Alzheimer-Risiko: Niedriger Blutdruck erhöht Gefahr um das Dreifache
12.06.2026 - 07:13:26 | boerse-global.de
Forschung aus dem ersten Halbjahr 2026 liefert handfeste Belege für die körperlichen Grundlagen psychischer und kognitiver Erkrankungen. Genetik, Darmflora und sogar der Blutdruck spielen eine entscheidende Rolle.
74 Gen-Positionen für Angst entdeckt
Eine genomweite Studie mit fast 700.000 Teilnehmenden hat 74 Genom-Positionen identifiziert, die mit Angstsymptomen zusammenhängen. 39 davon waren bislang unbekannt. Die Analyse im Fachblatt Nature Human Behaviour zeigt: Rund 6 Prozent der Unterschiede in der Symptomausprägung sind genetisch bedingt.
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Besonders die Gene PCLO und SORCS3 scheinen eine Schlüsselrolle zu spielen. Ein internationales Team unter Beteiligung des Universitätsklinikums Würzburg und des King’s College London fand zudem Überschneidungen mit anderen Erkrankungen. Dazu zählen Depressionen, das Reizdarmsyndrom, chronische Schmerzen, Migräne und koronare Herzkrankheiten.
Darmbakterien verraten frühen kognitiven Abbau
Die Verbindung zwischen Darm und Gehirn wird immer deutlicher. Eine Studie mit 150 Probanden identifizierte fünf Stoffwechselprodukte, die auf eine beginnende Demenz hindeuten könnten. Die Teilnehmer waren in gesunde Personen und Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung unterteilt.
Bei den Betroffenen zeigten sich verringerte Konzentrationen schützender Metabolite wie Indol-3-Propionsäure. Gleichzeitig waren neurotoxische Stoffe wie Indoxylsulfat erhöht. Ein KI-Modell, das auf sechs dieser Marker trainiert wurde, konnte gesunde Individuen von Demenz-Patienten mit hoher Genauigkeit unterscheiden. Auch die Zusammensetzung der Darmbakterien – etwa von Bacteroides und Ruminococcus gnavus – war verändert.
Niedriger Blutdruck als Alzheimer-Risiko
Eine Analyse von rund 800.000 Erwachsenen liefert überraschende Ergebnisse: Hypotonie könnte das Alzheimer-Risiko um das Zwei- bis Dreifache erhöhen. Die im Journal of the American Heart Association veröffentlichte Studie wertete Daten aus der UK Biobank und dem US-Programm „All of Us“ aus.
Damit übertrifft niedriger Blutdruck statistisch andere Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Schlaganfälle oder Vorhofflimmern. Ein bisher unterschätzter Faktor.
Neue Hoffnung bei Depression und Alzheimer
Die Charité koordiniert eine mit 2,3 Millionen Euro geförderte Studie zur DHEA-Zusatztherapie. Geprüft wird, ob das Hormon Symptome bei therapieresistenter Depression lindern kann – betroffene Patienten haben häufig niedrige DHEA-Spiegel.
Forschende der ETH Zürich entwickelten einen Wirkstoff namens „Compound 10“. In Tierversuchen verhinderte er die Verklumpung des Enzyms GRK2 und verlangsamte kognitive Symptome. Für die klinische Entwicklung wird nun ein Partner gesucht.
Und: Langzeitdaten zu Donanemab von Eli Lilly zeigen, dass die verzögernde Wirkung auf den geistigen Verfall auch nach dem Absetzen anhält – zumindest bei Patienten in frühen Alzheimer-Stadien.
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KI erkennt Hirntumoren in zwölf Minuten
Das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Universität Heidelberg stellten ein KI-System namens „Hetairos“ vor. Es klassifiziert über 100 Hirntumor-Untergruppen aus herkömmlichen Gewebeschnitten – mit einer Genauigkeit von bis zu 88 Prozent. Die Verarbeitungszeit: zwölf Minuten. Die Ergebnisse wurden in Nature Cancer veröffentlicht.
Eine weitere Studie aus The Lancet Digital Health untersuchte, ob große Sprachmodelle menschliche Emotionen simulieren können. Forscher der TU Dresden zeigten, dass ChatGPT-4o affektive Zustände wie Angst, Wut oder Traurigkeit abbilden kann. Solche Simulationen könnten künftig in der psychologischen Forschung genutzt werden, um Reaktionen auf Stress oder Achtsamkeitsinterventionen zu modellieren.
