14.161 Schritte täglich: Aktive Gruppe schneidet bei Aufmerksamkeit besser ab
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 23:34 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine im Fachjournal Scientific Reports veröffentlichte Untersuchung des Baylor College of Medicine in Houston liefert neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Alltagsbewegung und geistiger Fitness. Ein Team um den Psychiater Olaoluwa O. Okusaga analysierte dafür über einen Zeitraum von 14 Jahren erhobene Daten von 3.093 Erwachsenen.
Die im Rahmen des US-Forschungsprogramms All of Us zwischen 2009 und 2023 erfassten Aktivitäts- und Blutdruckwerte deuten darauf hin, dass ein höheres Schrittpensum mit besseren Ergebnissen in zentralen kognitiven Bereichen einhergeht.
Messbare Vorteile bei Aufmerksamkeit und Denkvermögen
Die Studienteilnehmer waren zwischen 18 und 93 Jahre alt, das Durchschnittsalter lag bei rund 58 Jahren. Zur Auswertung wurden die Probanden anhand ihrer per Fitbit gemessenen Schrittzahlen in drei Gruppen eingeteilt: eine wenig aktive Gruppe mit durchschnittlich 5.108 Schritten pro Tag sowie zwei aktivere Gruppen mit 8.875 beziehungsweise 14.161 Schritten pro Tag. Am Ende der Erhebung absolvierten die Teilnehmer vier computergestützte kognitive Tests.
Dabei erzielten die beiden aktiveren Gruppen bei Aufgaben zu Aufmerksamkeit und logischem Denken signifikant bessere Resultate als die Vergleichsgruppe mit rund 5.100 Schritten.
Im Aufmerksamkeitstest erreichten Probanden mit 8.875 Schritten im Schnitt 1,76 Punkte mehr, während jene mit 14.161 Schritten ein Plus von 2,17 Punkten aufwiesen. Diese Unterschiede blieben auch nach statistischer Bereinigung um Faktoren wie Alter, Bildung, Einkommen, Familienstand und Geburtsort bestehen.
Geringe Effekte und differenzierte Ergebnisse
Über die gesamte Stichprobe hinweg war jeder Zuwachs um geschätzte 1.000 Schritte pro Tag mit schrittweise besseren Testergebnissen bei Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle verbunden, wenngleich die ermittelten Effektstärken klein ausfielen.
Wer sich mit dem Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber wertvolle Strategien für den Alltag. 11 praktische Alltagsübungen zur Demenzvorbeugung entdecken
Bei der Auswertung einzelner Testbereiche zeigten sich zudem feine Unterschiede: Die Gruppe mit 14.161 Schritten schnitt bei der Belohnungsbewertung und der Aufmerksamkeit am besten ab, während die Gruppe mit 8.875 Schritten die besten Resultate bei der Verhaltenskontrolle erzielte.
Beim Erkennen von Emotionen anhand von Gesichtsausdrücken ließ sich hingegen kein signifikanter Unterschied zwischen den Aktivitätsniveaus feststellen.
Untersucht wurde zudem die Rolle des Blutdrucks. Ein höherer systolischer Wert war zwar mit etwas schlechteren Entscheidungen bei Belohnungsaufgaben verbunden, erklärte jedoch nur etwa 4,8 Prozent des Zusammenhangs zwischen Bewegung und kognitiver Selbstkontrolle. Für den diastolischen Blutdruck ergab sich kein signifikanter Zusammenhang.
Grenzen der Aussagekraft
Das Forschungsteam weist auf methodische Einschränkungen hin. Bei der Arbeit handelt es sich um eine reine Beobachtungsstudie, die Korrelationen beschreibt, jedoch keinen ursächlichen Nachweis liefert.
Zudem wurden Einflussfaktoren wie Rauchen und Übergewicht in der Analyse nicht berücksichtigt. Auch stelle der Wert von etwa 8.900 Schritten keinen wissenschaftlich definierten Schwellenwert dar; eine ideale Schrittzahl lasse sich aus den Daten nicht ableiten.
Zudem war die Stichprobe spezifisch zusammengesetzt: 57 Prozent der Probanden waren mindestens 60 Jahre alt, 68 Prozent weiblich, 75 Prozent weiß, 92 Prozent in den USA geboren und 98 Prozent krankenversichert.
Biologische Mechanismen und gesundheitspolitischer Kontext
Als mögliche Erklärungen für die beobachteten Zusammenhänge diskutieren die Autoren des Baylor College of Medicine verminderte Entzündungsprozesse im Körper, einen verbesserten Glukosestoffwechsel sowie die Anregung neuer Nervenverbindungen durch regelmäßige Bewegung.
Die Erforschung präventiver Effekte gewinnt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels an Bedeutung. Berechnungen für die Vereinigten Staaten prognostizieren einen Anstieg der Fälle von leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) von 14,37 Millionen im Jahr 2025 auf 21,55 Millionen im Jahr 2060. Für den gleichen Zeitraum wird ein Zuwachs der Demenzerkrankungen von 7,16 Millionen auf 13,85 Millionen erwartet.
Neben Bewegung spielt auch die gezielte Stärkung der kognitiven Ressourcen eine entscheidende Rolle für die mentale Gesundheit im Alter. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt auf, wie Sie Konzentration und Gedächtnis nachhaltig verbessern können. 7 Geheimnisse für mentale Fitness kostenlos sichern
Um den Erhalt geistiger Fähigkeiten im Alter zu unterstützen, empfehlen Fachleute aus der Sport- und Präventionsmedizin in der Praxis eine Kombination aus mindestens 150 Minuten moderater aerobischer Aktivität pro Woche sowie zweimal wöchentlichem Krafttraining.
