Zwangsarbeit: USA drohen EU mit 10-Prozent-Strafzöllen ab Juni
04.06.2026 - 20:13:10 | boerse-global.de
Von neuen US-Zollplänen bis zu strengeren Kontrollen in Europa – die Behörden nehmen die finanziellen Grundlagen des Schattenarbeitsmarktes ins Visier.
USA drohen mit Strafzöllen auf Zwangsarbeitsprodukte
Am 2. Juni 2026 schlug die US-Regierung einen neuen Zollplan vor, der Waren aus Zwangsarbeit gezielt bekämpfen soll. Vorgesehen sind zusätzliche Abgaben von 10 bis 12,5 Prozent auf Importe aus rund 60 Volkswirtschaften – darunter die Europäische Union und das Vereinigte Königreich.
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Die EU müsste mit einem Aufschlag von 10 Prozent rechnen, Großbritannien sogar mit 12,5 Prozent. Ein Bericht des US-Handelsbeauftragten (USTR) bemängelt, dass viele Staaten keine wirksamen Verbote gegen den Import von Zwangsarbeitsprodukten hätten. Die Maßnahmen befinden sich derzeit in der Konsultationsphase und sind noch nicht in Kraft. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) sieht die höchste Verbreitung von Zwangsarbeit im asiatisch-pazifischen Raum, mit erheblichen Problemen auch in Südostasien, Südasien und den Golfstaaten.
Europa geht gegen Scheinselbstständigkeit vor
Die EU-Behörden verschärfen ihre Kontrollen gegen illegale Werkverträge und Scheinselbstständigkeit. In den Niederlanden führte die Durchsetzung des DBA-Gesetzes 2025 zu einem massiven Rückgang freier Mitarbeiter (ZZP) im Baugewerbe. Rund 20.000 Selbstständige verließen die Branche. Verbände warnen, dass Unternehmen wie die Van Gelder Groep mit 2.000 Beschäftigten Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen in Millionenhöhe drohen.
Deutschland hat seine rechtlichen Grundlagen zum 1. Januar 2026 gestärkt: Das modernisierte Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit trat in Kraft. Es gibt den Zollbehörden erweiterte Befugnisse zur Überprüfung digitaler Plattformen und Subunternehmer. Bis zum 2. Dezember 2026 muss zudem die EU-Plattformarbeitsrichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden – sie begründet eine widerlegbare Vermutung eines Arbeitsverhältnisses für viele bislang als selbstständig eingestufte Tätigkeiten.
Mailand: Jede zweite Baufirma fällt durchs Raster
Ermittlungen auf Mailänder Baustellen offenbaren das anhaltende Problem illegaler Arbeitsvermittlung. Daten aus dem Jahr 2025 zeigen: Über 67 Prozent von 547 geprüften Firmen in der Region wiesen Unregelmäßigkeiten auf. Die Behörden stellten einen Anstieg illegaler Outsourcing-Praktiken um 437 Prozent fest – betroffen waren fast 2.900 Arbeiter. Berichten zufolge behalten Zwischenhändler oft bis zu einem Drittel des Monatslohns ein.
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Ein positives Gegenbeispiel liefert die deutsche Bauwirtschaft. Am 6. Mai 2026 feierte die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) ihr 100-jähriges Bestehen. Vertreter des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) bezeichneten die VOB als unverzichtbares Instrument gegen Korruption und als Fundament für faire Vergaberegeln.
Faire Fachkräftegewinnung aus Afrika
Um den Fachkräftemangel ethisch zu lösen, betreibt Nordrhein-Westfalen seit 2022 das Bündnis „WE-Fair". In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vermittelt die Initiative junge Menschen aus Afrika in deutsche Ausbildungsprogramme. Bisher konnten 65 Jugendliche vermittelt werden – mit transparenten und fairen Rekrutierungsstandards.
Milliardenschäden durch Steuerbetrug und Insolvenzen
Die wirtschaftlichen Folgen von Finanzkriminalität sind enorm. Schätzungen zufolge entgehen Deutschland jährlich rund 100 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung. Weitere 100 Milliarden Euro werden durch Geldwäsche bewegt.
Die Folgen von Verstößen treffen auch einzelne Unternehmen hart. In Niederösterreich meldete eine Montagefirma Insolvenz an – ausgelöst durch eine Klage wegen ausstehender Löhne für 16 Mitarbeiter in Höhe von fast 350.000 Euro. Auch die Arbeitssicherheit bleibt ein brisantes Thema: Erst am 3. Juni 2026 verletzte sich ein slowenischer Arbeiter auf einer Abrissbaustelle in der Steiermark schwer. 25 Einsatzkräfte waren nötig, um den Unfall zu bewältigen.
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