Adipositas: EMA genehmigt erste Schlankheitspille Wegovy oral
02.06.2026 - 16:40:00 | boerse-global.deDie Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat am heutigen Dienstag grünes Licht für die Zulassung einer oralen Version des Abnehmmedikaments Wegovy gegeben. Damit rückt die erste Schlankheitspille auf dem europäischen Markt in greifbare Nähe – ein potenzieller Wendepunkt im Kampf gegen die Adipositas-Epidemie.
Revolution in der Adipositas-Behandlung
Bislang mussten Patienten auf wöchentliche Spritzen zurückgreifen, um von den Vorteilen der GLP-1-Rezeptor-Agonisten zu profitieren. Die neue Tablette des dänischen Pharmariesen Novo Nordisk verspricht nun eine deutlich einfachere Einnahme. Nach erfolgreichen Markteinführungen in den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten steht Europa nun vor dem nächsten Schritt.
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Die Empfehlung der EMA ist ein entscheidender Meilenstein. Sollte die EU-Kommission wie erwartet folgen, könnte die Wegovy-Pille noch in diesem Jahr in deutschen Apotheken landen – und das möglicherweise noch vor vergleichbaren Produkten des US-Konkurrenten Eli Lilly.
Klinische Daten überzeugen
Die Zahlen, die den Zulassungsantrag untermauern, sind beeindruckend. Klinische Studien zeigen: Eine tägliche Dosis von 25 Milligramm des oralen Wirkstoffs kann innerhalb von 64 Wochen zu einem Gewichtsverlust von rund 13,6 Prozent führen. Einige Untersuchungen berichten sogar von bis zu 17 Prozent Gewichtsreduktion im gleichen Zeitraum.
Doch die Pille kann mehr als nur Pfunde schmelzen lassen. Die Zulassungsunterlagen heben auch ihre Rolle bei der Senkung des Risikos schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse hervor – ein entscheidender Faktor für viele übergewichtige Patienten mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen.
Die Dosierung erfolgt schrittweise: Beginnend bei 1,5 Milligramm wird die Dosis je nach Verträglichkeit bis zur maximalen Tagesdosis von 25 Milligramm gesteigert.
Marktdynamik: Novo Nordisk zieht davon
Die Akzeptanz am Markt spricht Bände. In der Woche bis zum 22. Mai 2026 wurden allein in den USA rund 146.000 Rezepte für die Wegovy-Pille ausgestellt – ein Anstieg von zwei Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Zum Vergleich: Das sind 2,4-mal mehr Verordnungen, als Eli Lillys Konkurrenzprodukt Zepbound in einer vergleichbaren Phase nach dem Marktstart verzeichnen konnte.
Eli Lillys orales Mittel Foundayo, das am 9. April 2026 auf den Markt kam, brachte es in der sechsten Woche auf gerade einmal 16.000 Verschreibungen. Branchenbeobachter rechnen jedoch mit einer deutlichen Verschärfung des Wettbewerbs in der zweiten Jahreshälfte – Werbekampagnen für Foundayo im Fernsehen sollen ab dem dritten Quartal 2026 anlaufen.
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Frankreich geht voran: Staatliche Erstattung ab Mitte Juni
Während die Zulassung auf EU-Ebene voranschreitet, zieht ein Mitgliedstaat bereits konkrete Schritte für die Finanzierung. Frankreich hat angekündigt, ab dem 15. Juni 2026 die injizierbaren Versionen von Wegovy und Mounjaro zu 65 Prozent über die nationale Krankenversicherung zu erstatten.
Die Bedingungen sind streng: Die Kostenübernahme gilt nur für Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 40 oder höher – oder einem BMI von mindestens 35 in Verbindung mit gewichtsbedingten Begleiterkrankungen. Die Behandlung darf ausschließlich in spezialisierten Adipositas-Zentren erfolgen. Die französische Regierung veranschlagt die jährlichen Kosten auf rund 100 Millionen Euro.
Weitere Neuzulassungen in Europa
Neben den Adipositas-Medikamenten gibt es auch in anderen Therapiebereichen Fortschritte:
Herzmedizin: Der US-Hersteller Cytokinetics hat am 1. Juni 2026 sein Mittel MYQORZO (Aficamten) in Deutschland auf den Markt gebracht. Es kommt bei der symptomatischen obstruktiven hypertrophen Kardiomyopathie zum Einsatz – einer seltenen, aber schwerwiegenden Herzmuskelerkrankung. Die EU-Kommission hatte die Zulassung bereits im Februar 2026 erteilt.
Krebsforschung: Der EMA-Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) hat am 31. Mai 2026 die Zulassung von Braftovi (Encorafenib) in Kombination mit anderen Wirkstoffen für bestimmte Formen des metastasierten Dickdarmkrebses empfohlen. Studien zufolge konnte das Sterberisiko um 51 Prozent gesenkt werden.
Neurologie: In Frankreich wurde das Epilepsie- und Angstmedikament Likozam zur Erstattung freigegeben. Die Nachricht ließ den Aktienkurs des Herstellers Advicenne am 1. Juni 2026 um beeindruckende 49 Prozent in die Höhe schnellen.
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