ADHS-Behandlung, Koffein

ADHS-Behandlung: Koffein und L-Theanin wirken wie Methylphenidat

05.07.2026 - 01:49:21 | boerse-global.de

Neue Forschung zeigt: Koffein-L-Theanin-Kombination könnte ähnlich wirksam wie Methylphenidat sein. Gleichzeitig rückt das EDHD-Modell den Energiestoffwechsel des Gehirns in den Fokus.

ADHS-Studie: Koffein und L-Theanin als natürliche Alternative zu Medikamenten
ADHS-Behandlung - Eine Tasse Kaffee und grüne Teeblätter verschwommen im Vordergrund, Hände berühren sie leicht, Hintergrund ist ein Forschungslabor. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine neue Studie stellt die ADHS-Behandlung auf den Kopf.

Jugendliche mit ADHS profitieren offenbar deutlich von der natürlichen Wirkstoffkombination. Eine im Mai 2026 im Fachjournal Nutritional Neuroscience veröffentlichte Studie aus Sri Lanka untersuchte 21 Jugendliche. Die Ergebnisse: Die Kombination verbesserte die selektive Aufmerksamkeit signifikant, reduzierte Fehlalarme und verkürzte die Reaktionszeit.

Die beobachtete Effektstärke ist laut Analyse vergleichbar mit Methylphenidat – dem gängigen Standardpräparat. Bedeutet das: Kaffee und Tee könnten bald auf dem Rezept stehen? Zumindest als ergänzende Option zur kognitiven Steuerung.

ADHS als Energiekrise des Gehirns

Parallel zu den Wirkstoffstudien gewinnt ein völlig neues Verständnis der Störung an Fahrt. Mohammad Dawood Rahimi von der Freien Universität Berlin stellte in Neuroscience & Biobehavioral Reviews das EDHD-Modell vor. Die Abkürzung steht für „Energy Deficit Hyperactivity Disorder“.

Sein Ansatz: ADHS ist keine Verhaltensstörung, sondern eine instabile Energieversorgung des Gehirns. Die Ursache liegt in Problemen des Glukosestoffwechsels und der Mitochondrien – den Kraftwerken der Zellen. Hyperaktivität wäre demnach der Kompensationsversuch eines unterversorgten Gehirns. Das Modell rückt metabolische Gesundheit, Ernährung und Schlafqualität in den Fokus.

Mehrere Tassen Kaffee? Lieber nicht

Die Rolle von Koffein als kognitiver Verstärker wurde 2026 durch mehrere großangelegte Studien untermauert. Eine Untersuchung im Fachmagazin Cureus an Medizinstudenten zeigte: Ein bis zwei Tassen Kaffee pro Tag brachten die besten Prüfungsergebnisse (136,8 von 200 Punkten). Wer keinen oder mehr als drei Tassen trank, schnitt deutlich schlechter ab.

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Langzeitdaten einer Harvard-Studie mit über 131.000 Teilnehmern über 43 Jahre stützen die positiven EFfekte. Demnach senken zwei bis drei Tassen koffeinhaltiger Kaffee täglich das Demenzrisiko. Und eine Untersuchung der Universität Bielefeld und der University of Warwick zeigte: Morgendlicher Koffeinkonsum steigert bei jungen Erwachsenen das Glücksgefühl – unabhängig von den Schlafgewohnheiten.

Methylphenidat: Risiken und „Drug Holidays“

Trotz der neuen Ansätze bleibt die klassische Medikation zentral. Eine Analyse finnischer Daten von knapp 4.000 Kindern und Jugendlichen in JAMA Psychiatry ergab: Methylphenidat senkt bei Kindern unter 13 Jahren über drei bis vier Jahre das Risiko für spätere Psychosen. Amphetamine könnten dagegen ein höheres Risiko bergen.

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Zum Thema „Drug Holidays“ – dem vorübergehenden Absetzen der Medikation in den Ferien – lieferte eine Studie vom 3. Juli 2026 differenzierte Ergebnisse. Bei 56 untersuchten Kindern blieben Gewinne in der sozialen Wahrnehmungsfähigkeit auch nach zweimonatiger Abstinenz erhalten. Andere Symptome verstärkten sich jedoch wieder.

Psychedelika: Klare Absage der Fachwelt

Eindeutig abgelehnt wird derzeit der Einsatz von Psychedelika als ADHS-Alternative. Ein Review der Medizinischen Universität Breslau im International Journal of Molecular Sciences stellte fest: Es gibt keine ausreichende kausale Evidenz. Klinische Studien mit LSD zeigten keine Überlegenheit gegenüber Placebo. Forscher warnen eindringlich vor Selbstversuchen.

Politik reagiert auf Diagnose-Welle

Die steigende Zahl an ADHS-Diagnosen, insbesondere bei Erwachsenen und Frauen in den Wechseljahren, hat auch die Politik erreicht. In Niedersachsen wurde im Juli 2026 ein Zehn-Punkte-Plan zur Inklusion vorgestellt. Ziel ist es, die Situation von Betroffenen in Bildung und Gesellschaft zu verbessern.

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