400 Milliarden Euro Erbvolumen: Wie Holding-Strukturen Steuern sparen
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Unternehmensnachfolge wird zur wachsenden Herausforderung für deutsche Familien. Banken reagieren mit spezialisierten Beratungsteams, während steuerliche Gestaltungen und Erbschaftsfragen immer komplexer werden.
Deutsche Bank rüstet bei Vermögensübertragung auf
Die Deutsche Bank erweitert ihr Wealth Planning in Deutschland. In allen sechs Wealth-Management-Regionen soll künftig jeweils ein Spezialberater für Vermögensübertragung tätig sein. Die Leitung des bundesweiten Teams übernimmt ab September Georg Tolksdorf, der von der Kanzlei Friedrich Graf von Westphalen wechselt.
Der Ausbau folgt einer klaren Marktlogik: Das Wealth Management der Bank steigerte seine Erträge im zweiten Quartal 2026 um sechs Prozent auf 1,38 Milliarden Euro. Das Privatkundengeschäft legte sogar um elf Prozent auf 1,18 Milliarden Euro zu. Im Fokus der Beratung stehen Testamentsvollstreckung, Stiftungsmanagement und strategische Nachfolgeplanung.
Exit-Steuer: Die Struktur entscheidet
Bei der Vermögenssicherung spielt die sogenannte Exit-Steuer eine zentrale Rolle. Die steuerliche Struktur muss oft Jahre vor einem geplanten Verkauf festgelegt werden. Bei einem GmbH-Verkauf über zehn Millionen Euro sind die Unterschiede enorm: Während ein Privatverkauf eine hohe Steuerlast bedeutet, bleibt bei einer Holding-Struktur der Erlös zu 95 Prozent steuerfrei – die effektive Belastung sinkt auf etwa 1,5 Prozent. Eine Familienstiftung kann diesen Wert unter bestimmten Voraussetzungen sogar auf rund 0,75 Prozent drücken. Allerdings gelten Sperrfristen von bis zu sieben Jahren.
Auch bei der Erbschaftsteuer ist Bewegung drin. Aktuell gibt es Verschonungsabschläge von 85 Prozent bei fünf Jahren Behaltensfrist oder 100 Prozent bei sieben Jahren. Doch ein Verfahren beim Bundesverfassungsgericht (Aktenzeichen 1 BvR 804/22) könnte diese Regeln kippen.
400 Milliarden Euro jährlich: Das Erbvolumen wächst
Die Dimension des Thema zeigt sich in Zahlen: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt das jährliche Erbvolumen in Deutschland auf rund 400 Milliarden Euro. Steuerlich erfasst wurden 2024 davon jedoch nur 113,2 Milliarden Euro.
Erbschaften prägen auch die Liste der jüngsten Milliardäre. Johannes von Baumbach gilt laut Forbes mit 19 Jahren und einem Vermögen von 6,4 Milliarden US-Dollar als jüngster Milliardär der Welt. Unter den jüngsten deutschen Milliardären findet sich nur ein einziger Selfmade-Unternehmer.
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Kommunikation ist die größte Hürde
Die Umsetzung der Nachfolge hinkt der wirtschaftlichen Bedeutung hinterher. Ein Übergabeprozess dauert durchschnittlich drei bis fünf Jahre. Rund 60 Prozent der Fehler bei der Nachfolgeplanung lassen sich auf Kommunikationsprobleme innerhalb der Familie zurückführen.
Untersuchungen bei über 300 Familienunternehmen zeigen: Nur etwa 27 Prozent haben ein festes Rentenalter für die Geschäftsführung definiert. Lediglich ein Viertel hat klare Pläne für den Eintritt von Familienmitgliedern. Die Folge: Immer mehr Mittelständler erwägen die Schließung ihres Betriebs statt einer geregelten Übergabe.
Neben der unternehmerischen Nachfolge ist auch die persönliche Absicherung entscheidend, damit die Familie im Ernstfall handlungsfähig bleibt. Geprüfte PDF-Vorlagen für Patientenverfügung und Berliner Testament ermöglichen eine rechtssichere Vorsorge ohne juristisches Vorwissen. Kostenlose Vorsorge-Vorlagen jetzt herunterladen
Neues Altersvorsorgedepot und Gründungsboom
Parallel zur Nachfolgethematik tut sich etwas bei der Altersvorsorge. Ab dem 1. Januar 2027 soll ein neues Altersvorsorgedepot eingeführt werden, das Einzahlungen bis 1.800 Euro pro Jahr fördert. Gerade für Gutverdiener mit hohem Grenzsteuersatz könnte das attraktiv sein.
Derweil verzeichnet der DIHK-Report 2026 ein steigendes Interesse an Neugründungen. Die Zahl der IHK-Einstiegsgespräche stieg um 13 Prozent auf über 143.000. Allerdings: Etwa 36 Prozent der Gründer wählen diesen Weg mangels beruflicher Alternativen. Der Wunsch nach weniger Bürokratie bleibt mit 73 Prozent Zustimmung das dominierende Thema.
