Amazon, Milliarden

Amazon investiert 7,8 Milliarden: European Sovereign Cloud startet

25.06.2026 - 20:29:26 | boerse-global.de

Amazon investiert 7,8 Milliarden Euro in eine europäische Cloud. Parallel stärken neue Allianzen die digitale Souveränität der EU.

Europäische Cloud-Initiativen: Milliarden gegen US-Abhängigkeit
Amazon - Leuchtendes digitales Gehirn oder Netzwerkknoten in einem sicheren, futuristischen Serverraum, symbolisiert digitale Souveränität und Datenkontrolle. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere Großprojekte sollen die Datenhoheit stärken.

Amazon investiert 7,8 Milliarden Euro in europäische Sovereign Cloud

Amazon AWS hat am 25. Juni den Start seiner European Sovereign Cloud bekannt gegeben. Mit einer Investition von mehr als 7,8 Milliarden Euro entsteht die erste Rechenzentrumsregion in Brandenburg. Entscheidend: Die Infrastruktur ist physisch und rechtlich vollständig von den US-Servern getrennt. Ein deutsches Unternehmen übernimmt den Betrieb, die Führungsetage besteht ausschließlich aus EU-Bürgern – so soll sichergestellt werden, dass kein US-Recht wie der CLOUD Act Zugriff auf die Daten erhält.

Europäische Allianz für den Notfall

Parallel dazu präsentierte ein Konsortium europäischer Technologiefirmen – darunter Cubbit, SUSE, Elemento Cloud und StorPool – am 25. Juni in Berlin das Sovereign Disaster Recovery Pack. Die Lösung kombiniert Open-Source- mit proprietären europäischen Komponenten und bietet Unternehmen eine Art „Not-Aus-Schalter": Im Krisenfall können sie den Betrieb unabhängig von ausländischen Cloud-Anbietern aufrechterhalten.

Identitätsmanagement: Die unsichtbare Sicherheitslücke

Der Identitätsspezialist Omada stellte am 24. Juni seine Lösung „Omada Identity Sovereign" vor. Die containerisierte Plattform zur Identitäts- und Zugriffsverwaltung (IGA) wurde gemeinsam mit dem IT-Dienstleister adesso entwickelt. Unternehmen behalten die volle Kontrolle über die Verschlüsselung und den Betrieb auf eigener Infrastruktur. Die allgemeine Verfügbarkeit ist für Anfang 2027 geplant.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Aktuelle Studien offenbaren alarmierende Sicherheitslücken: Nur 5,7 Prozent aller Organisationen haben vollständige Transparenz über ihre Servicekonten. Ganze 97 Prozent der nicht-menschlichen Identitäten (Non-Human Identities, NHIs) besitzen übermäßige Berechtigungen. Das Problem wächst rasant – NHIs übersteigen menschliche Identitäten mittlerweile um das 25- bis 50-Fache. Die Folgen sind gravierend: 79 Prozent der Unternehmen berichten von geleakten Geheimnissen, in 77 Prozent der Fälle entstand handfester Schaden.

Anzeige

Wer die Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern reduzieren will, findet in diesem Report die wichtigsten Strategie-Hebel – von der NHI-Sicherheit bis zum EU-Anbieter-Vergleich. Jetzt kostenlosen Souveränitäts-Report anfordern

Vertrauen für KI-Agenten

Die Linux Foundation reagiert auf den Siegeszug autonomer Systeme. Am 25. Juni stellte sie das Agent Name Service (ANS)-Framework vor. Das Projekt überträgt das Vertrauensmodell des Domain Name Systems (DNS) auf KI-Agenten. Es schafft standardisierte Identitäten und Eigentumsverhältnisse für autonome Software – inklusive dezentraler Identifikatoren (DIDs) und juristischer Personen-Identifikatoren (LEIs).

Der Bedarf ist enorm: 92 Prozent der Behördenvertreter halten die Steuerung von KI-Agenten für kritisch, doch nur 44 Prozent haben tatsächlich Richtlinien dafür.

D-Stack und Bürokratieabbau: Deutschland zieht nach

Auf nationaler Ebene haben Bund und Länder im Juni 2026 eine Einigung über den „D-Stack" erzielt – einen Satz grundlegender digitaler Komponenten, darunter die EUDI-Wallet und das NOOTS-System. Die Vereinbarung ist Teil der Modernisierungsagenda des Bundes. Ein Fortschrittsbericht wird für Ende Juni 2026 erwartet. Ziel: 25 Prozent weniger Bürokratiekosten durch mehr als 200 Maßnahmen – von der digitalen Kfz-Zulassung bis zur automatisierten Sozialleistungszahlung.

Anzeige

97 % der nicht-menschlichen Identitäten besitzen übermäßige Berechtigungen – eine tickende Sicherheitsbombe für Ihr Unternehmen. Dieser Report zeigt in 5 Schritten, wie Sie NHI-Risiken minimieren und DSGVO-konform bleiben. NHI-Sicherheitsleitfaden jetzt sichern

Der große Zusammenhang

Die Dringlichkeit der Initiativen wird im europäischen Kontext deutlich: 97 Prozent der europäischen Cloud-Infrastruktur laufen auf nicht-europäischen Plattformen. Seit 2018 haben die Datenschutzbehörden DSGVO-Strafen in Höhe von über 5,6 Milliarden Euro verhängt. Um die Souveränitätsziele zu erreichen, muss die EU zudem eine massive Qualifikationslücke schließen: Bis 2030 werden im EU-Raum voraussichtlich 631.000 Datenfachkräfte fehlen.

de | wissenschaft | 69626908 |