Jugendliche, Achtsamkeit

90 Jugendliche untersucht: Achtsamkeit stärkt die therapeutische Beziehung

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Heidelberger Studie zeigt: Jugendliche mit Achtsamkeitseinheiten bewerteten die therapeutische Beziehung positiver und verzeichneten stärkere Symptomrückgänge.
Ein leerer Holzstuhl an einem hellen Fenster mit Blick in einen ruhigen, grünen Park bei sanftem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Das bewusste Nichtstun ohne Smartphone und feste Zeitpläne sowie die Zusammenstellung individueller Stressbewältigungs-Listen rücken zunehmend in den Fokus von Konzepten zur mentalen Gesundheit. Angesichts einer anhaltenden Reizüberflutung und beruflicher Belastungen betonen Fachkreise den Nutzen kleiner, gezielter Unterbrechungen im Tagesablauf, um das Nervensystem spürbar zu entlasten und die psychische Widerstandskraft zu stärken.

Kleine Rituale und der Wert anspruchsloser Momente

Statt seltener, großer Auszeiten erweisen sich verlässliche Mikro-Rituale im Alltag als besonders wirksam. Empfohlen werden feste Ruheinseln wie ein kurzer Spaziergang vor Arbeitsbeginn, ungestörte Minuten am Küchentisch, eine bildschirmfreie Mittagspause oder das Trinken eines Kaffees ohne Eile.

Fachleute verweisen zudem darauf, dass wenig anspruchsvolle Tätigkeiten oder kurze Phasen ohne äußere Anforderungen die Kreativität fördern können. Typische Situationen wie ein Spaziergang oder der einfache Blick aus dem Fenster bieten Raum für sogenannte Inkubationseffekte, bei denen ungelöste Probleme im Hintergrund weiterverarbeitet werden und neue Lösungseinfälle entstehen.

Parallel dazu zeichnet sich ein verstärktes Interesse an analogen Freizeitbeschäftigungen ab. Aktivitäten wie Gartenarbeit, Radfahren, Angeln oder das klassische Zeitunglesen dienen vielen Menschen als Gegenpol zur permanenten Erreichbarkeit. Auch der regelmäßige Aufenthalt in natürlichen Umgebungen wie Stadtparks, Gärten oder begrünten Innenhöfen unterstützt die Regeneration.

Naturreize aktivieren die unwillkürliche Aufmerksamkeit, entlasten kognitive Ressourcen und können körperliche Stressanzeichen rasch dämpfen. Dagegen bietet passives Scrollen auf Social-Media-Plattformen keine echte Erholung, da es das Gehirn weiterhin mit neuen Reizen fordert.

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Strukturierte Gegenmaßnahmen: Die Coping-Liste im Alltag

Als strukturierte Methode zur Stressbewältigung gewinnen sogenannte Coping-Listen an Bedeutung. Dabei handelt es sich um ein persönliches Menü an vorab definierten Handlungsschritten, auf das in akuten Belastungssituationen unmittelbar zugegriffen werden kann.

Solche Sammlungen umfassen meist unterschiedliche Ansätze: von körperlicher Entspannung durch bewusstes Atmen oder Dehnen über Sinnesanreize wie das Anzünden einer Kerze bis hin zu kurzen Bewegungseinheiten oder expressivem Schreiben, um angestaute Emotionen zu ordnen.

Experten raten dazu, frühe Stresssignale wie flache Atmung oder Verspannungen im Schulterbereich frühzeitig zu benennen und mit kurzen Interventionen zu beantworten. Bereits wenige Minuten täglicher Praxis, etwa strukturierte Atemtechniken mit verlängerter Ausatmung oder ein kurzer mentaler Check-in zwischen zwei Terminen, zeigen oft nachhaltigere Effekte als seltene, zeitintensive Erholungsversuche.

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Klinische Belege für die Wirksamkeit kurzer Achtsamkeitseinheiten

Dass bereits kurze Interventionen deutliche Effekte erzielen können, belegt auch die klinische Forschung. In einer am 29. August 2026 im Fachjournal Journal of Clinical Psychology veröffentlichten Untersuchung der Universität Heidelberg unter Leitung von Prof. Dr. Johannes Mander und Dr. Julia Kalmar wurden 90 Jugendliche im Alter von 11 bis 19 Jahren mit Depressionen, Angststörungen oder ADHS ambulant begleitet.

Die Teilnehmenden wurden randomisiert in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt im Rahmen von 24 therapeutischen Sitzungen jeweils zu Beginn eine fünf- bis zehnminütige Achtsamkeitsübung, beispielsweise in Form von Atemübungen, Gehübungen oder einem sogenannten Body-Scan.

Eine zweite Gruppe führte Entspannungsübungen durch, während die dritte Kontrollgruppe ohne standardisierte Einleitung behandelt wurde. Die Auswertung zeigte, dass die Symptombelastung in der Achtsamkeitsgruppe deutlich stärker sank als in der Gruppe ohne standardisierten Einstieg.

Zudem bewerteten die Jugendlichen in der Achtsamkeitsgruppe die therapeutische Beziehung signifikant positiver. Die Ergebnisse unterstreichen, dass selbst zeitlich eng umgrenzte Phasen der bewussten Wahrnehmung eine messbare Unterstützung bieten können.

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