Adipositas-Therapie: Tirzepatid schlägt andere GLP-1-Mittel deutlich
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 18:15 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Doch aktuelle Studien zeigen: Der Erfolg hängt von mehr ab als von der Zahl auf der Waage.
Unterschiede zwischen den Präparaten
Eine umfassende Analyse im BMJ mit 262 klinischen Studien und rund 100.000 Probanden offenbart deutliche Wirkungsunterschiede. Tirzepatid erreichte nach einem Jahr den stärksten Gewichtsverlust mit 14,9 Prozent, dicht gefolgt von der Kombination CagriSema mit 14,8 Prozent. Semaglutid als Tablette brachte es auf 10,9 Prozent, die Injektion auf 9,8 Prozent.
Doch die Lebensqualität der Betroffenen steigt nicht im gleichen Maße wie das Gewicht sinkt. Zudem konnte nur die injizierbare Form von Semaglutid nachweisen, dass sie das Risiko für Herzinfarkte und Herzschwäche senkt. Nach dem Absetzen der Medikamente nehmen viele Patienten wieder zu.
Das Problem der Non-Responder
Zehn bis 30 Prozent der Patienten verlieren nach sechs Monaten weniger als fünf Prozent ihres Gewichts. Die Ursachen sind vielfältig: Anwendungsfehler, Insulinresistenz und genetische Faktoren spielen eine Rolle. Rund zehn Prozent der Menschen tragen eine Mutation im PAM-Enzym oder Varianten in den GLP-1- und GIP-Rezeptoren, die das Ansprechen beeinflussen.
Auch die Nebenwirkungen sind nicht zu unterschätzen. Eine Studie der Hebräischen Universität Jerusalem im JAMA zeigt: GLP-1-Rezeptoragonisten erhöhen das Risiko für Geruchsstörungen um 81 Prozent, für Geschmacksstörungen um 52 Prozent. In Einzelfällen bildeten sich sogar Magen-Bezoare – feste Nahrungsklumpen durch verlangsamte Magenentleerung.
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Neue Leitlinien für die Begleittherapie
Ein internationales Konsortium unter Beteiligung der MedUni Wien hat erstmals gemeinsame Empfehlungen veröffentlicht. Die Fachgesellschaften EASO, EFAD und ECPO setzen auf drei Säulen: medizinische Ernährungstherapie, gezieltes Krafttraining zum Muskelerhalt und psychosoziale Unterstützung.
Parallel dazu erforscht die Universität Gießen ab November 2026 das EASE-Konzept. Es setzt auf intuitive Ernährung und Stigmareduktion – statt auf Kalorienzählen.
Rechtliche Hürden und Marktentwicklung
Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen entschied am 11. Mai 2026: Krankenkassen müssen die Kosten für Mounjaro nicht übernehmen, wenn es gegen Übergewicht und Hormonstörungen eingesetzt wird. Das Gericht stufte die Präparate als nicht erstattungsfähige Lifestyle-Medikamente ein.
Für Mitte August 2026 erwartet die Branche die EU-Zulassung einer Semaglutid-Tablette von Novo Nordisk. Der Stoffwechselforscher Prof. Matthias Tschöp von der LMU München zeigt sich skeptisch zur Effektivität der oralen Gabe. Tschöp erhält am 17. November 2026 in Wiesbaden den Broermann Medical Innovation Award für seine Arbeit an Ko-Agonisten.
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Blick in die Zukunft
Forscher arbeiten bereits an neuen Wirkmechanismen. Das körpereigene Peptid BRP dämpfte in Tierversuchen den Appetit und baute Fett ab – ohne den gefürchteten Muskelverlust. Bis zur klinischen Anwendung am Menschen werden allerdings noch fünd bis zehn Jahre vergehen.
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