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Altersvorsorge: 30-Jährige müsste 430 Euro im Monat für die Rente sparen

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bafin-Expertin bezweifelt, dass geplante Reformen Gering- und Mittelverdienern das Sparen ermöglichen: Steigende Ausgaben lassen vielen Haushalten kaum Spielraum.

Altersvorsorge unter Druck: Hohe Kosten schmälern die Sparfähigkeit
Ein minimalistischer, spärlich eingerichteter Wohnraum mit einem leeren Holztisch in gedämpftem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Steigende Lebenshaltungskosten und anhaltende Teuerungsraten belasten die finanzielle Handlungsfähigkeit vieler privater Haushalte zunehmend. Während die Notwendigkeit einer frühzeitigen privaten Altersvorsorge in aktuellen Fachdebatten und Medienberichten immer wieder betont wird, schrumpfen die finanziellen Spielräume der Bürger. Fachleute und Aufsichtsbehörden blicken daher mit wachsender Skepsis auf die reale Sparfähigkeit breiter Bevölkerungsschichten.

Reale Kaufkraftverluste bremsen den Vermögensaufbau

Julia Wiens, Exekutivdirektorin für Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), äußerte in einem Interview mit dem Fachmedium Pfefferminzia deutliche Zweifel an der Reichweite geplanter Reformen.

Eine staatlich angestrebte Neuordnung der privaten Altersvorsorge solle zwar vor allem Gering- und Mittelverdienern das Sparen erleichtern, stoße jedoch an wirtschaftliche Grenzen.

Da viele Güter des täglichen Bedarfs teurer würden, die Gehälter jedoch nicht im selben Ausmaß zulegten, könnten sich etliche Haushalte eine zusätzliche Absicherung schlichtweg nicht leisten. Gerade die Zielgruppe der Reformen laufe Gefahr, finanziell außen vor zu bleiben.

Dass die Sparfähigkeit stark vom Einkommen abhängt, belegen auch offizielle Daten. Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zu den laufenden Wirtschaftsrechnungen für das Jahr 2024 gaben private Haushalte im Schnitt 3.257 Euro monatlich für den Konsum aus, nach 2.846 Euro zwei Jahre zuvor.

Größter Posten war das Wohnen inklusive Energie mit einem Anteil von 36,3 Prozent, gefolgt von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren mit 14,0 Prozent sowie Verkehrsausgaben mit 13,8 Prozent.

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Bei Haushalten mit einem Nettoeinkommen von unter 1.300 Euro im Monat überstiegen die Konsumausgaben mit 1.332 Euro sogar das laufende Einkommen, während Freizeitaktivitäten lediglich 76 Euro ausmachten. Haushalte ab 5.000 Euro Nettoeinkommen wendeten hingegen 5.075 Euro für Konsumzwecke auf, davon 545 Euro für Freizeit.

Sparquoten und Zinsillusion im Alltag

Trotz der Teuerung lag die Sparquote privater Haushalte in Deutschland im zweiten Quartal 2026 bei 9,6 Prozent, nach 9,5 Prozent im entsprechenden Vorjahresquarter. Das gesamte Sparvolumen sank im Gesamtjahr 2025 auf 275,5 Milliarden Euro, nachdem es 2024 noch 292,3 Milliarden Euro betragen hatte; die Jahresquote fiel in diesem Zeitraum von 11,0 Prozent auf 10,1 Prozent zurück.

Gleichzeitig wuchsen die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer im zweiten Quartal 2026 im Vorjahresvergleich um 4,4 Prozent, die Nettolöhne um 4,7 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen ging zeitgleich um 212.000 auf 45,7 Millionen Personen zurück.

Viele Sparer greifen weiterhin auf klassische Einlagen zurück, obwohl diese oft keinen realen Werterhalt bieten. Eine beispielhafte Modellrechnung verdeutlicht das Problem: Bei einem Nominalzins von 3,0 Prozent pro Jahr auf einem Tagesgeldkonto und einer Inflationsrate von 4,0 Prozent ergibt sich eine negative Realrendite von minus 1,0 Prozent.

Bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro steht einem nominalen Zinsertrag von 300 Euro ein Kaufkraftverlust von 400 Euro gegenüber, was einen realen Verlust von 100 Euro im Jahr bedeutet.

Liegt die Inflation über einen Zeitraum von zehn Jahren moderat über dem Anlagezins, kann dies rund ein Viertel der ursprünglichen Kaufkraft vernichten. Finanzexperten raten daher zu breit gestreuten Sachwertanlagen wie Aktien-ETFs sowie der Nutzung des Sparerpauschbetrags von bis zu 1.000 Euro jährlich für Alleinstehende.

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Versorgungslücken und Vorsorgeverhalten

Untersuchungen des Geldratgebers Finanztip beziffern mögliche Rentenlücken auf bis zu eine Million Euro. In Modellrechnungen ergibt sich für eine 30-jährige Frau mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 2.700 Euro eine Versorgungslücke in dieser Höhe, sofern eine Lebenserwartung von 100 Jahren angenommen wird. Bei einem Rentenbezug von 20 Jahren liegt der Fehlbetrag bei mehr als 500.000 Euro.

Um 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens im Alter abzusichern, empfiehlt der Chefredakteur von Finanztip, rund 15 Prozent des Nettogehalts in weltweit anlegende Aktien-ETFs zu investieren. Eine 30-Jährige mit 2.700 Euro Netto müsste demnach 430 Euro monatlich zurücklegen, bei einem Einstieg mit 35 Jahren wären es bereits 540 Euro und mit 40 Jahren 690 Euro monatlich.

Umfragen des Portals verdeutlichen jedoch erhebliche Defizite in der Bevölkerung: 57 Prozent der Befragten äußerten Sorgen bezüglich ihrer Altersversorgung. Bei den Frauen gaben 30 Prozent an, überhaupt keine Rücklagen für das Alter zu bilden, während dies auf 19 Prozent der Männer zutraf.

Insgesamt spart ein Viertel der noch nicht im Ruhestand befindlichen Personen gar nicht. Unter den genutzten Vorsorgeformen dominieren weiterhin Tages- und Festgelder mit 30 Prozent, gefolgt von Lebens- und Rentenversicherungen sowie der betrieblichen Altersvorsorge mit jeweils 26 Prozent, während Aktien-ETFs von 21 Prozent genannt wurden.

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