Altern, Gene

Altern: 5.000 Gene zeigen höchst individuelle Alterungsmuster

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Longevity-Kongress beleuchtet individuelle Alterungsprozesse, Prävention und neue Therapien – mit 1.000 Fachleuten in Frankfurt.

Longevity-Kongress: Was Forschung über gesundes Altern zeigt
Ein ruhiger, sonnendurchfluteter Parkweg im Herbst mit einer Parkbank in der Ferne, der für einen gesunden Lebensstil steht. Illustration mit AI erstellt.

Der für den Zeitraum vom 23. bis zum 26. September 2026 terminierte Kongress in Frankfurt am Main führt rund 1.000 Experten aus der Altersmedizin und Gerontologie zusammen.

Im Fokus der wissenschaftlichen Debatte stehen neben neuen Alzheimer-Therapien und Pflegetechnologien grundlegende Fragen der Longevity-Forschung sowie die Auswirkungen des Klimawandels auf die ältere Bevölkerung. Ein zentraler Programmpunkt widmet sich der Fragestellung, ob das Altern selbst als Krankheit definiert werden sollte.

Wissenschaftliche Einordnung des Alterungsprozesses

Prof. Michael Denkinger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und ärztlicher Direktor einer geriatrischen Klinik, vertritt die Position, dass Altern keine Krankheit darstelle. Er warne vor einer Pathologisierung des Älterwerdens, die er als gefährlich einstufe.

In Bezug auf kommerziell verfügbare Longevity-Produkte, wie etwa Peptide zur Gewebeverjüngung, verwies der Mediziner auf eine mangelnde Evidenzlage. Bisher gebe es keine Produkte, die nachweislich die Lebensspanne von Menschen verlängerten; vorliegende Erkenntnisse stammten primär aus Tierversuchen.

Denkinger kritisierte zudem die zunehmende Kommerzialisierung von Longevity-Konzepten. Für ein gesundes Altern empfahl er stattdessen bewährte Faktoren wie regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, den Verzicht auf Tabak, einen moderaten Umgang mit Alkohol sowie die Pflege sozialer Kontakte und die Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen.

Molekulare Individualität und biologische Grenzen

Forschungen des King’s College London unterstreichen die Komplexität des Alterns. Eine Studie mit 335 Frauen der britischen Zwillingskohorte „TwinsUK“, die im Fachjournal „Science“ veröffentlicht wurde, belegt, dass die molekulare Alterung höchst individuell verläuft. Über einen Zeitraum von bis zu acht Jahren untersuchten die Forscher die Genaktivität und 1.197 Stoffwechselprodukte im Blut.

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Dabei zeigten sich bei mehr als 5.000 Genen signifikante Veränderungen. Besonders auffällig waren sinkende Aktivitäten beim Tumorsuppressor-Gen TP53 sowie starke Unterschiede beim Gen CXCL9, das mit der Herzalterung in Verbindung gebracht wird.

Die Studienautoren stellten fest, dass zwei gesunde Menschen desselben Alters auf molekularer Ebene überraschend unterschiedliche Alterungsmuster aufweisen können. Zudem hinterließen Umweltfaktoren wie die Belastung durch PFAS molekulare Spuren im Blutserum.

Ergänzend dazu liefern Rechenmodelle des Skolkovo Institute of Science and Technology theoretische Grenzwerte für die menschliche Lebensdauer. Ein Gedankenexperiment der Forscher ergab, dass bei einer Ausschaltung aller umkehrbaren Alterungsprozesse eine mittlere Lebensspanne von 146 bis 194 Jahren erreichbar wäre.

Die biologische Grenze werde vor allem durch nicht teilungsfähige Zellen, wie Nerven- oder Herzmuskelzellen, gesetzt. Im Gegensatz dazu blieben Organe mit hoher Regenerationsrate wie die Leber theoretisch über Jahrtausende funktionsfähig.

Prävention und regulatorische Entwicklungen

In der praktischen Anwendung liefert eine systematische Übersichtsarbeit des Norfolk and Norwich University Hospital und der University of East Anglia neue Daten zur kardiovaskulären Prävention.

Die Meta-Analyse, die Daten von 480.479 Personen aus neun Studien einbezog, zeigt, dass regelmäßiges Treppensteigen das Risiko für einen Herz-Kreislauf-Tod um 39 % senken kann. Das allgemeine Sterberisiko verringere sich um rund 24 %. Ein besonders hoher Nutzen wurde in einer der Studien bei sechs Stockwerken pro Tag beobachtet, wobei die optimale Dosierung noch weiter erforscht werden müsse.

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Parallel zu medizinischen Erkenntnissen verändern sich auch rechtliche Rahmenbedingungen. Der US-Bundesstaat Montana hat den Markt für experimentelle Therapien geöffnet. Hierbei entscheiden künftig private Prüfgremien statt staatlicher Behörden über Zulassungen, was insbesondere im Hinblick auf den Milliardenmarkt der Longevity-Medizin von Bedeutung ist.

Auch klassische Ansätze bleiben relevant. In Bad Wörishofen wird die seit 1886 bestehende Kneippkur weiterhin als Fundament der Gesundheitsvorsorge genutzt. Moderne Ergänzungen wie Heilwälder oder spezifische Schlafkuren für Frauen erweitern dort das traditionelle Angebot zur Bewältigung des Alltagsstresses.

Im Bereich der Supplementierung weisen Experten zudem auf aktuelle Leitlinien hin, wonach Calcium oder Vitamin D bei Osteoporose nur in Kombination einen Schutzeffekt erzielen.

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