Alzheimer, Schlaf

Alzheimer und Schlaf: Mikroglia-Mittel verbessert Schlaf von Mäusen um 2 Stunden

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 09:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien untersuchen Immunmechanismen bei Alzheimer; erste Humanbefunde zur Immuntherapie zeigen Sicherheit, belegen aber keine verlangsamte Erkrankung.

Alzheimer-Forschung 2026: Immunzellen und neue Therapieansätze im Fokus
Mikroskopische Aufnahme von Gliazellen und neuronalen Netzwerken mit fluoreszierender Färbung in Blau- und Violetttönen. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen beleuchten zunehmend die Funktion von Immunzellen bei der Verschlimmerung der Alzheimer-Krankheit und tau-bedingter Hirnschäden. Während jahrzehntelang vor allem Proteinablagerungen im Zentrum der Demenzforschung standen, verdeutlichen mehrere Arbeiten aus dem Jahr 2026 die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mikroglia, T-Zellen und neurodegenerativen Prozessen.

Fettspeicherung und Energiehaushalt in Mikroglia

Eine im Fachjournal Alzheimer's & Dementia publizierte Untersuchung der CU Anschutz und des Pacific Northwest National Laboratory analysierte das Verhalten menschlicher Hirn-Immunzellen im Labor. Den Ergebnissen zufolge verändert das APOE4-Protein die Fettspeicherung sowie die Energienutzung in menschlichen Mikroglia. Mit ApoE4 behandelte Mikroglia wiesen weniger, dafür jedoch größere Fetttropfen und eine verringerte Zahl an Mitochondrien auf.

Dieser Effekt zeigte sich abhängig von der Fettbeladung: Während lipidbeladenes ApoE4 den Fett- und Energiehaushalt der Zellen modulierte, löste fettfreies ApoE4 eine stärkere Entzündungsreaktion aus.

Die beteiligten Forscher betonen, dass dies keinen Beweis darstellt, dass APOE4 Alzheimer direkt verursacht. Zudem leite sich daraus keine neue Behandlung ab; weitere Forschung sei erforderlich, um festzustellen, ob diese Mechanismen auch im menschlichen Körper auftreten.

Zellwanderung und Schlafregulation im Tiermodell

Weitere Studien weisen auf immunologische Prozesse hin, die außerhalb des Gehirns ihren Anfang nehmen oder systemische Symptome beeinflussen:

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  • T-Zell-Aktivierung: Eine in Nature Neuroscience veröffentlichte Studie zeigt, dass CD8+ T-Zellen in Lymphknoten außerhalb des Gehirns geprimt werden und anschließend in tau-befallenes Hirngewebe einwandern. Dort verstärken sie möglicherweise neurodegenerative Prozesse. In einem entsprechenden Mausmodell zeigte sich bei einer cDC1-Defizienz deutlich weniger Hirnatrophie und Gewebeschaden, wobei männliche Mäuse stärkere Effekte dieser Defizienz aufwiesen. Die zugrunde liegenden Antigene als Treiber der Immunantwort sind unklar, und die Übertragbarkeit auf den Menschen gilt als unbestätigt.
  • Einfluss auf das Schlafverhalten: Untersuchungen am Macauley-Lab der University of Kentucky identifizierten Mikroglia als Haupttreiber des Schlafverlusts in einem Alzheimer-Mausmodell. Die Gabe von Pexidartinib (PLX3397) reduzierte nach 14 Tagen rund 87 Prozent der Hirn-Immunzellen vorübergehend, woraufhin sich der Schlaf der Tiere um mehr als 2 Stunden pro Tag verbesserte. Die Forscher beobachteten, dass die erste Plaque-Welle ein dauerhaftes Schlafdefizit nach Art eines Ceiling-Effekts auslöst. Während normales Altern vor allem den REM-Schlaf mindert, reduziert die Amyloid-Pathologie selektiv den NREM-Schlaf. Tragbare Elektroenzephalografie (EEG) wird vor diesem Hintergrund als möglicher Biomarker diskutiert, während Labors Wirkstoffe wie Metformin und Stiripentol zur Eindämmung der Mikroglia-Überaktivität prüfen.

Zellatlas und therapeutische Ansätze an menschlichem Gewebe

Auf zellulärer Ebene liefert ein in Nature veröffentlichter Transkriptom-Atlas des dorsolateralen präfrontalen Kortex – erstellt vom Allen Institute for Brain Science, der Icahn School of Medicine at Mount Sinai und der Universität Kopenhagen – Einblicke in 1.494 Spender und mehr als 6,3 Millionen Zellkerne.

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Die Daten, die acht Hirnerkrankungen sowie gesunde Kontrollen umfassen, belegen für schwere Alzheimer-Fälle ein Absinken des Neuronen-Anteils bei gleichzeitigem Anstieg von Immun- und Gefäßzellen.

Einen konkreten Angriffspunkt an menschlichen Immunzellen untersuchten Forscher der Universität Birmingham in der Fachzeitschrift Brain. Die Blockade des P2X7-Rezeptors in lebendem menschlichem Hirngewebe sowie in aus Monozyten konvertierten mikroglia-ähnlichen Zellen unterdrückte die Freisetzung pro-inflammatorischer Zytokine.

Ein spezifischer P2X7-Antagonist verringerte die Entzündungsreaktion. Studienleiter Nicholas Barnes sieht klinische Studien bei neurodegenerativen Erkrankungen und Schädel-Hirn-Traumata als nächste Schritte, da P2X7-blockierende Substanzen bereits existieren und für ein Repurposing infrage kommen.

Ergänzend dazu zeigte eine erste Humanstudie einer von Michal Schwartz entwickelten Immuntherapie, die primär auf das Immunsystem statt auf Amyloid-Plaques abzielt, ein sicheres und gut verträgliches Profil. Dabei reduzierten sich Biomarker für neuronale Schäden und den Verlust synaptischer Funktionen. Ein Nachweis für die Verlangsamung oder Umkehr der Erkrankung steht jedoch weiterhin aus.

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