Akupressur, Blähungen

Akupressur bei Blähungen: Zhongwan und Neiguan regulieren Magen-Qi

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 09:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Akupressur und pflanzliche Mittel können Verdauungsbeschwerden ergänzend lindern, während anhaltende Symptome ärztlich abgeklärt werden sollten.

TCM bei Blähungen: Akupressur, Kräuter und medizinische Einordnung
Eine Teekanne mit getrockneten Orangenschalen und Ingwer auf einem Holztisch als Symbol für traditionelle Kräuteranwendungen. Illustration mit AI erstellt.

Fachbeiträge beschreiben zunehmend die gezielte Anwendung von Akupressur an Leitpunkten wie Zhongwan und Neiguan sowie den Einsatz traditioneller Kräuterrezepturen zur Linderung abdominaler Blähungen. Die Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zielen darauf ab, funktionelle Verdauungsstörungen ohne invasive Eingriffe zu regulieren und den Fluss des Magen-Qi wiederherzustellen.

Gezielte Druckpunkte zur Entlastung des Magen-Darm-Trakts

Im Zentrum der TCM-Akupressur bei Magen- und Darmbeschwerden steht der Punkt Zhongwan auf dem Abdomen. Dieser gilt als Hauptpunkt zur Behandlung von Blähungen, Bauchschmerzen, Darmgeräuschen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit. Ergänzend reguliert der Punkt Neiguan Beschwerden wie Magenschmerzen, Erbrechen sowie Durchfall oder Verstopfung. Eine Massage dieser Punkte soll die Gasabgabe fördern und das Abdomen spürbar entlasten.

Tritt vermehrtes Entweichen von Darmgasen auf, wird alternativ die sanfte kreisende Massage des Akupressurpunkts Shuifen empfohlen, der sich rund eine Fingerbreite über dem Nabel befindet.

In der therapeutischen Praxis wird die Behandlung häufig durch die Nadelung oder Massage des Punktes Zusanli am Bein und begleitende Tuina-Bauchmassagen ergänzt, um die sogenannte Spleen-Transformation zu stützen und das Magen-Qi abzusenken.

Nach der TCM-Lehre entstehen entsprechende Beschwerden vor allem durch unregelmäßige Mahlzeiten, zu kalte oder rohe Kost, Stress sowie eine konstitutionelle Schwäche.

Pflanzliche Rezepturen und Teemischungen

Neben der mechanischen Reizung von Körperpunkten setzen Behandler auf differenzierte pflanzliche Rezepturen. Für den alltäglichen Einsatz werden unter anderem getrocknete Orangenschalen – entweder 3 Gramm aufgegossen oder als Einzelschale mit 3 bis 6 Scheiben Ingwer abgekocht – sowie Minztee genutzt, der 15 Minuten ziehen gelassen wird.

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Bei Minztee gelten jedoch Einschränkungen für Schwangere, Stillende sowie Personen mit ausgeprägter körperlicher Schwäche und starkem Schwitzen. Weitere Rezepturen nutzen unter anderem Grüner-Pflaumenblüten-Tee (10 Gramm Pflaumenblüten mit 4 Gramm Grüntee), geröstete Getreidekeimlinge kombiniert mit Kumquats, Weißdorn-Pulver oder Osmanthusblüten.

In komplexeren klinischen Situationen kommen spezifische Arzneikombinationen zum Einsatz. Ein dokumentierter Fallbericht schildert den Verlauf einer an Darmkrebs erkrankten Patientin, die nach einer Durchfallphase und der Einnahme von zwei Tabletten Norfloxacin unter massivem Blähbauch, Aufstoßen und Stuhlverhalt litt.

Nach der Einordnung als Jueyin-Erkrankung und der Gabe von zwei Dosen einer modifizierten Rezeptur aus Jiao-Mei-Tang und Wumei-Wan – bestehend aus Wumei, Chuanjiao, Banxia, Ganjiang, Huangqin, Huanglian, Dangshen, Baishao, Zhike, Xixin, Guizhi, Huangbai, Danggui, Fuzi und Shenqu – bildeten sich die Blähungen vollständig zurück.

Evidenz und Einordnung komplementärer Ansätze

Auch die westliche Medizin untersucht pflanzliche Mittel bei funktionellen Magen-Darm-Störungen. Gemäß Richtlinien wie jenen des American College of Gastroenterology und der World Gastroenterology Organisation weisen magensaftresistente Pfefferminzöl-Kapseln eine moderate Evidenz bei Krämpfen und Meteorismus im Rahmen des Reizdarmsyndroms auf, können jedoch Sodbrennen verstärken.

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Ingwer zeigt starke Belege gegen Übelkeit, besitzt aber mild blutverdünnende Eigenschaften. Für Kamille oder Kurkuma liegt die Evidenz dagegen auf begrenztem Niveau.

Gastroenterologen betonen, dass chronische Beschwerden wie Blähungen und Bauchschmerzen auch auf eine gestörte Darmbarriere zurückgehen können, wie sie etwa bei Zöliakie oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen vorliegt. Eine ballaststoffreiche Ernährung unterstützt die Schleimhautregeneration indirekt über die Bildung von Butyrat.

Zudem können einfache physikalische Maßnahmen Linderung verschaffen: Eine sanfte Bauchmassage im Uhrzeigersinn, eine krampflösende Wärmflasche oder das Einnehmen der linken Seitenlage erleichtern den Abtransport von Gasen und verringern den Rückfluss von Magensäure. Anhaltende oder mit Warnzeichen wie Atemnot und Schwindel einhergehende Schmerzen bedürfen jedoch einer ärztlichen Abklärung.

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