Altersvorsorgedepot, Euro

Altersvorsorgedepot: Bis zu 540 Euro Grundzulage und 300 Euro je Kind

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das geplante Depot bietet staatliche Zuschüsse; Anbieter bereiten unterschiedliche Gebührenmodelle und Angebote für den Start 2027 vor.

Altersvorsorgedepot 2027: Zulagen und Gebühren im Anbieterwettbewerb
Symbolbild: helles, minimalistisch eingerichtetes Wohnzimmer Illustration mit AI erstellt.

Mit dem geplanten Start am 1. Januar 2027 soll das Altersvorsorgedepot die bisherige Riester-Rente schrittweise ablösen. Das Reformmodell setzt auf eine staatlich geförderte, renditeorientierte Wertpapieranlage und richtet sich an ein breites Spektrum von Sparern.

Förderkonditionen und Voraussetzungen

Die staatliche Unterstützung greift bereits ab einem monatlichen Eigenbeitrag von 10 Euro. Der Staat gewährt einen Zuschuss von 50 Prozent auf Einzahlungen von bis zu 360 Euro im Jahr sowie 25 Prozent auf weitere Beiträge bis zu 1.800 Euro jährlich.

Daraus ergibt sich eine maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr. Zusätzlich ist eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro jährlich pro Kind vorgesehen. Junge Sparer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren erhalten zudem einen einmaligen Startbonus in Höhe von 200 Euro.

Pro Depot dürfen maximal 6.840 Euro pro Jahr eingezahlt werden; bei der Führung von zwei Depots liegt die Grenze bei 13.680 Euro jährlich. Die Besteuerung der Erträge erfolgt nachgelagert in der Auszahlungsphase. Sparer können sich das Kapital flexibel zwischen dem 65. und dem 70. Lebensjahr auszahlen lassen, wobei die Entnahmephase mindestens bis zum 85. Lebensjahr reichen kann.

Erstmals erhalten auch berufsständisch versorgte Heilberufler Zugang zur Zulagenförderung: Apotheker, Ärzte, Zahnärzte sowie Tierärzte ohne gesetzliche Rentenversicherung sind berechtigt. Die apoBank bereitet dafür bereits ein eigenes Angebot vor.

Gesetzliche Vorgaben und Produktauswahl

Das Depotmodell sieht eine vordefinierte passive Standardvariante vor, die ohne Beratung online abgeschlossen werden kann, sowie eine freie aktive Variante. Sämtliche Produkte müssen staatlich zertifiziert sein. Gesetzlich ausgeschlossen sind risikoreichere Anlageklassen wie Einzelaktien, Kryptowährungen und Hebelprodukte. Ein staatliches Standardprodukt wird voraussichtlich erst nach dem Starttermin am 1. Januar 2027 eingeführt.

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Das geplante Altersvorsorgedepot soll ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente schrittweise ablösen — mit bis zu 540 Euro Grundzulage, bis zu 300 Euro je Kind und einem gesetzlichen Gebührendeckel von einem Prozent pro Jahr im Standarddepot. Wer die Förderlogik und die Kostenstruktur vorab versteht, kann den Start gezielt nutzen. Kostenlosen Leitfaden zum Altersvorsorgedepot anfordern

Für das Standarddepot gilt ein gesetzlicher Gebührendeckel von höchstens 1 Prozent pro Jahr. Kostensteigerungen müssen mindestens vier Monate vor Quartalsende angekündigt werden und gewähren Kunden ein kostenfreies Wechselrecht. Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass die im Produktinformationsblatt ausgewiesenen Effektivkosten die entscheidende Vergleichsgröße darstellen.

Der Einfluss laufender Kosten ist erheblich: Nach der sogenannten 72er-Regel wachsen 10.000 Euro bei einer Rendite von 7,2 Prozent über 60 Jahre auf 640.000 Euro an; mindern Gebühren von 1,2 Prozent die jährliche Nettorendite auf 6 Prozent, verbleiben nach demselben Zeitraum lediglich 320.000 Euro.

Wettbewerb der Finanzdienstleister

Im Vorfeld des Starts zeichnet sich ein intensiver Gebührenwettbewerb ab. Laut Bundesfinanzministerium unterschreiten erste Angebote die gesetzlichen Preisvorgaben deutlich:

  • Trade Republic: Der Broker kündigt das Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 ohne Depot- und Ausführungskosten an. Für 51 ausgewählte Indexfonds von BlackRock (iShares), DWS (Xtrackers) und Vanguard – darunter 39 Aktien-ETFs auf Indizes wie den MSCI World und S&P 500 sowie 12 Anleihenfonds – entfallen dauerhaft auch die laufenden Produktkosten. Die Sparplanausführung erfolgt über die Schlussauktion an Xetra ohne Geld-Brief-Spanne. CEO Christian Hecker erklärte, man verdiene mit dem Produkt kein Geld, verliere jedoch auch keines. Das Institut verzichtet auf Rückvergütungen und zählt fünf Millionen Kunden in Deutschland sowie zehn Millionen insgesamt.
  • Scalable Capital: Im Standarddepot fallen 0,15 Prozent Produktkosten pro Jahr an, die im Jahr 2027 erlassen werden. Einzelorders kosten 0,99 Euro, während Fondskosten nur im Selbstentscheider-Depot erstattet werden.
  • Weitere Anbieter: Deka verlangt für das günstigste Produkt 0,1 Prozent pro Jahr und für Individualangebote 1 bis 1,5 Prozent; ein ähnliches Gefüge planen die Deutsche Bank und DWS. Smartbroker+ stellt für drei Jahre Gebührenfreiheit in Aussicht.
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Nicht die Zulage entscheidet über Ihr Ergebnis, sondern die laufenden Kosten: Ein Prozent weniger Nettorendite halbiert nach der 72er-Regel das Endvermögen über lange Laufzeiten. Der Leitfaden zeigt, wie Sie Effektivkosten aus dem Produktinformationsblatt vergleichen und Kostenerhöhungen mit kostenfreiem Wechselrecht begegnen. Gebühren-Check für Ihr Vorsorgedepot starten

Eine Branchenumfrage der Deutschen Wertpapierservice Bank und Lemon Markets unter 88 Instituten ergab, dass 28 Prozent das Standarddepot für kaum wirtschaftlich halten. Dennoch beabsichtigen 77 Prozent der befragten Häuser ein entsprechendes Angebot, wobei 84 Prozent die langfristige Kundenbindung als maßgeblichen Vorteil einstufen.

Die Reaktionen fallen geteilt aus: Während der Sozialverband Deutschland vor unzureichenden Lösungen warnt, erwartet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft belebenden Wettbewerb, sieht den Zeitplan bis Anfang 2027 jedoch als eng an. Der Wirtschaftsweise Martin Werding verweist auf Schwedens staatliche Standardlösung als Referenz und betont, dass die Gebühren der früheren Riester-Verträge oft enorm hoch gewesen seien.

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