LogMAR, Studie

Ab 0,55 LogMAR: Studie findet verdoppeltes relatives Demenzrisiko

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei moderaten und schweren Seheinbußen fanden Forschende mehr Demenzfälle und weniger demenzfreie Lebensjahre; ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht belegt.

Hongkonger Langzeitstudie verknüpft Sehschwäche mit Demenzrisiko
Eine Brille auf einem Holztisch bei sanftem Lichteinfall, die das Thema Sehkraft symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Eine im Fachjournal Alzheimer's & Dementia: Diagnosis, Assessment & Disease Monitoring veröffentlichte Langzeitstudie aus Hongkong liefert detaillierte Einblicke in den Zusammenhang zwischen nachlassender Sehkraft und dem Auftreten von Demenzerkrankungen.

Über einen Beobachtungszeitraum von 16 Jahren begleiteten Wissenschaftler 15.576 selbstständig lebende Personen im Alter von mindestens 65 Jahren. Die Probanden, die zu Beginn der Erhebung demenzfrei waren, wiesen ein Durchschnittsalter von 74,5 Jahren auf; der Frauenanteil lag bei 63,8 Prozent. Die Daten stammen aus 18 staatlichen Gesundheitszentren für ältere Menschen.

Moderate und schwere Seheinbußen verkürzen demenzfreie Jahre

Während des Untersuchungszeitraums von insgesamt 168.434 Personenjahren traten 3.643 Demenzfälle auf, was einem Anteil von 23,4 Prozent entspricht. Die Messung der Sehschärfe erfolgte mittels einer Sehtafel nach Snellen auf sechs Meter Distanz (LogMAR-Skala) unter Nutzung der üblichen Sehhilfen der Teilnehmenden.

Die Einteilung umfasste normale Sehschärfe (unter 0,3 LogMAR), milde Beeinträchtigungen (0,3 bis 0,47 LogMAR), moderate Einschränkungen (0,48 bis 0,99 LogMAR) sowie schwere Sehverluste ab einem Wert von 1,00 LogMAR.

Die Auswertung ergab, dass eine schlechtere Ausgangssehschärfe statistisch mit einem erhöhten Demenzrisiko einherging, mit einer Hazard Ratio von 1,37 pro LogMAR-Einheit (p=0,02).

Gegenüber Personen mit normaler Sehkraft wiesen Teilnehmende mit moderater Beeinträchtigung ein signifikant höheres Risiko auf (Hazard Ratio 1,42; p=0,001), bei schweren Beeinträchtigungen lag der Wert bei 1,57 (p=0,009).

Milde Sehschwächen zeigten hingegen keinen statistisch signifikanten Zusammenhang (p=0,06). Über den 16-jährigen Verlauf führten moderate Einschränkungen zu 1,5 und schwere Einschränkungen zu etwa 2,1 weniger demenzfreien Lebensjahren, wie gruppenbasierte Überlebenskurven belegen.

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Schwellenwerte, Progressionsrate und Alterseffekte

Die Datenanalyse verdeutlicht zudem spezifische Schwellenwerte: Ab einem Wert von 0,55 LogMAR zeigte sich ein verdoppeltes relatives Risiko für eine Demenzdiagnose (Hazard Ratio mindestens 2,0). Ging die Verschlechterung des Sehvermögens besonders rasch voran, trat ein noch höherer Risikoanstieg ab einem Wert von 0,61 LogMAR auf. Ein schnellerer Sehverfall verstärkte die Assoziation bei ohnehin reduzierter Sehschärfe zusätzlich.

Auffällig war die Differenzierung nach Altersgruppen. Der Zusammenhang erwies sich in der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen als besonders ausgeprägt, während er ab einem Alter von 75 Jahren keine statistische Signifikanz mehr erreichte. Einzelne Augenerkrankungen wie Katarakt oder Glaukom zeigten nach der statistischen Bereinigung um Begleitfaktoren keine unabhängige Assoziation mit dem Demenzrisiko innerhalb dieser Studienkohorte.

Ergänzende Auswertungen zum Glaukom verdeutlichen jedoch methodische Nuancen: In ungewichteten Vergleichen zeigte sich zunächst ein Zusammenhang mit einem beschleunigten Beginn einer Demenz (Hazard Ratio 2,67; 95-Prozent-Konfidenzintervall 2,38–2,70).

Nach einer statistischen Gewichtung über Propensity Scores – unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit und Begleiterkrankungen – reduzierte sich dieser Wert auf eine Hazard Ratio von 1,13 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,11–1,15). Glaukom-Patienten waren zu Beginn der Erfassung mit durchschnittlich 68,1 Jahren deutlich älter als Personen ohne diesen Befund (59,3 Jahre).

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Methodische Absicherung und Grenzen der Übertragbarkeit

Um Verzerrungen durch Sehdefizite bei den kognitiven Prüfungen zu minimieren, wurden diagnostische Tests ohne visuelle Aufgaben eingesetzt. Die Erfassung der Demenzdiagnosen erfolgte nach den Kriterien des ICD-10 oder mittels des Clinical Dementia Rating und wurde unabhängig durch Gerontopsychiater überprüft.

Trotz der langen Nachbeobachtungszeit betonen Fachleute die methodischen Einschränkungen. Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich kein kausaler Ursache-Wirkungs-Zusammenhang belegen.

Bislang ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dass eine gezielte Korrektur von Sehfehlern Demenzerkrankungen wirksam vorbeugen kann. Auch fehlende Datenpunkte und unberücksichtigte Störfaktoren stellen fortlaufende Herausforderungen bei der Interpretation derartiger Langzeitdaten dar.

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