ADHS, Mädchen

ADHS bei Mädchen: Diagnostisches Alter 5–10 Jahre später als bei Jungen

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mehr ADHS-Diagnosen bei Mädchen schließen eine Versorgungslücke. Studien zeigen zugleich spätere Diagnosen und neue Forschung zu hormonellen Einflüssen.

ADHS bei Mädchen: Diagnosen steigen und Forschung untersucht Hormone
Ein leerer, sonnendurchfluteter Klassenraum mit Holzschreibtischen in einer ruhigen, minimalistischen Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Medienberichte beleuchten eine auffällige Entwicklung in der Versorgung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen: Die Zahl der ADHS-Neudiagnosen nimmt zu, wobei der Anstieg bei Mädchen besonders deutlich ausfällt.

Fachleute und Berichterstatter werten diese Entwicklung nicht als flüchtigen Trend oder Überdiagnostik, sondern führen die veränderten Zahlen primär auf eine zunehmende Sensibilisierung und eine nachhaltig verbesserte Aufklärung in der Öffentlichkeit und Fachwelt zurück.

Deutlicher Zuwachs und geschärfte Wahrnehmung

Dass sich die Erkennungsraten verschieben, belegt unter anderem eine Untersuchung der Krankenkasse DAK in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld. Deren Auswertungen zeigen, dass die Zahl der ADHS-Neudiagnosen bei Mädchen deutlich stärker steigt als bei Jungen. Über die gesamte Bevölkerung hinweg wird die Prävalenz bei Kindern auf rund 5,4 Prozent beziffert, während der Anteil bei Erwachsenen bei rund 3,3 Prozent liegt.

Dass weibliche Betroffene nun vermehrt erfasst werden, werten Experten als Schließen einer langjährigen Versorgungslücke. Lange Zeit galt ADHS vorwiegend als Störungsbild des Kindesalters mit starker Ausprägung bei Jungen, da hyperaktive und impulsive Verhaltensweisen im schulischen Umfeld schneller auffallen. Bei Mädchen äußern sich die Symptome häufiger durch Unaufmerksamkeit oder Internalisierung, weshalb die Anzeichen oft übersehen wurden.

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Hohes Diagnosealter und historische Ungleichgewichte

Trotz der aktuellen Zuwächse gelten ADHS-Erkrankungen bei Mädchen und Frauen nach wie vor als unterdiagnostiziert und unterbehandelt. Dies schlägt sich insbesondere im Lebensalter nieder, in dem Betroffene erstmals eine gesicherte Diagnose erhalten.

Während das Diagnosealter bei Männern zwischen 11,2 und 22,7 Jahren liegt, werden Frauen im Schnitt erst im Alter von 16,3 bis 28,6 Jahren diagnostiziert. Viele Betroffene durchlaufen somit Kindheit und Jugend ohne adäquate therapeutische Unterstützung.

Wie ausgeprägt die Diskrepanzen in den Erfassungen über lange Zeit waren, verdeutlichen auch historische Auswertungen aus anderen Ländern. Laut Zahlen des University College London (UCL) lag die Diagnoserate im Vereinigten Königreich im Zeitraum von 2000 bis 2018 bei Männern bei 74,3 pro 10.000, während sie bei Frauen lediglich 20 pro 10.000 betrug.

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Spezifische Forschung zu biologischen Faktoren

Um das Verständnis für die spezifischen Mechanismen bei Frauen zu vertiefen, setzt die Forschung inzwischen an bisher wenig beachteten physiologischen Schnittstellen an. So haben das King’s College London (KCL) und die Queen Mary University of London die sogenannte MAAM-Studie gestartet. Das Projekt untersucht gezielt den Zusammenhang zwischen dem weiblichen Menstruationszyklus und dem Auftreten sowie der Schwere von ADHS-Symptomen bei Frauen.

Derartige wissenschaftliche Vorhaben sollen dazu beitragen, hormonelle Einflüsse auf die Symptomatik besser zu entschlüsseln, Fehldiagnosen zu vermeiden und langfristig passgenauere Ansätze für Diagnostik und Behandlung bereitzustellen.

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