Altersvorsorgedepot, Euro

Altersvorsorgedepot: Bis zu 540 Euro Zulage und Auszahlung ab 65

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das geplante Depot verbindet staatliche Zulagen mit Wertpapieranlagen; Umfragen zeigen zugleich geringe Bekanntheit und unterschiedliche Zustimmung.

Altersvorsorgedepot startet 2027: Förderung, Anbieter und offene Fragen
Ein modernes Bürogebäude aus Glas und Stahl bei klarem Morgenlicht in einer ruhigen, menschenleeren Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Zum 1. Januar 2027 soll mit dem Altersvorsorgedepot ein neues staatlich gefördertes Instrument der privaten Altersvorsorge starten. Anleger sollen dann in ETFs, Aktienfonds und Anleihen investieren können, begleitet von staatlichen Zulagen von bis zu 540 Euro pro Jahr sowie zusätzlich bis zu 300 Euro pro Kind.

Kapitalerträge sollen in der Ansparphase steuerfrei bleiben. Während Banken und Versicherer ihre Produkte bereits vorbereiten, zeigen aktuelle Umfragen, dass das Wissen über die Reform in der Bevölkerung noch gering ist – obwohl die Sorge vor Altersarmut weit verbreitet ist.

Prominente Fürsprache aus Finanzwelt und Notenbank

Bei einer Bundesbank-Konferenz in Frankfurt sprach sich Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing für eine stärker kapitalmarktbasierte Altersvorsorge aus. Mehr private Investitionen über Kapitalmärkte könnten langfristig produktive Investitionen in Deutschland und Europa fördern, so Sewing laut Berichten vom 29. September 2026. Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer ging noch weiter und bezeichnete die Rentenreform als möglichen „Gamechanger".

Anbieter bereiten konkrete Produkte vor

Die Deutsche Bank plant den Start ihres Angebots zum 1. Januar 2027 mit einem DWS-Standarddepot sowie ergänzenden Zurich-Vorsorgeangeboten mit und ohne Garantien sowie lebenslanger Rente.

Der Abschluss soll digital, telefonisch oder in Filialen möglich sein. Das DWS-Standarddepot kostet in den ersten zwei Jahren 0,10 Prozent jährlich ohne reguläre Vertragsgebühr von 0,18 Prozent jährlich, zuzüglich ETF-Kosten; danach fallen 0,28 Prozent jährlich an.

Ein später geplantes DWS-Beratungsdepot soll 0,99 Prozent jährlich plus schwankende Transaktionskosten kosten und über Deutsche Bank und Postbank erhältlich sein. Die Deutsche Bank rät zudem, bestehende Riester-Verträge nicht vorschnell zu kündigen oder zu übertragen.

Auch die DEVK plant ab Januar 2027 ein förderfähiges Standarddepot ohne Kapitalgarantie mit breit gestreuten ETFs, dessen Kosten unter der vorgesehenen Obergrenze von 1,0 Prozent jährlich liegen sollen. Weitere Produkte mit Garantiebausteinen sind ab dem zweiten Quartal 2027 geplant.

Förderlogik und Beispielrechnungen

Nach den Förderregeln liegt der Mindestbeitrag bei 120 Euro jährlich. Die Förderung beträgt 50 Prozent auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag, danach 25 Prozent auf Beiträge bis 1.800 Euro. Für die volle Kinderzulage sind 300 Euro Eigenbeitrag jährlich nötig; auch Eltern in anerkannten Kindererziehungszeiten können während der dreijährigen Erziehungszeit förderberechtigt sein.

Ein Beispiel: Bei 1.200 Euro Eigenbeitrag jährlich ergeben sich 390 Euro Grundzulage, mit einem Kind kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage hinzu – insgesamt fließen dann bis zu 1.890 Euro ins Depot.

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Eine Beispielrechnung von BÖRSE ONLINE vom 30. September 2026 verdeutlicht das Potenzial für Besserverdienende: Bei 1.800 Euro Eigenbeitrag jährlich und maximaler Grundzulage von 540 Euro fließen 2.340 Euro pro Jahr ins Depot.

Unter den Annahmen von 30 Jahren Sparzeit und 5 Prozent Rendite jährlich nach Produktkosten ergibt sich rechnerisch ein Depotstand von rund 155.500 Euro vor späterer Besteuerung – davon 70.200 Euro Einzahlungen und rund 85.300 Euro Wertzuwachs. Auszahlungen im Alter werden grundsätzlich nachgelagert besteuert.

Die Auszahlung ist ab 65 und vor 70 Jahren vorgesehen, wobei zu Beginn der Auszahlphase bis zu 30 Prozent des Kapitals als Teilauszahlung möglich sein sollen. Beiträge bis 1.800 Euro jährlich plus Zulagen können unter gesetzlichen Voraussetzungen als Sonderausgaben berücksichtigt werden, Auszahlungen selbst sind einkommensteuerpflichtig.

Abgrenzung zum klassischen ETF-Sparplan

Im Vergleich zum freien ETF-Sparplan, bei dem das Vermögen grundsätzlich jederzeit verfügbar ist, bindet das Altersvorsorgedepot das Kapital zweckgebunden an die private Altersvorsorge. Vorzeitige Auszahlungen können zum Verlust oder zur Rückzahlung der staatlichen Förderung führen. Beide Modelle erlauben es jedoch, Sparraten anzupassen oder zu pausieren.

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Informationsdefizit trotz grundsätzlicher Zustimmung

Wie verbreitet die Unsicherheit rund um das neue Produkt ist, zeigt eine YouGov-Umfrage im Auftrag von Commerzbank und Comdirect mit 1.517 Befragten aus dem Zeitraum 30. Juli bis 3. August 2026: Jeweils gut ein Drittel hatte noch nichts vom Altersvorsorgedepot gehört oder wusste nur wenig darüber.

Von den 935 Befragten, die bereits davon gehört hatten, fühlten sich 56 Prozent schlecht oder gar nicht informiert, und 38 Prozent gaben an, unerfahren mit Wertpapieranlagen zu sein. Für das Jahr 2027 hielten lediglich 16 Prozent eine Eröffnung für sehr wahrscheinlich und weitere 22 Prozent für eher wahrscheinlich.

Gleichzeitig zeigt eine Civey-Umfrage im Auftrag der DEVK mit 2.500 vom 25. August bis 1. September 2026 befragten Erwerbstätigen (ohne Beamte und Selbstständige, statistische Fehlertoleranz 3,3 Prozentpunkte), dass 56 Prozent eine stärker kapitalmarktorientierte Altersvorsorge grundsätzlich befürworten.

Die Zustimmung fällt dabei altersabhängig sehr unterschiedlich aus: Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt sie bei 75 Prozent, bei den 30- bis 39-Jährigen bei 68 Prozent und bei den 50- bis 64-Jährigen nur noch bei 45 Prozent.

Unabhängige Bewertung von Fondspolicen

Parallel zur Diskussion um das Altersvorsorgedepot hat das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) sein überarbeitetes Fondspolicenrating als Fondspolicen-Investmentrating vorgestellt. Untersucht wurden 117 Tarife von 31 Anbietern aus den Bereichen Privatrente, Basisrente und betrieblicher Altersversorgung, wobei zunächst Ergebnisse zur Privatrente veröffentlicht wurden.

Bewertet wurden unter anderem Fondsauswahl, Kosten, Rendite- und Risikoeigenschaften, Transparenz und Nachhaltigkeit, eingeteilt in die Kategorien Aktiv und Selektiv mit sieben Bewertungsstufen.

In der Kategorie Aktiv erhielten bei den Serviceversicherern 15 von 31 bewerteten Anbietern die Bestnote „Exzellent", während kein Direktversicherer diese Stufe erreichte – Europa kam dort auf „Sehr gut". In der Kategorie Selektiv erzielten drei Anbieter die Höchstnote.

Die Datenlage legt nahe, dass sich Angebot und Informationsstand in den kommenden Monaten noch deutlich annähern müssen, bevor das Altersvorsorgedepot zum geplanten Starttermin flächendeckend genutzt werden dürfte.

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