Agentic AI: Gartner erwartet KI bei jeder zweiten Geschäftsentscheidung
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 23:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Branchenexperten betonen derzeit einen signifikanten Wandel beim Einsatz künstlicher Intelligenz: Der Fokus verschiebt sich hin zu „Agentic AI“, um strategische Entscheidungsfindungen zu schärfen und messbare Geschäftsergebnisse zu erzielen. Im Gegensatz zu herkömmlichen KI-Modellen agieren diese Agenten autonomer innerhalb bestehender Systeme und übernehmen komplexe Rollenverteilungen.
Automatisierung komplexer Workflows durch neue Plattformen
In den letzten Tagen stellten mehrere Technologieunternehmen spezialisierte Lösungen vor, die diesen Trend untermauern. Laut Berichten von Ende September 2026 präsentierte KT die Plattform „Agentic On“. Diese ermöglicht es Unternehmen, KI-Agenten selbst zu erstellen und in vorhandene Datenstrukturen zu integrieren, statt Systeme komplett neu aufbauen zu müssen.
Die Funktionen umfassen die Verknüpfung interner Dokumente sowie ein integriertes Management, bei dem mehrere Agenten Aufgaben wie Dokumentenprüfung und Genehmigungsanfragen untereinander aufteilen.
Parallel dazu führte dv01 eine Agentic-Infrastruktur für den Finanzsektor ein. Diese umfasst KI-Agenten für das Management von Kreditfazilitäten und die Analyse von Sicherheiten.
Durch eine spezielle Konnektivität können kundenbasierte Agenten über ChatGPT oder Claude mit internen Anwendungen verbunden werden. Das Unternehmen nutzt einen sogenannten „Semantic Layer“, um Loan-Level-Daten eine konsistente Geschäftsbedeutung zuzuweisen.
Auch die Descartes Systems Group meldete die Einführung des „Descartes Datamyne AI Agent“. Diese konversationelle KI-Funktion soll die Recherchezeit für globale Handelsdaten um bis zu 90 % reduzieren, indem sie Fragen in natürlicher Sprache verarbeitet und direkt mit Shipment-Datensätzen aus 230 Märkten validiert.
Operative Erfolge und Integration in Bestandssysteme
Große Marktteilnehmer setzen Agentic AI bereits operativ ein, um Effizienzsteigerungen zu realisieren. Siemens nutzt laut Berichten Lösungen wie Salesforce Agentforce für den Inbound-Sales-Bereich. Zuvor mussten monatlich über 2.500 unqualifizierte Leads manuell bearbeitet werden. Durch den Einsatz spezialisierter Agenten konnte zudem das Onboarding von 120.000 Lieferanten und 65.000 Partnern von mehreren Tagen auf wenige Stunden verkürzt werden.
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Capital One verfolgt eine Strategie, die auf einer langjährigen technologischen Transformation basiert. Mit dem „Chat Concierge“ betreibt das Unternehmen seit über zwei Jahren eine Multiagent-Anwendung, die Kunden beim Autokauf unterstützt.
Das Management betont dabei, dass Governance- und Sicherheitsstrukturen bereits vor dem bau der Agenten feststehen müssen, wobei risikoreiche Aktionen weiterhin eine menschliche Beteiligung erfordern. Die Xsight Group konnte durch ein agentisches Orchestrierungssystem die Trefferquote bei neuen Produkten von 10 % auf über 20 % verdoppeln.
Datengrundlage und organisatorischer Umbau als Erfolgsfaktoren
Analysen von Ende September 2026 verdeutlichen, dass der Erfolg von Agentic AI stark von der zugrunde liegenden Datenarchitektur abhängt. Sogenannte Knowledge Graphs gewinnen an Bedeutung, da sie im Gegensatz zu reinen Vektor-Datenbanken implizites Wissen erfassen können. Das Unternehmen Coronis Health nutzt eine solche Plattform zur Vermeidung von Abrechnungsfehlern und konnte den Anteil fehlerhafter Datensätze von 7 % auf 3 % senken.
Experten von Fast Company weisen darauf hin, dass KI-Agenten nur dann einen echten Hebel bieten, wenn Führungskräfte Entscheidungspfade und Freigabeprozesse grundlegend neu gestalten. Ohne ein solches Redesign drohe ein teurer Zwischenzustand, in dem alte Prozesse und neue Systeme parallel betrieben werden.
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Marktprognosen und Kosteneffizienz im Fokus
Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Technologie spiegelt sich in aktuellen Marktstudien wider. Laut dem EY AI Pulse Survey haben bereits 87 % der befragten Organisationen Inhouse-KI-Software vollständig implementiert oder befinden sich in der Pilotphase.
Während im vierten Quartal 2025 nur 15 % der Anwendungsfälle agentisch waren, stieg dieser Anteil bis zum ersten Quartal 2026 auf ein Drittel. Gleichzeitig wächst die Sorge über Betriebskosten: 82 % der Führungskräfte äußerten sich besorgt über die Kosten der Token-Nutzung.
Gartner prognostiziert, dass bis zum Jahr 2027 etwa 50 % der Geschäftsentscheidungen durch KI unterstützt oder automatisiert werden. Für die Logistikbranche identifizierte DHL im aktuellen „Logistics Trend Radar“ Agentic AI als einen der maßgeblichen Trends. Trotz der technologischen Fortschritte warnt EY vor Produktivitätsverlusten von bis zu 40 %, sollten Unternehmen Investitionen in die Qualifizierung ihrer Talente vernachlässigen.
