400 US-Zeitungen verklagen OpenAI und Microsoft wegen Urheberrecht
25.06.2026 - 12:22:20 | boerse-global.de
Rund 400 lokale und regionale US-Zeitungen werfen den Tech-Konzernen systematisches Auslesen geschützter Inhalte vor.
Eine breite Koalition amerikanischer Lokalzeitungen hat am Montag Klage gegen OpenAI und Microsoft eingereicht. Der Rechtsstreit vor dem Bundesbezirksgericht für den Südbezirk von New York könnte weitreichende Folgen für das Geschäftsmodell der KI-Industrie haben – und auch europäische Verlage dürften genau hinschauen.
Vorwurf: Urheberrechtlich geschützte Artikel ohne Genehmigung genutzt
Die Kläger behaupten, dass die Unternehmen systematisch urheberrechtlich geschützte Nachrichtenartikel abgreifen, um ihre KI-Modelle zu trainieren. Betroffen seien sowohl frei zugängliche Inhalte als auch Material hinter Bezahlschranken. Die Verlage sehen darin einen klaren Verstoß gegen das Urheberrecht.
Besonders brisant: Die Klage wirft OpenAI und Microsoft zudem einen Verstoß gegen den Digital Millennium Copyright Act vor. Demnach sollen die Unternehmen beim Einspeisen der Artikel in ihre Systeme die Urheberrechtsverwaltungsinformationen entfernt haben – also jene Metadaten, die Autoren und Quellen kenntlich machen.
Zu den klagenden Verlagen gehören unter anderem AIM Media, Richner Communications und die Arkansas Democrat-Gazette.
Juristische Vertretung und Positionen der Unternehmen
Die Zeitungskoalition wird von Platkin LLP vertreten, einer Kanzlei des früheren New Jersey Attorney General Matthew J. Platkin. Die Kläger fordern sowohl Schadensersatz als auch eine einstweilige Verfügung, um die weitere unbefugte Nutzung ihres geistigen Eigentums zu unterbinden.
OpenAI-Sprecher Drew Pusateri wies die Vorwürfe zurück: Die Modelle des Unternehmens würden mit öffentlich zugänglichen Daten trainiert, was auf dem Rechtsprinzip des „Fair Use" beruhe. Allerdings hatte OpenAI-CEO Sam Altman bereits eingeräumt, dass das Training der führenden KI-Modelle ohne die Nutzung urheberrechtlich geschützter Materialien unmöglich wäre.
Die Klage von 400 US-Zeitungen zeigt: Wer seine Inhalte nicht aktiv lizenziert, riskiert Rechtsverlust und entgangene Vergütung. Dieser Report liefert die entscheidenden Werkzeuge – von der Compliance-Checkliste bis zum Mustervertrag. Jetzt Report anfordern
Neue Allianzen und Lizenzmodelle
Die Klage kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Beziehungen zwischen KI-Entwicklern und Inhalteerstellern grundlegend wandeln. Erst am vergangenen Freitag schloss OpenAI einen mehrjährigen Display-Vertrag mit Getty Images ab. Die Vereinbarung erlaubt die Einbindung lizenzierter Bilder in ChatGPT-Suchergebnisse – über finanzielle Details und Trainingsrechte wurde jedoch Stillschweigen vereinbart.
Auch andere Verlage suchen nach neuen Wegen. Die Rockefeller University Press etwa kooperiert mit der Firma Cashmere, um lebenswissenschaftliche Forschung für KI-Anwendungen zu lizenzieren – inklusive Nutzungsanalysen und Umsatzberichten.
Lokaljournalismus organisiert sich neu
Der Druck auf lokale Nachrichtenorganisationen führt zu neuen Formen der Zusammenarbeit. Am Montag gründeten mehr als zwei Dutzend digitale Nachrichtenverlage in Pennsylvania die Pennsylvania Independent News Association. Ziel des Bündnisses ist es, den unabhängigen Journalismus zu stärken und Reformen voranzutreiben – etwa die Möglichkeit für reine Digitalverlage, amtliche Bekanntmachungen zu veröffentlichen.
Rechtsunsicherheit bleibt
Während OpenAI und Microsoft vor Gericht stehen, handeln kluge Verlage bereits Lizenzverträge aus – etwa mit Getty Images. Verpassen Sie nicht den Anschluss: Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Fair-Use-Risiken minimieren und Vergütungsmodelle durchsetzen. Leitfaden jetzt sichern
Das rechtliche Umfeld für KI bleibt auch jenseits der Verlagswelt volatil. Noch am Montag reichte das Legal-Tech-Startup Legion Klage gegen die US-Regierung ein, nachdem eine Bundesanordnung Anthropic gezwungen hatte, den Zugang zu bestimmten KI-Modellen zu sperren. Und im September 2025 setzte ein Bundesrichter einen Vergleich über 1,5 Milliarden Dollar in einem Buchpiraterie-Fall gegen Anthropic aus – mit der Begründung, das Verfahren für Autorenansprüche sei unzureichend.
Die aktuellen Klagen könnten Signalwirkung für Europa haben. Hierzulande verhandeln Verlage wie Axel Springer und die Verwertungsgesellschaft VG Media bereits seit Monaten mit KI-Unternehmen über faire Vergütungsmodelle. Der Ausgang des US-Verfahrens dürfte dabei als wichtiger Präzedenzfall dienen.
