Albträume und Tagträume: Mögliche Frühwarnzeichen für Autoimmunerkrankungen
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 08:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Albträume und Tagträume als frühzeitige Warnsignale für Autoimmunerkrankungen dienen könnten. Gleichzeitig berichten Betroffene von Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) über erhebliche psychische Belastungen, die durch den chronischen Verlauf und die körperlichen Einschränkungen ausgelöst werden.
Früherkennung und die Belastung durch chronische Erschöpfung
Dass neurologische und psychische Auffälligkeiten wie veränderte Traumphasen im Vorfeld manifester Immunreaktionen auftreten können, rückt zunehmend in den Fokus der Forschung. Für chronisch Erkrankte bringt die Diagnose oft tiefgreifende Auswirkungen auf den Alltag und das seelische Wohlbefinden mit sich.
Nach Angaben der ME/CFS Research Foundation verursachten ME/CFS und Long COVID im Jahr 2025 gesellschaftliche Kosten in Höhe von 64,5 Milliarden Euro. Allein in Deutschland sind demnach mindestens 650.000 Menschen von ME/CFS betroffen.
In der Öffentlichkeit wird die medizinische Betreuungslage kontrovers erörtert. Ein veröffentlichter Blogbeitrag stellte eine politische Olympia-Garantie von rund 10 Milliarden Euro den Lücken in der flächendeckenden ME/CFS-Versorgung gegenüber und forderte eine bedarfsgerechte Infrastruktur, insbesondere für Schwerstbetroffene.
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Seitens der Politik stellte das Bundesgesundheitsministerium 118 Millionen Euro für 34 Projekte zu postinfektiösen Erkrankungen bereit, die unter anderem dem Aufbau von Versorgungsstrukturen für ME/CFS und Long COVID dienen sollen.
Genetische Netzwerke und biologische Mechanismen
Neben klinischen Beobachtungen untersuchen Forschungsgruppen die biologischen Ursachen von neuroimmunologischen Krankheitsbildern. An der MedUni Wien analysieren der Epidemiologe Matthias Wielscher und Kathryn Hoffmann im Rahmen des Projekts „Mechanistische Endotypen bei ME/CFS“ genetische und klinische Profile, um Patientengruppen präziser zu unterteilen.
Der Fokus liegt auf häufigen genetischen Varianten, die bei mehr als 5 Prozent der Bevölkerung vorkommen; ein Abgleich soll anschließend über den DecodeME-Datensatz erfolgen. Das Vorhaben wird über den WE&ME Award mit 450.000 Euro gefördert, während der FWF drei weitere Projekte zu ME/CFS mit insgesamt 1,3 Millionen Euro unterstützt.
Auf genetischer Ebene zeigt sich zudem eine breitere Vernetzung verschiedener Immun- und Belastungskrankheiten. Eine im Journal of Translational Medicine erschienene und von Oxford BioDynamics finanzierte Computeranalyse – bei der 11 von 14 Autoren bei dem Unternehmen beschäftigt sind – verglich Genlisten zu rheumatoider Arthritis (885 Gene), PTSD (324 Gene) sowie ME/CFS und Long COVID (jeweils 567 Gene).
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Die Untersuchung identifizierte nur wenige identische Gene, stellte jedoch funktionell überlappende Gen-Netzwerke fest. Die Auswertung berücksichtigte Orion-Faltungspunkte erst ab einem Wert über 0,99, bezog jedoch keine neuen Patientenproben ein und überprüfte die Überschneidungen nicht formal auf Zufall.
Der Einfluss von Schlafqualität und chronischen Entzündungen
Die Interaktion zwischen Psyche, Schlaf und Immunsystem wird auch durch epidemiologische Erhebungen untermauert. Eine Untersuchung der UK Biobank mit 95.559 Erwachsenen, deren Schlaf per Bewegungssensor erfasst und über einen Median von 8,9 Jahren verfolgt wurde, brachte Schlafmuster mit 156 Krankheitsbildern in Verbindung.
Ein höherer Anteil an REM-Schlaf ging mit einem reduzierten Risiko für 83 Erkrankungen einher, darunter Demenz und Herzschwäche, während mehr Tiefschlaf das Risiko für 7 Erkrankungen verringerte. Für 69 Erkrankungen erwies sich eine Schlafdauer von 6 bis 8 Stunden als statistisch am günstigsten.
Zusätzlich verknüpfte eine Studie des Imperial College London mit 488.079 Teilnehmenden der UK Biobank chronische niedriggradige Entzündungen über den Blutmarker GlycA mit Herzveränderungen. Personen mit den höchsten Entzündungswerten wiesen ein um 43 Prozent höheres Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse auf als jene mit den niedrigsten Werten.
Wie die im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlichte Untersuchung festhält, standen auch psychische Belastungen und soziale Benachteiligung in messbarem Zusammenhang mit den Entzündungsmarkern.
