Alzheimer-Früherkennung: Bluttest erkennt Zellalterung Jahre früher
16.06.2026 - 18:36:21 | boerse-global.de
Neue Bluttests erkennen die Krankheit Jahre früher, während innovative Wirkstoffe die Blut-Hirn-Schranke überwinden.
Bluttest erkennt Zellalterung – und Alzheimer-Risiko
Ein Forschungsteam der Stanford University hat einen Bluttest entwickelt, der das biologische Alter einzelner Zelltypen bestimmt. Die in Nature Medicine veröffentlichte Studie basiert auf der Analyse von rund 7.000 Proteinen im Blut von mehr als 60.000 Probanden.
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Das Ergebnis: Bei 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung altert mindestens ein Zelltyp schneller als der Rest des Körpers. Besonders kritisch für die Demenzforschung sind die Astrozyten – Gehirnzellen, deren beschleunigte Alterung das Alzheimer-Risiko deutlich erhöht.
In Kombination mit der genetischen Veranlagung APOE4 steigt das Risiko auf das Dreifache. Bei extrem gealterten Astrozyten beobachteten die Forscher sogar ein zwölffach höheres Risiko.
Parallel dazu arbeitet das University College London (UCL) an einem vereinfachten Fingerstich-Bluttest. Die Methode nutzt Plasma-Separationskarten, die ohne Kühlung transportiert werden können. Ziel ist es, Marker wie pTau217 und GFAP breit zugänglich zu machen. Ergebnisse der großangelegten Bio-Hermes-002-Studie werden bis 2028 erwartet.
Neue Wirkstoffe überwinden die Blut-Hirn-Schranke
Acumen Pharmaceuticals hat zwei neue Entwicklungskandidaten nominiert: ACU301 und ACU401. Die Antikörper nutzen eine spezielle Technologie (J-Brain Cargo), um die Blut-Hirn-Schranke effizienter zu überwinden.
In präklinischen Versuchen an Primaten erreichten die Forscher eine 14- bis 40-mal höhere Antikörperkonzentration im Gehirn als mit herkömmlichen Verfahren. Die Einreichung für erste klinische Studien am Menschen ist für Mitte 2027 geplant.
Die ETH Zürich verfolgt einen anderen Ansatz. In Cell Reports Medicine berichteten Wissenschaftler über den Wirkstoff CPD10. In Mäusen stoppte er eine schädliche Kettenreaktion, bei der Amyloid-beta-Stress zu Verklumpungen führt, die die Mitochondrien der Gehirnzellen schädigen. Nach sechsmonatiger Behandlung beobachteten die Forscher einen Rückgang der Alzheimer-Marker.
AlzeCure Pharma schloss zudem eine Phase-Ib-Studie mit dem Kandidaten ACD856 ab. Die Daten belegen gute Verträglichkeit und einen messbaren Konzentrationsanstieg des Wirkstoffs im Liquor. Eine Phase-II-Studie ist für den weiteren Verlauf des Jahres 2026 vorgesehen.
Blutdruck als Risikofaktor – auch zu niedrige Werte
Eine im Journal of the American Heart Association veröffentlichte Untersuchung mit fast 800.000 Teilnehmern liefert neue Erkenntnisse zu Risikofaktoren. Demnach beeinflusst nicht nur Bluthochdruck das Alzheimer-Risiko – auch zu niedriger Blutdruck (Hypotonie) kann gefährlich sein.
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Bei weißen Teilnehmern in den USA und Großbritannien wurde bei niedrigen Blutdruckwerten ein etwa zweifach erhöhtes Risiko festgestellt. Die Kausalität ist allerdings noch Gegenstand weiterer Untersuchungen.
Smartphone-Tests erkennen kognitive Veränderungen früher
Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) hat digitale Instrumente zur Früherkennung untersucht. Die in npj digital medicine veröffentlichte Studie zeigt: Regelmäßige Smartphone-basierte Gedächtnistests über die App neotivTrials erfassen kognitive Veränderungen bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) präziser und schneller als herkömmliche Verfahren.
Rückschlag bei Neumora Therapeutics
Trotz aller Fortschritte gab es auch einen Rückschlag. Neumora Therapeutics hat die Entwicklung seines Kandidaten Navacaprant eingestellt. In Phase-3-Studien zur Behandlung schwerer Depressionen verfehlte der Wirkstoff die primären Endpunkte.
Das Unternehmen kündigte daraufhin einen Stellenabbau von 35 Prozent an. Die freiwerdenden Ressourcen sollen in andere Projekte fließen – darunter ein Wirkstoff gegen Agitiertheit bei Alzheimer-Patienten.
