Altern, Epigenetische

Altern: Epigenetische Marker zeigen Entzündung besser als Kalender

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 12:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die TFMethyl Clock schätzt biologisches Alter präzise, während eine Londoner Studie große Unterschiede bei Entzündung und Alterung zeigt.

Neue Studien zeigen individuelle Wege des biologischen Alterns
Eine Laborzentrifuge in einem klinischen Forschungsumfeld, die den Fokus auf Präzision und medizinische Wissenschaft legt. Illustration mit AI erstellt.

Epigenetische Veränderungen gelten zunehmend als Schlüssel zum Verständnis von Alterungsprozessen und den damit verbundenen Entzündungsreaktionen im Körper. Eine im September 2026 berichtete Entwicklung des Leibniz-Instituts liefert dazu neue Erkenntnisse: eine epigenetische Uhr namens TFMethyl Clock, die das biologische Alter über Methylierungsmuster an 548 CpG-Stellen bestimmt.

Präzise Altersschätzung durch DNA-Methylierung

Die TFMethyl Clock wurde laut einem Bericht vom 7. September 2026 auf Basis von 7.803 Blutproben von Personen im Alter zwischen 0 und 101 Jahren trainiert. Das Modell erreicht dabei eine Korrelation von 0,97 zwischen geschätztem und tatsächlichem Alter, bei einem Medianfehler von 2,07 Jahren – eine bemerkenswerte Genauigkeit für ein Verfahren, das rein auf epigenetischen Markern basiert.

Besonders relevant für die Entzündungsforschung ist die vom Leibniz-Instituts beschriebene Verknüpfung der Uhr mit zwei biologischen Prozessen: Entzündung, gemessen am Marker IL-1?, sowie dem Fettsäurestoffwechsel über das Gen ELOVL2. Diese Assoziationen deuten darauf hin, dass die epigenetische Uhr nicht nur chronologisches Altern abbildet, sondern auch systemische Entzündungsprozesse widerspiegelt, die als Treiber altersbedingter Erkrankungen gelten.

Individuelle Verläufe statt starrer Zeitachsen

Ergänzend dazu liefert eine in der Fachzeitschrift „Science" veröffentlichte Studie des King's College London, über die ebenfalls am 7. September 2026 berichtet wurde, ein differenzierteres Bild des biologischen Alterns. Die Untersuchung begleitete 335 Frauen im Alter von 32 bis 80 Jahren über einen Zeitraum von bis zu acht Jahren. Dabei veränderten sich mehr als 5.000 Gene sowie 181 Metabolite im Verlauf der Beobachtungszeit.

Ein zentraler Befund betrifft die Aktivität des Gens TP53, die im Untersuchungszeitraum sank – ein Protein, das eine wichtige Rolle bei Zellreparatur und Tumorunterdrückung spielt. Gleichzeitig zeigte der Entzündungsmarker CXCL9 starke individuelle Unterschiede zwischen den Studienteilnehmerinnen.

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Nach Einschätzung der Forschenden lässt sich Altern damit nicht allein am kalendarischen Alter festmachen. Stattdessen spielten Umweltfaktoren wie PFAS-Belastung sowie Unterschiede im Immunsystem eine erhebliche Rolle bei der Frage, wie individuelle Alterungsverläufe tatsächlich ausfallen.

Bedeutung für die Erforschung chronischer Entzündungen

Beide Studien ergänzen sich in ihrer Aussage: Während die TFMethyl Clock des Leibniz-Instituts einen präzisen, messbaren Zusammenhang zwischen Methylierungsmustern und Entzündungsmarkern wie IL-1? herstellt, zeigt die Langzeitstudie des King's College London, wie variabel Entzündungsprozesse – etwa gemessen an CXCL9 – zwischen Individuen tatsächlich verlaufen können.

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Für die Forschung zu chronischen Entzündungserkrankungen ergibt sich daraus ein zweigleisiger Ansatz: Epigenetische Uhren wie die TFMethyl Clock könnten künftig als Werkzeug dienen, um biologisches Alter und entzündungsbezogene Risikofaktoren objektiv zu erfassen.

Gleichzeitig verdeutlicht die Studie aus London, dass pauschale Aussagen über Alterungsprozesse zu kurz greifen, solange individuelle Unterschiede bei Umweltbelastung und Immunreaktion nicht berücksichtigt werden.

Beide Forschungsrichtungen unterstreichen damit, dass Entzündungsprozesse im Körper nicht isoliert betrachtet werden sollten, sondern als Teil eines komplexen Zusammenspiels aus genetischer Regulation, Stoffwechsel und äußeren Einflussfaktoren zu verstehen sind.

Für die klinische Praxis könnte dies langfristig bedeuten, dass Diagnostik und Prävention altersbedingter Entzündungserkrankungen stärker auf individuelle epigenetische und metabolische Profile zugeschnitten werden müssen, anstatt sich allein am kalendarischen Alter zu orientieren.

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de | wissenschaft | 70068318 |