Alzheimer, Schlaf

Alzheimer und Schlaf: Mikroglia-Senkung verlängert Mäuseschlaf um 2 Stunden

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 16:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie an Mäusen verbindet überaktive Immunzellen mit Schlafproblemen; eine Übertragbarkeit auf Menschen ist bislang ungeklärt.
Mikroskopische Aufnahme von biologischem Hirngewebe mit Fokus auf zelluläre Strukturen in bläulichen Farbtönen Illustration mit AI erstellt.

In der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen galten Proteinablagerungen lange als primärer Auslöser für kognitive und physiologische Symptome. Eine im Fachjournal Alzheimer's & Dementia im Jahr 2026 erschienene Untersuchung der University of Kentucky liefert nun neue Einblicke in die Zusammenhänge zwischen Immunantwort und Schlafqualität.

Das Forschungsteam unter der Leitung von Shannon L. Macauley und Erstautor Nicholas J. Constantino stellte in Versuchen an Mäusen fest, dass überaktive Mikrogliazellen und nicht die Amyloid-Plaques selbst für die Schlafstörungen bei bestehender Alzheimer-Pathologie verantwortlich sind. Diese Erkenntnisse beschränken sich bislang auf das Tiermodell; ob sie sich auf den Menschen übertragen lassen, ist gegenwärtig unklar.

Reduktion der Immunzellen normalisiert das Schlafverhalten

In der Versuchsreihe untersuchten die Wissenschaftler sogenannte APP/PS1-Mäuse, die eine Alzheimer-ähnliche Amyloid-Pathologie aufweisen. Über einen Zeitraum von 14 Tagen wurde den Tieren der Wirkstoff Pexidartinib (PLX3397) verabreicht. Diese Behandlung führte dazu, dass die Zahl der Mikrogliazellen im Gehirn um ca. 87% sank.

Infolge dieser Zellreduktion schliefen die behandelten Mäuse über 2 Stunden pro Tag länger, wobei sich insbesondere der NREM-Tiefschlaf verlängerte. Die Amyloid-Plaque-Last veränderte sich während dieser Intervention nicht. Bei gesunden Kontrolltieren ohne Alzheimer-Veränderungen hatte das Präparat hingegen keinen Einfluss auf die Schlafdauer oder -struktur.

Nach einer anschließenden zehntägigen Phase, in der sich die Mikrogliazellen wieder ansiedelten, blieb die Verlängerung des NREM-Schlafs zwar weiterhin messbar, fiel jedoch geringer aus. Auch die Verbesserungen des REM-Schlafs erreichten nach der Repopulation nicht mehr das vorherige Niveau.

Frühe Defizite und unterschiedliche Schlafphasen

Mittels EEG- und EMG-Messungen analysierten die Forschenden der University of Kentucky die Tiere mit genetischer Veranlagung für Amyloid-Plaques im Alter von 6 und 18 Monaten. Die Daten belegen, dass Schlafdefizite bereits im Alter von 6 Monaten mit dem Einsetzen der Plaquebildung einhergingen.

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Bis zum 18. Lebensmonat verstärkten sich diese Störungen kaum noch, obwohl sich die Menge der Plaques im selben Zeitraum mehr als verdoppelte, was die Autoren als Deckeneffekt einstufen.

Zudem traten deutliche Unterschiede bezüglich der betroffenen Schlafphasen zutage: Während die Alzheimer-Pathologie vorrangig den Non-REM-Schlaf beeinträchtigte, führte der normale Alterungsprozess primär zu einer Verkürzung des REM-Schlafs. Aus diesen Beobachtungen schließen die Forschenden, dass überaktive Mikroglia einen Teufelskreis aus gestörtem Schlaf und fortschreitender Hirnpathologie begünstigen.

Ausblick und Grenzen der Übertragbarkeit

Eine dauerhafte oder vollständige Beseitigung der Mikroglia kommt als therapeutischer Ansatz beim Menschen nicht infrage. Pexidartinib weist erhebliche Nebenwirkungen auf, und weder die Wirksamkeit noch die Sicherheit des Ansatzes sind für die Humanmedizin belegt.

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Das Team der University of Kentucky konzentriert sich daher auf Möglichkeiten, die Aktivität der Mikrogliazellen zu regulieren, anstatt sie zu eliminieren. In diesem Zusammenhang werden derzeit bereits bekannte Wirkstoffe wie Metformin und Stiripentol geprüft.

Parallel dazu untersuchen die Wissenschaftler, inwieweit EEG-Messungen als einfaches Biomarker-Verfahren dienen können, um frühzeitige Veränderungen festzustellen. Klinische Tests an menschlichen Patienten stehen hierfür bislang noch aus.

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