Altersvorsorge: Neues Depot löst Riester-Rente ab Januar 2027 ab
19.06.2026 - 20:03:17 | boerse-global.de
Ab Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot das umstrittene Modell ab. Die neue private Vorsorge setzt auf Kapitalmarktchancen – und lockt mit üppigen Steuervorteilen.
So funktioniert das neue Vorsorgedepot
Die staatliche Förderung ist gestaffelt. Wer bis zu 360 Euro einzahlt, bekommt 50 Prozent Zuschuss. Bei Beiträgen zwischen 361 und 1.800 Euro sinkt die Zulage auf 25 Prozent. Maximal gibt es 540 Euro pro Jahr vom Staat.
Besonders Gutverdiener profitieren. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent ist eine Steuererstattung von 443 Euro möglich. Spitzenverdiener mit 50 Prozent Grenzsteuersatz können bis zu 630 Euro zurückbekommen. Jährlich fließen bis zu 14.000 Euro in maximal zwei Verträge.
Wer ein privates Vorsorgevermögen für das Alter aufbaut, sollte auch die rechtssichere Weitergabe an die Liebsten frühzeitig regeln. Dieser kostenlose Ratgeber bietet geprüfte Vorlagen für das Berliner Testament und wertvolle Erbschaftstipps, um unnötige Kosten zu vermeiden. Berliner Testament & Erbschaftstipps kostenlos sichern
Die Rechnung macht Hoffnung: Bei 6,5 Prozent Rendite über 30 Jahre entsteht ein Kapitalstock von rund 250.000 Euro. Wer die Höchstbeiträge ausreizt, kommt auf über 1,3 Millionen Euro. Versteuert wird erst in der Auszahlungsphase.
Rentenkommission: Diese Reformen stehen an
Parallel zur privaten Vorsorge arbeitet eine Regierungskommission an der staatlichen Rente. Unter Leitung von Frank-Jürgen Weise und Constanze Janda verabschiedete das Gremium in der Nacht zum 18. Juni rund 30 Empfehlungen. Die Übergabe an Kanzler Merz und Arbeitsministerin Bas erfolgt am 23. Juni.
Die Details sind noch geheim. Klar ist: Das Reformpaket soll bis Juli 2026 stehen. Diskutiert wird eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre für Jahrgänge ab 1990. Auch steigende Beiträge ab 2028 sind im Gespräch. Ziel: Das Rentenniveau von 48 Prozent stabilisieren.
Grundsicherung: Schluss mit Schonvermögen
Ab Juli 2026 ersetzt eine neue Grundsicherung das Bürgergeld. Die Karenzzeit für Vermögen fällt weg – die Prüfung erfolgt ab Tag eins. Die Freibeträge sind altersabhängig: 5.000 Euro für Unter-20-Jährige, 15.000 Euro für Über-51-Jährige.
Aktien, Fonds und ETFs müssen vor dem Bezug weitgehend aufgebraucht werden. Geschützt bleiben nur zertifizierte, nicht kündbare Produkte.
Pflegende Angehörige: Milliarden-Einschnitte geplant
Ein Referentenentwurf vom 4. Juni schlägt Alarm. Ab 1. Januar 2027 sollen die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige um 30 Prozent gekürzt werden. Das spart Milliarden. Für Pflegepersonen, die bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben, droht die vollständige Streichung.
Rentenberater kritisieren die Pläne scharf. Sie sehen einen Rückschritt für die soziale Anerkennung der häuslichen Pflege.
Wenn die Unterstützung durch Angehörige im Ernstfall rechtlich abgesichert sein soll, ist eine gültige Patientenverfügung unerlässlich. Ohne dieses Dokument darf Ihre Familie im Notfall oft nicht für Sie entscheiden – erfahren Sie hier, wie Sie das rechtssicher ändern. Kostenlosen Vorsorge-Ratgeber mit Vorlagen anfordern
Der Druck wächst: Demografie als Treiber
Die Reformdebatte ist kein deutsches Phänomen. Beim Vorsorge-Dialog in Wien am 15. Juni zeigte sich: Österreich liegt mit 82 Prozent öffentlichen Alterseinkommen weit über dem OECD-Schnitt von 57 Prozent. Auch dort fordern Experten mehr private Vorsorge.
Die Zahlen sind dramatisch: Jährlich erreichen 5,2 Millionen Menschen das Rentenalter – aber nur 3,1 Millionen Erwerbstätige rücken nach. Fast jeder fünfte Über-65-Jährige gilt als armutsgefährdet. Der CDU-Wirtschaftsrat fordert daher die Abschaffung der Rente mit 63 und eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Sonst drohen Sozialabgaben von 50 Prozent bis 2035.
