Altersvorsorgedepot, Euro

Altersvorsorgedepot: Ab 2027 bis zu 540 Euro staatliche Zulage pro Jahr

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das neue Vorsorgemodell löst Riester ab, erweitert den Förderkreis und ermöglicht höhere Renditechancen ohne Garantie.

Altersvorsorgedepot ab 2027: Förderung, Regeln und Anbieter im Überblick
Ein minimalistischer Holztisch mit einem leeren Blumentopf und einem Glas Wasser in sanftem Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Ab dem 1. Januar 2027 will der Staat die private Altersvorsorge über ein neues, gefördertes Instrument attraktiver machen: das Altersvorsorgedepot. Es tritt an die Stelle der bisherigen Riester-Rente, die zum 31. Dezember 2026 ausläuft, und richtet sich künftig an einen deutlich breiteren Personenkreis – auch Selbstständige und Beamte können die staatliche Förderung nutzen.

Fördersystematik und Zulagen

Anleger können jährlich zwischen 120 und 1.800 Euro einzahlen. Der Staat beteiligt sich mit einer Zulage von bis zu 540 Euro pro Jahr, hinzu kommen bis zu 300 Euro je Kind.

Konkret liegt die Zulage bei 50 Prozent auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag und bei 25 Prozent auf weitere Beiträge bis 1.800 Euro. Kapitalerträge bleiben während der Ansparphase steuerfrei. Bei einem maximalen Eigenbeitrag von 1.800 Euro würden demnach insgesamt 2.340 Euro angelegt.

Eine Beispielrechnung verdeutlicht den steuerlichen Effekt: Bei einem Jahreseinkommen von 70.000 Euro und einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent ergäbe sich eine zusätzliche Steuererstattung von 443 Euro, bei einem Grenzsteuersatz von 50 Prozent wären es 630 Euro.

Wird eine Rendite von 6,5 Prozent nach Kosten unterstellt, könnten aus der jährlichen Steuerersparnis von 443 Euro über 30 Jahre rund 40.500 Euro werden. Bei Ausschöpfung der höchstmöglichen Förderung könnten über denselben Zeitraum rund 250.000 Euro entstehen. Auszahlungen im Ruhestand werden dabei besteuert.

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Vorgesehen sind bis zu zwei Verträge mit jeweils maximal 6.840 Euro Einzahlung pro Jahr; darüber hinaus können insgesamt 11.880 Euro jährlich ungefördert eingezahlt werden. Die Förderung soll bereits ab einer Sparrate von 150 Euro monatlich greifen, wobei Beiträge und Zulagen je nach persönlicher Situation steuerlich geltend gemacht werden können.

Verzicht auf Garantien, Wegfall von Zusatzschutz

Ein zentrales Merkmal der Reform ist die Möglichkeit, auf Garantien zu verzichten – Verluste bleiben in diesem Fall möglich. Das öffnet das Produkt auch für Selbstständige, darunter etwa Praxisinhaber. Gleichzeitig dürfen neue geförderte Verträge keinen zusätzlichen Schutz bei Erwerbsminderung oder Dienstunfähigkeit mehr enthalten, wie er bei klassischen Riester-Verträgen teils vorgesehen war.

Bestehende Riester-Verträge behalten grundsätzlich ihre vereinbarten Bedingungen. Eine Ausnahme gilt bei lebenslangen Leibrenten: Hier bleibt eine Garantiezeit von 10 oder 20 Jahren möglich, allerdings ohne Invaliditätsschutz.

Wichtig für bestehende Riester-Sparer: Ein Wechsel in die neue Förderung ist unwiderruflich und gilt für alle bisherigen Riester-Verträge. Wird das Guthaben in ein neues Produkt übertragen, wird ein etwaiger Zusatzschutz nicht automatisch übernommen.

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Wettbewerb unter Anbietern nimmt Fahrt auf

Banken und Fondsgesellschaften positionieren sich bereits im Vorfeld. Die Deutsche Bank plant ein digitales Standarddepot mit Kosten von 0,1 Prozent jährlich in den ersten zwei Jahren, danach 0,28 Prozent, sowie ein Beratungsdepot für 0,99 Prozent jährlich; zudem bereitet das Institut ein eigenes Angebot für das geförderte Altersvorsorgedepot vor.

Scalable Capital nennt laufende Kosten von höchstens 0,15 Prozent jährlich, mit einer Gesamtkostenquote von 0 Prozent im ersten Jahr; im August hatte der Anbieter bereits ein gebührenfreies Standarddepot ohne Kosten für Depotführung, Sparpläne sowie Ein- und Auszahlungen angekündigt.

Auch Deka bietet ein Standarddepot for 0,1 Prozent jährlich an, während Fidelity ein Standardprodukt mit 35 bis 75 Basispunkten jährlich plus 12 Euro Depotentgelt pro Jahr plant. Anbieter dürfen ihre Preise mit einer Vorankündigungsfrist von vier Monaten erhöhen.

Franklin Templeton rechnet mit dem intensivsten Wettbewerb, den das Unternehmen bislang erlebt habe – ETF-Kosten könnten demnach auf einstellige Basispunkte sinken. Für 2027 erwartet Franklin Templeton branchenweit 6,5 bis 8 Millionen eröffnete Depots und schätzt, dass in den kommenden Jahren rund 300 Angebote auf den Markt kommen könnten.

S&P Global schätzt jährliche Zuflüsse von 26 bis 56 Milliarden Euro. In der Trade-Republic-Community wird diskutiert, ob ein geplantes Altersvorsorgedepot des Unternehmens Kunden langfristig binden könnte, wobei zugleich Sorgen über Margendruck durch niedrige Gebühren sowie Service- und Reputationsrisiken geäußert werden.

Zusätzlich: Die Frühstartrente für Kinder

Parallel zum Altersvorsorgedepot bringt Bundesfinanzminister Lars Klingbeil einen Gesetzentwurf zur sogenannten Frühstartrente voran, den er im Bundestag vorstellte; der Entwurf wurde zur weiteren Prüfung an die Ausschüsse überwiesen, eine abschließende Abstimmung wird in den kommenden Wochen erwartet.

Vorgesehen ist ein staatlicher Beitrag von 10 Euro pro Monat für Kinder und Jugendliche, angelegt in einem persönlichen Vorsorgedepot. Wird zunächst kein eigenes Depot eröffnet, sollen die Beiträge in ein Sondervermögen des Bundes fließen, das die Bundesbank verwalten soll.

Eine Übertragung in einen zertifizierten Altersvorsorgevertrag ist bis zum 25. Geburtstag vorgesehen. Die Opposition kritisierte sowohl den Förderumfang als auch die mit der Anlage verbundenen Risiken.

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