ADHS-Therapie, Koffein

ADHS-Therapie: Koffein und L-Theanin wirken wie Methylphenidat

04.07.2026 - 18:51:34 | boerse-global.de

Forschung definiert ADHS als metabolisches Defizit. Koffein und L-Theanin zeigen Potenzial. Hormone und digitale Reizflut beeinflussen Symptome.

ADHS als Energieproblem: Neue Studien zu Stoffwechsel und Therapie
ADHS-Therapie - Eine Hand, die nach einer leuchtenden Gehirn-Illustration auf einem Tablet greift, umgeben von wissenschaftlichen Notizen und Diagrammen. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Studien rücken den Stoffwechsel und hormonelle Einflüsse in den Fokus.

ADHS als metabolisches Defizit

Der Neurobiologe Mohammad Dawood Rahimi von der Freien Universität Berlin definiert die Störung grundlegend neu. In einer Veröffentlichung im Fachjournal Neuroscience & Biobehavioral Reviews stellt er das Modell der „Energy Deficit Hyperactivity Disorder“ (EDHD) vor.

ADHS sei nicht primär ein Aufmerksamkeitsdefizit, sondern Folge einer instabilen Energieversorgung des Gehirns. Der Glukosestoffwechsel und die Funktion der Mitochondrien spielen demnach eine zentrale Rolle. Kognitive Leistungen hängen stark von Schlaf, Ernährung und dem Stoffwechselzustand ab.

Koffein und L-Theanin als Alternative?

Forscher untersuchen zudem alternative Ansätze zur Konzentrationssteigerung. Eine Studie aus Sri Lanka, veröffentlicht im Mai 2026 in Nutritional Neuroscience, testete die Wirkung von Substanzen aus Kaffee und Tee.

21 Jugendliche mit ADHS nahmen teil. Die Kombination aus L-Theanin und Koffein verbesserte die selektive Aufmerksamkeit – mit weniger Fehlalarmen und kürzeren Reaktionszeiten. Die Effektstärke sei vergleichbar mit Methylphenidat, einem gängigen ADHS-Medikament.

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Spätdiagnosen: Hormone als Treiber

Die Diagnosen bei Erwachsenen steigen deutlich an. Besonders betroffen sind Frauen, bei denen die Symptome oft erst in den Wechseljahren hervortreten. Die Ergotherapeutin Sabine Passari beobachtet erhebliche Schwierigkeiten bei der Strukturierung von Alltagsaufgaben.

Hormonelle Umstellungen verstärken die Symptomatik. In Bad Vilbel entstand im Frühjahr 2026 eine Selbsthilfegruppe speziell für Frauen mit ADHS oder Autismus-Spektrum-Störungen.

Digitale Überlastung als Risikofaktor

Die moderne Arbeitswelt verschärft die Probleme zusätzlich. Experten warnen vor „digitaler Amnesie“: Weil Informationen jederzeit abrufbar sind, speichert das Gehirn weniger langfristig.

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Dieser „Information Overload“ erhöht die kognitive Belastung und begünstigt Stress und Burnout. Für Menschen mit ADHS, deren neuronale Energiekontrolle bereits instabil ist, wird die Reizüberflutung zum Produktivitätskiller.

Politik reagiert: Neue Regeln für Inklusion

Niedersachsen stellte Anfang Juli 2026 einen Zehn-Punkte-Plan zur Inklusion schwerbehinderter Menschen vor. Rund 15.800 Betroffene waren allein in diesem Bundesland arbeitslos gemeldet.

Der Koalitionsausschuss der Bundesregierung einigte sich zeitgleich auf ein Reformpaket. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen können künftig ab dem ersten Krankheitstag vorgelegt werden. Das verändert, wie flexibel Arbeitgeber auf die Bedürfnisse neurodiverser Mitarbeiter reagieren können.

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