bei lang andauernden Konflikten ist laut Goersch die Gewöhnung. Diese sogenannte Habituation führe dazu, dass die Aufmerksamkeit innerhalb der Gesellschaft für kriegerische Auseinandersetzungen stetig nachlasse. Dies betreffe insbesondere die Wahrnehmung von Konflikten, die über einen längeren Zeitraum anhalten, wie etwa der Krieg in der Ukraine.

Die Relevanz einer kontinuierlichen Aufmerksamkeit wird durch aktuelle Daten der Vereinten Nationen untermauert. Einem Bericht der UN vom August 2026 zufolge wurden allein im Juli 2026 in der Ukraine 437 Zivilisten getötet.

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Trotz dieser hohen Opferzahlen im Hochsommer 2026 deuten die Beobachtungen des Katastrophenforschers darauf hin, dass solche Meldungen in einer gewöhnten Öffentlichkeit weniger emotionale Resonanz und damit auch weniger Handlungsbereitschaft auslösen als zu Beginn des Konflikts.

Diskrepanz zwischen politischer Einstellung und finanzieller Unterstützung

Die statistische Auswertung der gesellschaftlichen Unterstützung zeigt ein differenziertes Bild zwischen politischer Haltung und praktischem Engagement. Daten des ZDF-Politbarometers vom August 2026 belegen, dass über 60 Prozent der Deutschen die Ukraine weiterhin unterstützen. Diese prinzipielle Zustimmung zur Unterstützung des Landes scheint in der Bevölkerung nach wie vor stabil verankert zu sein.

Demgegenüber steht jedoch eine deutliche Veränderung im privaten Engagement. Die Spendenbereitschaft ist im Vergleich zum Beginn des großflächigen Konflikts erheblich zurückgegangen. Während im Jahr 2022 noch über 1 Milliarde Euro an Spenden generiert werden konnten, verzeichneten Beobachter bis Mitte August 2026 einen signifikanten Rückgang dieser Zahlen.

Dieser Trend korreliert mit den Warnungen von Experten vor einer nachlassenden gesellschaftlichen Aufmerksamkeit durch Gewöhnungseffekte. Die Analyse legt nahe, dass die emotionale Distanzierung, die mit dem Nachlassen der akuten Angst einhergeht, unmittelbare Auswirkungen auf die humanitäre Finanzierung und die praktische Solidarität hat.

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