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Amazon sichert 600 Megawatt Windstrom: Größter Unternehmensvertrag Deutschland

20.06.2026 - 07:43:31 | boerse-global.de

Umfrage zeigt: 60% der Deutschen unterstützen den Ausbau digitaler Infrastruktur, fordern aber strenge Umweltauflagen. Neue Bundesstrategie soll Kapazitäten verdoppeln.

Deutsche befürworten Rechenzentren-Ausbau mit Öko-Auflagen
Amazon - A modern, green data center in Germany, integrated with lush vegetation and renewable energy sources in the background. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine klare Mehrheit der Deutschen befürwortet den Ausbau von Rechenzentren – unter einer Bedingung: Die Anlagen müssen umweltfreundlich betrieben werden.

Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage vom Juni 2026 halten 60 Prozent der Bundesbürger den Ausbau der digitalen Infrastruktur für wichtig. Die Hälfte würde sogar den Bau in ihrer eigenen Region akzeptieren. Doch die Zustimmung ist an strenge Auflagen geknüpft.

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Die größten Sorgen der Bürger

Die Umfrage offenbart deutliche Vorbehalte. Rund 43 Prozent der Befragten kritisieren den hohen Stromverbrauch der Anlagen. 31 Prozent fürchten eine Überlastung der lokalen Stromnetze. Auch der Wasserverbrauch (29 Prozent) und der Flächenbedarf (22 Prozent) bereiten den Deutschen Kopfzerbrechen.

Die Bedenken kommen nicht von ungefähr. Branchenverbände prognostizieren, dass der Bedarf an IT-Anschlusskapazitäten bis 2030 um 50 Prozent steigen wird. Die aktuelle Nachfrage übersteigt das Angebot bereits um das Dreifache.

Bund setzt auf klare Regeln

Die Bundesregierung reagiert mit einer umfassenden Rechenzentrumsstrategie, die im Juni 2026 veröffentlicht wurde. Das Ziel: Die Gesamtkapazität soll sich bis 2030 mindestens verdoppeln. Bei Anwendungen für künstliche Intelligenz und Hochleistungsrechnen strebt die Politik sogar eine Vervierfachung an.

Die Strategie adressiert drei Kernprobleme: Energieversorgung, Flächenverfügbarkeit und beschleunigte Genehmigungsverfahren.

Gleichzeitig verschärft der Gesetzgeber die Auflagen. Ab Juli 2026 greift das Energieeffizienzgesetz (EnEfG). Neue Rechenzentren müssen dann einen PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) von maximal 1,2 erreichen – ein Maß für die Energieeffizienz. Zudem ist eine Abwärmenutzung von mindestens zehn Prozent Pflicht.

Eine Konsultation des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr mit 152 Teilnehmern identifizierte hohe Energiepreise und langwierige Genehmigungsprozesse als die größten Hindernisse für die Branche.

Mainz zeigt, wie es geht

In Mainz entsteht mit dem Projekt „Green Rocks“ der Kraftwerke Mainz Wiesbaden ein Vorzeigeprojekt. Der erste Bauabschnitt steht kurz vor der Fertigstellung. Die Besonderheit: Die Anlage nutzt Rheinwasser zur Kühlung und kommt ohne dieselbetriebene Notstromaggregate aus.

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Das Herzstück ist eine Großwärmepumpe. Sie speist die Abwärme des Rechenzentrums in das lokale Fernwärmenetz ein – und könnte so rechnerisch bis zu 202.000 Haushalte versorgen. Der Deutsche Rechenzentrumsverband bezeichnet das Projekt als bundesweites Vorbild. Die vollständige Inbetriebnahme ist für Herbst 2026 geplant.

Vom Atomkraftwerk zum Rechenzentrum

In Philippsburg entsteht ein weiteres ambitioniertes Projekt. Auf dem Gelände eines stillgelegten Atomkraftwerks und angrenzenden Industrieflächen soll ein Hyperscale-Campus entstehen. Die geplante Anschlussleistung: bis zu 700 Megawatt.

Die Betreiber setzen auf die Nähe zum Konverter der Gleichstromtrasse „Ultranet“. Eine Investitionsentscheidung wird noch in diesem Jahr erwartet. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2030 geplant. Zur Stabilisierung des Stromnetzes plant EnBW zudem einen großen Batteriespeicher mit 800 Megawattstunden Kapazität.

Abhängigkeit von US-Konzernen wächst

Der Ausbau heimischer Infrastruktur ist auch eine Frage der digitalen Souveränität. Der Bitkom Cloud Report 2026 zeigt: 85 Prozent der deutschen Unternehmen fühlen sich zu abhängig von US-amerikanischen Cloud-Anbietern. Im Vorjahr waren es noch 78 Prozent.

Zwar würden 91 Prozent der Firmen lieber deutsche Anbieter nutzen, doch nur 53 Prozent tun dies tatsächlich. Um diese Lücke zu schließen, startete die Bundesregierung die Initiative „Deutschland-Stack“ – eine souveräne Bundes-KI-Cloud, gefördert mit 250 Millionen Euro. Ein Konsortium aus T-Systems und SAP hält 70 Prozent des Projekts, SVA, Schwarz Digits und Codesphere die restlichen 30 Prozent.

Tech-Riesen sichern sich Ökostrom

Um den wachsenden Energiebedarf zu decken, schließen große Technologiekonzerne langfristige Verträge über erneuerbare Energien. Amazon gab am 19. Juni 2026 einen Stromabnahmevertrag über 600 Megawatt mit Skyborn Renewables bekannt. Der Strom stammt vom Offshore-Windpark Gennaker in der Ostsee. Es handelt sich um den größten einzelnen Unternehmensstromabnahmevertrag in der deutschen Geschichte.

Auch Fotowatio Renewable Ventures sicherte sich im Juni 2026 2,3 Gigawatt Netzkapazität für Batteriespeicher- und Solarprojekte in Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Anlagen sollen zwischen 2026 und 2029 baureif sein.

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