Achtsamkeit in der Therapie: Studie mit 90 Jugendlichen zeigt stärkere Wirkung
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 02:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deSchwierige Emotionen und seelische Belastungen stellen viele Heranwachsende vor erhebliche Herausforderungen. Aktuelle Fachbeiträge und Untersuchungen widmen sich verstärkt der Frage, wie Betroffene einen gesunden Umgang mit Krisen erlernen können und welche Hilfen unmittelbar greifen. Im Zentrum stehen dabei zunehmend digitale und leicht zugängliche Formate wie Chat-Beratungen, die Hemmschwellen abbauen und frühzeitige Unterstützung ermöglichen.
Hohe Hürden und digitale Ersthilfe im Chat
Dass der Bedarf an zeitnaher Hilfe groß ist, belegen Daten bestehender Unterstützungsangebote. Die im Mai 2020 gegründete Plattform krisenchat hat bereits knapp 230.000 Gespräche geführt. Der Dienst steht Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 25 Jahre aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und der Ukraine rund um die Uhr kostenlos sowie anonym zur Verfügung.
Nach Angaben der Leiterin der psychosozialen Beratung des Dienstes sind rund 32 Prozent der Hilfesuchenden zwischen 18 und 25 Jahre alt. Ein Großteil der Nachrichten geht zwischen 18 und 2 Uhr ein.
Wie wichtig solche Angebote als erste Anlaufstelle sind, verdeutlicht eine gemeinsame Studie mit der Universität Leipzig unter 247 Jugendlichen: Mehr als die Hälfte der Befragten hatte zuvor noch nie über die eigenen seelischen Belastungen gesprochen. Vier Wochen nach dem Austausch im Chat hatte knapp die Hälfte der Jugendlichen die ihnen empfohlene Weitervermittlungsadresse kontaktiert.
Fachliche Einordnung digitaler Hilfsmittel
Gleichzeitig mahnen Experten zur Differenzierung bei digitalen Hilfen. Psychotherapeuten warnen vor dem unkritischen Einsatz von KI-Chatbots in akuten Krisensituationen. Da solche Systeme Nutzern tendenziell zustimmen, anstatt Denkmuster therapeutisch zu hinterfragen, seien sie bei Suizidalität oder schweren Notlagen ungeeignet und potenziell gefährlich.
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Fachleute empfehlen stattdessen Angebote mit menschlichem Gegenüber wie die Telefonseelsorge oder Krisenchats. Ebenso bieten beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gelistete digitale Gesundheitsanwendungen, die ärztlich verordnet werden können, strukturierte Unterstützung. Parallel dazu prüft das Bundesgesundheitsministerium die Einrichtung eines bundesweiten Krisentelefons.
Auch wissenschaftliche Daten der American Psychological Association veranschaulichen die globale Relevanz: Laut Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation ist weltweit einer von sieben Jugendlichen von einer psychischen Störung betroffen, wobei Depressionen und Ängste führend sind.
Eine Metaanalyse zeigte zuletzt, dass generative KI-Chatbots zwar bei der Gesprächsführung und Zugänglichkeit Stärken besitzen, jedoch deutliche Schwächen bei Therapiequalität, Risikoerkennung und Krisenreaktion aufweisen.
Vielfältige Anlaufstellen und therapeutische Ansätze
Neben bundesweiten Angeboten existieren regionale Initiativen und klassische Notfallkontakte. Akute Krisen können über den Notruf 112 in Deutschland und Österreich sowie 144 in der Schweiz gemeldet werden.
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Die Telefonseelsorge ist in Deutschland unter 0800 111 0 111 sowie 0800 111 0 222 und per Online-Chat erreichbar. Speziell für Heranwachsende steht die Nummer gegen Kummer unter 116 111 zur Verfügung, während der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 auch Termine für Psychotherapie vermittelt.
Dass therapeutische Methoden bei jungen Menschen wirksam ansetzen können, bestätigt zudem eine Ende August 2026 veröffentlichte Studie des Zentrums für Psychologische Psychotherapie der Universität Heidelberg.
Bei 90 Jugendlichen mit Depressionen, Angststörungen oder ADHS führte eine strukturierte Achtsamkeitsübung zu Beginn der Therapiesitzungen zu einem deutlicheren Symptomrückgang als eine Sitzungseinleitung ohne Struktur.
Zudem bewerteten die Jugendlichen in der Achtsamkeitsgruppe die therapeutische Beziehung positiver. Niederschwellige Zugänge bleiben damit ein wesentlicher Baustein, um Betroffene rechtzeitig in eine qualifizierte Versorgung zu begleiten.
