Adipositas: 38% der Jugendlichen übergewichtig – Zuckersteuer ab 2028
03.06.2026 - 14:39:22 | boerse-global.deGesundheitsministerin Warken und Familienministerin Prien unterstützen das Vorhaben, Finanzminister Klingbeil soll einen Gesetzentwurf vorlegen. Geplanter Start: 2028.
Breite Unterstützung aus Politik und Verbänden
Den Anstoß lieferte eine Initiative aus Schleswig-Holstein. Das Bundesland setzt sich im Bundesrat für eine nach Zuckergehalt gestaffelte Abgabe auf Limonaden ein. Die Regierung will parallel weitere Präventionsmaßnahmen umsetzen – etwa die Abschaffung des begleiteten Trinkens ab 14 Jahren. Hintergrund: Tabak- und Alkoholkonsum verursachen jährlich volkswirtschaftliche Schäden von über 150 Milliarden Euro.
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Ein breites Bündnis aus BKK-Dachverband, Bundesschülerkonferenz, Bundeselternrat und Deutschem Pflegerat forderte am 1. Juni die bundesweite Einführung von 10.000 Schulgesundheitsfachkräften. Die Zuckersteuer könnte diese Stellen finanzieren.
Der Bedarf ist enorm: In einer durchschnittlichen Schulklasse mit 25 Kindern leidet statistisch ein Kind an behandlungsbedürftiger Adipositas, ein weiteres an Asthma, sechs Kinder haben psychische Störungen. Ein Modellprojekt in Rheinland-Pfalz zeigt: 95 Prozent der Eltern und Lehrkräfte sind mit den Fachkräften zufrieden.
Ärzte schlagen Alarm
Auch die Bundesärztekammer und der Marburger Bund drängen auf schnelle Umsetzung. Anfang Juni richteten sie einen Appell an die Ministerpräsidenten. Fast 4.000 Mediziner und über 1.000 weitere Fachleute unterzeichneten ein entsprechendes Schreiben.
Die gesundheitliche Lage bei Kindern und Jugendlichen ist alarmierend: 38 Prozent der 11- bis 17-Jährigen sind übergewichtig, 20 Prozent adipös. Im internationalen Public Health Index belegt Deutschland Rang 17 von 18 untersuchten Ländern.
Die Kosten der Adipositas belaufen sich auf jährlich 63 Milliarden Euro. Die gesamten Gesundheitsausgaben liegen bei über 500 Milliarden Euro pro Jahr. Die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) fordert daher einen Paradigmenwechsel von der kurativen zur präventiven Medizin.
Was internationale Beispiele zeigen
Tschechien hat die Effekte einer Zuckersteuer durchgerechnet. Eine Studie des Think-Tanks „Ministr zdraví“ prognostiziert: Eine 20-prozentige Steuer auf Süßgetränke könnte Übergewicht und Adipositas binnen zehn Jahren um 1,33 Prozent senken. Das entspräche rund 56.000 Personen. Das Gesundheitssystem würde schätzungsweise 1,1 Milliarden CZK einsparen, über 600 Todesfälle wären vermeidbar.
In Österreich fordert der Tiroler Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl neben einer Zuckersteuer auch eine verpflichtende Ampelkennzeichnung und ein Werbeverbot für stark zuckerhaltige Produkte. Rund 30 Prozent der Österreicher sind übergewichtig, 9 Prozent leiden an Diabetes.
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Simbabwe zeigt, wie es geht: Das Land erhebt bereits 15 Prozent auf kohlensäurehaltige Getränke und 10 Prozent auf Fast Food. Die Einnahmen fließen zweckgebunden in Gesundheitsprogramme. Im ersten Quartal 2026 spülte die Zuckersteuer rund 42 Millionen US-Dollar in die Kassen – unter anderem für Strahlentherapiegeräte.
Vorsicht bei „Abnehmspritzen“
Fachleute warnen davor, neue medikamentöse Therapien wie GLP-1-Präparate – bekannt als „Abnehmspritzen“ – als reines Lifestyle-Produkt zu betrachten. Adipositas-Experte Prof. Arya M. Sharma betont: Es handelt sich um Medikamente zur Behandlung einer chronischen Erkrankung. Sie erfordern eine dauerhafte Anwendung und ersetzen keine notwendigen Lebensstiländerungen wie Gewichtsreduktion und Rauchstopp.
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