Amazon Prime Air in Westborough: Abgeordnete fordern Pause für Drohnenpläne
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Pläne des US-Versandhändlers Amazon, seinen Drohnen-Lieferdient Prime Air in Westborough im Bundesstaat Massachusetts zu etablieren, stoßen auf erheblichen politischen und gesellschaftlichen Widerstand. In einem Schreiben forderten die Abgeordneten Michael Moore, Hannah Kane und Kate Donaghue das Unternehmen auf, das Vorhaben vorerst zu pausieren.
Die Entscheidungsträger verwiesen auf eine Reihe ungeklärter Fragen, die insbesondere die Betriebszeiten, die konkreten Flugrouten sowie die Reichweite des Dienstes und die geplante Anzahl der täglichen Flüge betreffen.
Operative Zielsetzungen und technische Spezifikationen
Amazon beabsichtigt, an seinem Fulfillment Center in der 64 Otis Street ein spezialisiertes Prime Air Drone Delivery Center einzurichten. Von diesem Standort aus sollen bis zu 1.000 Lieferungen pro Tag innerhalb eines Radius von 7,5 Meilen (etwa 12 Kilometer) durchgeführt werden.
Dieser Einsatzbereich umfasst neben Westborough auch Northborough, Shrewsbury, Grafton, Southborough sowie Teile von Worcester und Sutton. Damit liegt das angestrebte Volumen in Westborough deutlich über dem anderer Standorte, an denen laut Unternehmensangaben etwa 500 bis 600 Lieferungen pro Tag abgewickelt werden.
Zum Einsatz kommen soll die elektrische MK30-Drohne, die ein Gewicht von etwa 83 Pfund aufweist. Nach Angaben von Amazon hat dieser Drohnentyp bereits mehr als 6.300 Testflüge absolviert und zeichne sich durch eine Geräuschemission aus, die nur halb so hoch sei wie die des Vorgängermodells.
Amazon-Sprecher Jack Stelzner erklärte in diesem Zusammenhang, dass die Reaktionen von Kunden bislang überwiegend positiv ausgefallen seien. Zudem würden weniger als 1 % der eingegangenen Beschwerden die Lärmentwicklung betreffen.
Fehlende Genehmigungen und regulatorischer Status
Trotz der angestrebten Betriebsaufnahme bis zum Ende des Jahres 2026 fehlen dem Unternehmen nach eigenem Stand vom 23. September 2026 noch drei wesentliche Genehmigungen. Berichten vom 24. September 2026 zufolge liegt eine notwendige Genehmigung für den Landeplatz durch das Massachusetts Department of Transportation (MassDOT) Aeronautics noch nicht vor.
Drei Abgeordnete fordern Amazon auf, die Drohnenpläne in Westborough zu pausieren — doch bis zu 1.000 Lieferungen pro Tag sollen über 15 Gemeinden fliegen, während nur eine Gemeinde formell abstimmen darf. Wer die offenen Fragen zu Flugrouten, Betriebszeiten und Lärm vor der Anhörung am 6. Oktober auf den Tisch bringen will, braucht eine vorbereitete Argumentationslinie. Kostenlosen Aktions-Leitfaden für Anwohner anfordern
Parallel dazu befand sich eine Umweltprüfung durch die Federal Aviation Administration (FAA) am 28. September 2026 noch in einem Stadium, in dem entsprechende Dokumente für Massachusetts ausstanden.
Auf lokaler Ebene ist zudem die Zustimmung zum sogenannten Site-Plan erforderlich. Das Westborough Planning Board vertagte eine Entscheidung über den entsprechenden Antrag (Site-Plan 26-02275) am 26. September 2026 auf eine für den 6. Oktober 2026 terminierte Anhörung. Bereits am 1. Oktober 2026 ist eine Sitzung des Westborough Select Board vorgesehen, um das Vorhaben weiter zu diskutieren.
Lokale Opposition und Kritikpunkte der Anwohnerschaft
Innerhalb der betroffenen Gemeinden hat sich deutliche Kritik formiert. Eine im September 2026 durchgeführte, nicht-wissenschaftliche Umfrage in Westborough mit 853 Teilnehmern ergab, dass 92 % der Befragten das Projekt ablehnen.
Lediglich 3 % sprachen sich uneingeschränkt dafür aus, während weitere 3 % eine Zustimmung an strenge Auflagen knüpften. Zudem gaben 93 % der Antwortenden an, dass eine Nutzung des Drohnen-Lieferdienstes für sie unwahrscheinlich sei.
Noch fehlen Amazon nach eigenem Stand gleich drei Genehmigungen — die Landeplatz-Freigabe, die Umweltprüfung und der lokale Site-Plan. Dieses Zeitfenster entscheidet, ob Ihre Einwände Gehör finden: Mit dem richtigen Musterbrief an Senatoren, Kongressabgeordnete und Gouverneur setzen Sie Ihre Gemeinde auf die Agenda, bevor die Entscheidung fällt. Musterbrief und Widerspruchs-Leitfaden jetzt sichern
Kritik wird auch an der rechtlichen Struktur des Genehmigungsverfahrens geübt. Die Organisation Mass Blue Skies wies darauf hin, dass der geplante Lieferradius zwar 15 Städte und Gemeinden umfasse, jedoch lediglich in Westborough eine formelle Abstimmung über das Vorhaben stattfinde.
Vor diesem Hintergrund hat sich eine Anwohnerinitiative um Stephanie Lawrence Stuchlik gebildet. Die Gruppe rief dazu auf, politische Vertreter auf lokaler und nationaler Ebene zu kontaktieren, um gegen die Pläne zu intervenieren. Ziel der Initiative ist es, über den Dialog mit Senatoren und Kongressabgeordneten sowie dem Gouverneur Einfluss auf das Verfahren zu nehmen.
