Agentic Commerce: PayPal lässt KI-Agenten für Kunden einkaufen
06.06.2026 - 04:05:52 | boerse-global.de
Auf der Evercore Global TMT Conference Anfang dieser Woche skizzierten die Führungskräfte des Unternehmens eine umfassende technologische Neuausrichtung. Im Zentrum steht dabei das Konzept des „Agentic Commerce" – also KI-Agenten, die selbstständig für Verbraucher einkaufen.
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Der Kampf gegen den Warenkorb-Abbruch
Ein zentrales Problem bleibt die hohe Abbruchrate beim Bezahlvorgang. 31 Prozent der Kunden lassen ihren Einkaufswagen stehen, wenn der Checkout zu kompliziert ist. PayPal hat darauf reagiert und einen optimierten Bezahlprozess eingeführt. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Bei Erstnutzern steigt die Konversionsrate um zwei bis fünf Prozent. Bei wiederkehrenden Kunden liegt sie sogar bei über 95 Prozent.
Auch das „Pay Later"-Angebot wächst rasant. 60 Millionen Nutzer zählt der Dienst inzwischen – ein Plus von 20 Prozent im Jahresvergleich. 279 Millionen Transaktionen wurden bereits abgewickelt. Besonders interessant: Wenn Händler die Ratenzahlungsoption direkt auf der Produktseite bewerben, steigt der PayPal-Umsatz um 13 Prozent. Der durchschnittliche Bestellwert legt sogar um 91 Prozent zu. 90 Millionen Nutzer sind bereits für den Dienst vorab genehmigt, die Zustimmungsrate liegt bei 90 Prozent.
Die Zukunft heißt Agentic Commerce
Der wohl spannendste Teil der Strategie ist der „Agentic Commerce". Dabei handelt es sich um KI-Assistenten, die im Auftrag der Verbraucher Produkte suchen und kaufen. Anfang Juni startete PayPal eine Partnerschaft mit der britischen Plattform Hey Savi. Das System durchsucht mehr als 10.000 Marken – darunter Debenhams, Karen Millen und Boohoo – ohne bezahlte Platzierungen.
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Mike Edmonds, Vice President bei PayPal, beschreibt den Vorteil: Die Technologie verkürze die Distanz zwischen erster Inspiration und finalem Kauf erheblich. Der trend ist branchenweit zu beobachten. Erst am 3. Juni launchten Gopuff und SpaceXAI einen Grok-basierten Shopping-Assistenten, der per Sprachsteuerung Lieferungen in 15 Minuten ermöglicht.
Milliarden-Sparprogramm und KI-Rekrutierung
Um diesen Wandel zu finanzieren, läuft ein mehrjähriges Restrukturierungsprogramm. Unter CEO Enrique Lores spart das Unternehmen 1,5 Milliarden Dollar ein – unter anderem durch einen Personalabbau von 20 Prozent über zwei bis drei Jahre. Die freiwerdenden Mittel fließen in Wachstumsbereiche wie Venmo, Kryptowährungen und generative KI.
Die Personalabteilung ist aktiv: In Austin, Texas, sucht PayPal einen Lead Product Manager für KI-Produkte mit einem Jahresgehalt von bis zu 273.500 Dollar. Die Aufgabe: Strategien für Large Language Models (LLM) und Retrieval-Augmented Generation (RAG) entwickeln. Allerdings gibt es auch Bewegung im Investment-Bereich: Zwei Partner des PayPal-Ventures-Büros in London haben das Unternehmen verlassen. Die Zukunft der Fintech-Investitionsstrategie für die Regionen EMEA und Asien steht damit auf dem Prüfstand.
Stablecoins erobern den B2B-Markt
Neben dem Verbrauchergeschäft setzt PayPal auf seinen Stablecoin PYUSD für Firmenkunden. Branchenbeobachter sehen darin eine „Killer-Applikation" für grenzüberschreitende Zahlungen. Während Stablecoins im Einzelhandel noch keine große Rolle spielen, punkten sie im B2B-Bereich mit Schnelligkeit und niedrigen Kosten – ein klarer Vorteil gegenüber traditionellen Bankverbindungen.
Der Markt bewegt sich: Das US-Gesetz GENIUS Act hat für regulatorische Klarheit gesorgt. Wettbewerber und Partner drängen ebenfalls in den Bereich. Mastercard übernahm im März 2026 die Stablecoin-Plattform BVNK für rund 1,8 Milliarden Dollar. Stripe hatte bereits 2024 mit Bridge einen ähnlichen Deal abgeschlossen.
Solide Zahlen, gemischte Stimmung
Im ersten Quartal 2026 erzielte PayPal einen Umsatz von 8,35 Milliarden Dollar. Das Transaktionsvolumen wuchs um elf Prozent. Der bereinigte Gewinn pro Aktie lag mit 1,34 Dollar über den Erwartungen. Die Liquidität ist mit 13,5 Milliarden Dollar in der Kasse komfortabel. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 rechnet das Management mit einem freien Cashflow von rund sechs Milliarden Dollar.
Dennoch bleibt die Stimmung an den Märkten verhalten. Mehrere Großbanken haben zwar ihre Kursziele angehoben, andere haben die Aktie herabgestuft oder auf eine „Breakup-Watchlist" gesetzt. Michael Burrys Scion Asset Management hält rund 3,5 Prozent seines Portfolios in PayPal – ein Zeichen dafür, dass institutionelle Anleger die KI-Wende des Zahlungsriesen genau beobachten.
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