Altern aufhalten: Brian Kennedy fordert validierte Biomarker und Prävention
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Debatte über Langlebigkeit und das Aufhalten des Alterungsprozesses gewinnt weltweit an Dynamik. Auf dem gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) sowie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), der vom 23. bis 26. September 2026 in Frankfurt am Main stattfand, rückten Fachleute die wissenschaftliche Einordnung des Thema in den Mittelpunkt.
Vor rund 1.200 Teilnehmenden und mit Hauptvortragenden aus sieben Ländern warnte der Altersforscher Brian Kennedy vor unkritischen Heilsversprechen auf dem Markt für Langlebigkeit.
Skepsis gegenüber vereinfachten Messverfahren
Kennedy, Direktor des Zentrums für gesunde Langlebigkeit an der Nationalen Universität Singapur und Autor von mehr als 240 wissenschaftlichen Publikationen, dämpfte die Erwartungen an kommerzielle Altersbestimmungen. Zeige ein Test beispielsweise ein biologisches Alter von 55 statt eines kalendarischen Alters von 62 Jahren an, belege dies keineswegs eine Verlangsamung des Alterns um sieben Jahre.
Für eine fundierte Aussage seien wissenschaftlich validierte Biomarker sowie ein objektiv nachweisbarer Effekt einzelner Interventionen zwingend erforderlich. Bislang fehle es bei vielen vorgeschlagenen Methoden und Wirkstoffen jedoch an belastbaren Langzeitdaten beim Menschen, um dauerhafte lebensverlängernde Wirkungen verlässlich zu belegen.
Personalisierte Prävention statt pauschaler Medikation
Pauschale Lösungen wies der Wissenschaftler zurück. Eine universelle Tablette für Langlebigkeit gebe es nicht. Stattdessen komme es auf eine zielgerichtete, personalisierte Prävention an, die sich am individuellen Risikoprofil orientiere. Als zentrale Säulen gelten dabei ausreichende Bewegung, der Erhalt der Muskelkraft, eine angepasste Ernährung sowie die gezielte medizinische Behandlung von Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen.
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Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel sollten nach Ansicht des Forschers ausschließlich dann zum Einsatz kommen, wenn Wirksamkeit und Sicherheit durch wissenschaftliche Studien eindeutig nachgewiesen sind.
Gesunde Lebensjahre als primäres Ziel
Der Kongress unterstrich zudem den Unterschied zwischen bloßer Lebensverlängerung und dem Erhalt der Lebensqualität. Kongresspräsident Hans-Werner Wahl betonte die Notwendigkeit, Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität in den Vordergrund zu rücken. Er forderte eine Lehre, die Forschung, Prävention und medizinische Versorgung konsequenter miteinander verknüpft.
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Diese Haltung deckt sich mit der Grundposition der 1985 gegründeten DGG, die rund 1.800 Mitglieder zählt: Nicht die bloße Zahl der gelebten Jahre dürfe im Fokus stehen, sondern der Zeitraum, der bei guter körperlicher und geistiger Gesundheit verbracht werde.
Wie der demografische Wandel auf Systemebene gestaltet werden kann, verdeutlichte Kennedy anhand von Beispielen aus Singapur. Im asiatischen Stadtstaat ist inzwischen rund jeder fünfte Einwohner älter als 65 Jahre, während die Lebenserwartung bei der Geburt im Jahr 2025 fast 84 Jahre betrug.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzt das Land mit Programmen wie Healthier SG und Age Well SG auf strukturierte Präventionsansätze für die alternde Bevölkerung.

