Alzheimer: Bluttest mit 90% Sicherheit kostet nur 150 Euro
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 16:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Im Fokus stehen minimalinvasive Bluttests, neue Antikörper-Therapien und Präventionsansätze.
Präzisionsdiagnostik per Blutprobe
Seit Mai 2026 ist ein EU-weit zugelassener Bluttest auf das Protein pTau217 verfügbar. Das Verfahren weist Amyloid-Plaques mit einer diagnostischen Sicherheit von über 90 Prozent nach – und das für 100 bis 150 Euro pro Test. Seit Anfang Juli kommt er in spezialisierten Kliniken zum Einsatz. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten allerdings noch nicht.
Bisher vergehen durchschnittlich 3,5 Jahre zwischen ersten Symptomen und einer gesicherten Diagnose. Rund 75 Prozent der Betroffenen bleiben ohne eindeutigen Befund. Der neue Test könnte das ändern.
Apotheken als Teststationen
Ergänzend zu Labortests erprobt die Ludwig-Maximilians-Universität München einen digitalen Ansatz: Im Rahmen der Studie „Dare“ bieten 14 Apotheken im Münchner Raum einen 30-minütigen Tablet-basierten Gedächtnis-Check für Menschen ab 60 Jahren an. Das Projekt, gefördert vom Bayerischen Gesundheitsministerium, verzeichnete in elf Monaten 167 auswertbare Teilnahmen.
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Noch einen Schritt weiter geht das Projekt „MeXenz“ an der Hochschule Kaiserslautern. Ab dem 1. Januar 2027 entwickeln Prof. Alexey Tarasov und Prof. Kristina Endres dort elektrochemische Biosensoren. Ziel: ein Point-of-Care-System für Arztpraxen zur nicht-invasiven Diagnose. Das Bundesministerium für Bildung, Technik und Forschung fördert das Vorhaben mit einer Million Euro über vier Jahre.
Neue Antikörper: Durchbruch oder überschätzt?
Das Jahr 2025 markierte einen Wendepunkt in der Pharmakotherapie: Die EU ließ die Antikörper Lecanemab (Eisai/Biogen) und Donanemab (Eli Lilly) zu. Beide Wirkstoffe entfernen Amyloid-beta-Plaques im Gehirn. Klinische Studien über 18 Monate zeigten eine Verzögerung des Krankheitsverlaufs um etwa ein Drittel beziehungsweise mehrere Monate.
Doch nicht alle Experten sind überzeugt. Eine Cochrane-Studie stellte den klinisch bedeutsamen Effekt dieser Therapien infrage. Die Debatte über Nutzen und Kosten ist eröffnet.
Forschung jenseits der Plaque-Entfernung
Parallel wird an völlig neuen Ansätzen gearbeitet. Der Wirkstoff KCL-286 aktiviert den Retinsäure-Signalweg und konnte in Mausmodellen DNA-Doppelstrangbrüche reparieren sowie Entzündungen reduzieren. Eine Phase-1-Sicherheitsstudie wurde erfolgreich abgeschlossen.
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Auch die Repositionierung bekannter Medikamente zeigt Potenzial: Eine im Juli 2026 in „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass SGLT2-Inhibitoren – ursprünglich zur Diabetes-Behandlung entwickelt – das Alzheimer-Risiko um bis zu 43 Prozent senken könnten.
Prävention: Muskeln schützen das Gehirn
Die Lancet-Kommission schätzt, dass bis zu 45 Prozent der Demenzerkrankungen durch Lebensstilanpassungen verzögert oder vermieden werden könnten. Der Sportmediziner Daniel König von der Universität Wien betont die Rolle der Muskel-Hirn-Achse: Krafttraining fördere die kognitive Beweglichkeit. Für ältere Menschen empfiehlt er eine Proteinzufuhr von einem Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.
Eine aktuelle randomisierte Doppelblindstudie mit 126 Teilnehmenden zwischen 65 und 85 Jahren untersucht derzeit über 48 Wochen die kombinierten Effekte von Krafttraining und der Supplementierung von L-Serin.
Digitale Biomarker und Ernährung
Samsung und die University of California, San Francisco starteten die „TAH-DA-Studie“. Mit Wearables wollen sie bei 1.000 Teilnehmenden im Alter von 40 bis 89 Jahren digitale Biomarker identifizieren. Ziel: kognitive Veränderungen frühzeitig über mobile Geräte erfassbar machen.
Daten der UCSF zu ketogenen Diäten bei psychotischen Störungen zeigen zudem: Nach vier Monaten verbesserten sich metabolische und kognitive Messwerte signifikant. Ein weiterer Hinweis darauf, dass metabolische Ansätze für die Gehirngesundheit relevant sein könnten.
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