Altersvorsorgedepot: Deutsche Bank, DWS und Zurich planen Start 2027
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen der geplanten Reform der privaten Altersvorsorge hat die Deutsche Bank gemeinsam mit ihrer Fondstochter DWS und dem Versicherungspartner Zurich konkrete Pläne für das neue Altersvorsorgedepot vorgelegt.
Das Angebot soll zum geplanten Marktstart am 1. Januar 2027 verfügbar sein und kombiniert digitale Depotlösungen mit versicherungsbasierten Elementen. Die Initiative folgt dem Bestreben der Bundesregierung, die private Vorsorge durch eine stärkere Kapitalmarktorientierung und attraktive Zulagen zu reformieren.
Preisstrukturen und Produktdetails der Kooperationspartner
Das für den Marktstart vorgesehene Standarddepot der DWS sieht laut Berichten von Ende September 2026 eine gestaffelte Kostenstruktur vor. In den ersten zwei Jahren nach Abschluss soll das jährliche Entgelt bei 0,10 % liegen, wobei die DWS auf die reguläre Vertragsgebühr von 0,18 % verzichtet.
Nach Ablauf dieser Einführungsphase ist ein Entgelt von 0,28 % pro Jahr vorgesehen. Parallel dazu plant der Finanzkonzern ein beratungsbasiertes Angebot, das über die Filialen der Deutschen Bank und der Postbank vertrieben werden soll. Für dieses erweiterte Spektrum wird ein jährliches Entgelt von 0,99 % zuzüglich möglicher Transaktionskosten veranschlagt.
Die Zurich Gruppe trägt zu der Kooperation Versicherungsprodukte bei. Diese beinhalten Optionen mit und ohne Kapitalgarantien sowie die Möglichkeit einer lebenslangen Rentenzahlung.
Kunden der Deutschen Bank sollen zum Marktstart die Wahl zwischen rein kapitalmarktbasierten Depots und versicherungsbasierten Lösungen haben, wobei der Zugang digital, telefonisch oder persönlich in den Filialen erfolgen kann. Dominik Hennen, Leiter Personal Banking Deutschland bei der Deutschen Bank, verwies in diesem Kontext auf die langfristige Bedeutung der privaten Vorsorgeentscheidung.
Die staatliche Förderstruktur ab 2027
Das durch die Bundesregierung konzipierte Altersvorsorgedepot ermöglicht Investitionen in ETFs, Aktienfonds und Anleihen. Die Förderung basiert auf einer Grundzulage von bis zu 540 Euro pro Jahr. Diese setzt sich aus einem Zuschuss von 50 Cent je Euro für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag und weiteren 25 Cent je Euro für Einzahlungen bis zu einer Grenze von 1.800 Euro zusammen. Um die volle Grundzulage zu erhalten, ist ein Eigenbeitrag von 1.800 Euro erforderlich.
Zusätzlich ist eine Kinderzulage vorgesehen, die maximal 300 Euro pro Kind und Jahr beträgt. Hierbei wird jeder selbst eingezahlte Euro mit einem Euro staatlicher Förderung bezuschusst, wobei die volle Zulage ab einem Eigenbeitrag von 300 Euro gewährt wird.
Die angekündigten Konditionen für das geplante Altersvorsorgedepot liegen weit auseinander: 0,10 Prozent Einführungsentgelt beim digitalen Standarddepot, 0,28 Prozent danach, 0,99 Prozent beim beratungsbasierten Angebot. Eine Modellrechnung zeigt, dass schon der Unterschied zwischen 0,2 und 1,0 Prozent laufenden Kosten bei 150 Euro monatlich über 30 Jahre rund 19.000 Euro ausmacht. Unser kostenloser Kostenvergleich ordnet die bekannt gewordenen Modelle ein und zeigt, welche Punkte Sie vor dem geplanten Marktstart klären sollten. Kostenvergleich jetzt anfordern
Der Mindesteigenbeitrag für das Depot liegt bei 120 Euro jährlich. Erträge aus dem Depot bleiben in der Ansparphase steuerfrei, während die Auszahlung erst mit Erreichen der Regelaltersgrenze vorgesehen ist.
Wettbewerbsumfeld und Kostenanalysen
Der Markt für das neue Vorsorgemodell zeigt bereits vor dem offiziellen Start eine deutliche Dynamik. Mehrere Wettbewerber haben ihre Konditionen positioniert:
- Scalable Capital plant den Verzicht auf Depot- und Ordergebühren und will im ersten Jahr keine Produktkosten für ausgewählte ETFs erheben. Danach sollen diese maximal 0,15 % pro Jahr betragen.
- Trade Republic setzt auf ein Modell ohne Depotgebühren und bietet kostenlose Sparpläne für rund 1.500 ETFs an.
- Smartbroker+ kündigte an, mindestens in den ersten drei Jahren 100 % der laufenden Fondskosten (TER) der ETFs zu übernehmen.
- DEVK bereitet ein förderfähiges Standarddepot mit breit gestreuten ETFs vor, dessen Kosten deutlich unter der gesetzlichen Obergrenze von 1,0 % liegen sollen.
Die Bedeutung der Kostenquote verdeutlichen Modellrechnungen: Bei einer monatlichen Einzahlung von 150 Euro über 30 Jahre und einer angenommenen Rendite von 6 % vor Kosten führt eine Kostenquote von 0,2 % zu einem Endkapital von rund 141.000 Euro. Bei Kosten von 1,0 % sinkt dieser Wert auf rund 122.000 Euro – eine Differenz von etwa 19.000 Euro.
Marktbeobachtungen und politische Einordnung
Umfragen im Auftrag der Commerzbank und Comdirect deuten auf einen hohen Informationsbedarf hin. Ende Juli und Anfang August 2026 gaben etwa ein Drittel der Befragten an, kaum oder gar nichts vom neuen Altersvorsorgedepot gehört zu haben.
Dennoch hielten vier von zehn Befragten eine Depoteröffnung im Jahr 2027 für wahrscheinlich. Eine Umfrage der DEVK zeigte zudem, dass insbesondere jüngere Erwerbstätige zwischen 18 und 39 Jahren eine kapitalmarktorientierte Vorsorge befürworten.
Vollständige Preis- und Leistungsverzeichnisse liegen für das geplante Altersvorsorgedepot noch nicht vor — die Ausgestaltung der staatlichen Standardlösung ist offen. Wer jetzt einen Anbieter auswählt, trifft eine Entscheidung für Jahrzehnte, ohne die endgültigen Vertragsbedingungen zu kennen. Unsere Checkliste zur Depotwahl hilft Ihnen, die richtigen Fragen zu stellen und die Kostenstruktur vor der Unterschrift schriftlich zu prüfen. Checkliste zur Depotwahl jetzt sichern
Sabine Mauderer, Vizepräsidentin der Bundesbank, bezeichnete die Rentenreform als potenziellen Wendepunkt für die Entstehung einer echten Kapitalmarktkultur in Deutschland. Ergänzend zum Altersvorsorgedepot wird politisch die „Frühstartrente“ diskutiert.
Dieses Modell sieht vor, dass Kinder vom 6. bis zum 18. Lebensjahr monatlich 10 Euro staatliche Förderung erhalten, die in Wertpapiere investiert werden sollen. Das Bundesfinanzministerium kalkuliert, dass aus dieser Förderung bis zum Renteneintritt ein Depotwert von rund 53.000 Euro entstehen könnte.
