ADHS im Alter: Studie findet mehr als dreifach erhöhtes Demenzrisiko
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 22:42 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine im Oktober 2026 im Fachjournal JAMA Psychiatry veröffentlichte Untersuchung der University of Pittsburgh liefert neue Einblicke in den Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und der kognitiven Gesundheit im fortgeschrittenen Lebensalter.
Die Analyse von Gesundheits- und Genetikdaten aus dem US-amerikanischen „All of Us Research Program“ umfasste 187.341 US-Amerikaner ab 50 Jahren und zeigt ein messbar erhöhtes Risiko für kognitive Beeinträchtigungen und Demenzerkrankungen bei Personen mit einer ADHS-Diagnose.
Signifikante Unterschiede bei kognitiver Beeinträchtigung
Im beobachteten Studienkollektiv traten kognitive Beeinträchtigungen oder Demenz bei 6,7% der Personen mit ADHS auf, während die Quote bei Teilnehmern ohne ADHS bei 3,4% lag. In einer ersten adjustierten Analyse errechneten die Forscher der University of Pittsburgh ein 4,6-fach erhöhtes Risiko für Personen mit ADHS.
Auch nach der Einbeziehung weiterer Einflussfaktoren blieb der Zusammenhang bestehen. Nach einer Adjustierung für Ethnie, Geschlecht und Vorerkrankungen verzeichnete das Forschungsteam ein rund 4-fach erhöhtes Risiko.
Da ADHS häufig gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auftritt, prüften die Wissenschaftler zudem den Einfluss psychiatrischer Komorbiditäten: Nach der statistischen Kontrolle von Depressionen und Angststörungen verblieb ein mehr als 3-fach erhöhtes Risiko.
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Selbst nach weiteren Korrekturen hinsichtlich anderer Erkrankungen, des Bildungsstandes und der Häufigkeit von Arztbesuchen blieb die beobachtete Assoziation statistisch signifikant.
Genetische Prädisposition und Begleiterscheinungen
Neben den klinischen Diagnosen analysierten die Wissenschaftler auch die genetischen Profile der Teilnehmenden. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen erblicher Veranlagung und kognitiven Einschränkungen: Personen in der höchsten Kategorie der genetischen ADHS-Prädisposition wiesen ein um 35% höheres Risiko auf als jene in der niedrigsten Kategorie.
Die Auswertung machte zudem deutlich, dass ADHS-Patienten, bei denen eine kognitive Beeinträchtigung vorlag, über eine schlechtere psychische Gesundheit und eine geringere soziale Zufriedenheit berichteten. Gleichzeitig verzeichnete diese Gruppe eine höhere Anzahl an Arztbesuchen.
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Einordnung der wissenschaftlichen Ergebnisse
Trotz der deutlichen statistischen Zusammenhänge betont Dr. Douglas Teixeira Leffa, dass die Studienergebnisse keinen Kausalitätsnachweis darstellen. Eine Assoziation belege nicht automatisch, dass ADHS direkt zum Abbau kognitiver Fähigkeiten führe.
Zudem wies Dr. Douglas Teixeira Leffa darauf hin, dass die Mehrheit der im Rahmen der Untersuchung erfassten ADHS-Patienten keine kognitive Beeinträchtigung entwickelte. Für die medizinische Praxis unterstreichen die Daten dennoch die Relevanz, die langfristige kognitive Entwicklung bei ADHS-Betroffenen im Alter aufmerksam zu begleiten.
