Zeitumstellung, Schichtkräfte

Zeitumstellung am 25. Oktober: Wann Schichtkräfte die Zusatzstunde bezahlt bekommen

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Herbstumstellung verlängert manche Nachtschichten; in Deutschland muss die geleistete Zusatzzeit vergütet oder dem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben werden.
Eine nächtliche, ruhig wirkende Industriehalle mit leerstehenden Maschinen und sanftem Lichteinfall durch hohe Fenster. Illustration mit AI erstellt.

In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 2026 wird die Uhr um eine Stunde von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt. Durch den Wechsel von der Sommer- auf die mitteleuropäische Normalzeit verlängert sich der betriebliche Schichtbetrieb vielerorts um eine volle Stunde. Für Beschäftigte und Personalabteilungen bringt diese Umstellung arbeitsrechtliche Vorgaben zur Vergütung, Anpassungen der Dienstpläne und arbeitsmedizinische Herausforderungen mit sich.

Arbeitsrechtliche Vorgaben zur Vergütung der Zusatzstunde

Eine spezifische gesetzliche Sonderregelung zur Zeitumstellung existiert im deutschen Arbeitsrecht nicht. Das Bundesarbeitsgericht stellte bereits fest, dass sich Schichtpläne grundsätzlich nach der jeweils gültigen staatlichen Uhrzeit richten (Az. 7 AZR 276/83).

Arbeitgeber dürfen die tatsächlich geleistete neunte Arbeitsstunde jedoch nicht unberücksichtigt lassen. Unbezahlte Mehrarbeit allein infolge der Zeitumstellung ist unzulässig; die Zeit muss ausbezahlt oder dem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben werden.

Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht erläuterte dazu, dass der Anspruch auf Vergütung der real geleisteten Arbeitszeit bestehe und die Zusatzstunde in der Regel wie eine Überstunde abgegolten werden müsse. Maßgeblich seien dabei die jeweiligen Arbeits- oder Tarifverträge sowie Betriebsvereinbarungen.

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Bestehende pauschale Abgeltungsklauseln im Arbeitsvertrag decken eine solche Zusatzstunde laut Bundesarbeitsgericht nur dann ab, wenn sie wirksam formuliert sind und klare Grenzen aufweisen (Az. 5 AZR 765/10).

Bei uhrzeitmäßig fix vereinbarten Dienstzeiten – etwa einer Schicht von 22:00 bis 6:30 Uhr – verlängert sich der Einsatz real von acht auf neun Stunden. Arbeitgeber können alternativ Schichten bei monatlicher Dienstplanung so einteilen, dass die reguläre Arbeitszeit eingehalten wird.

Zudem greift das Arbeitszeitgesetz: Nachtarbeit ist werktäglich grundsätzlich auf maximal acht Stunden begrenzt, darf aber auf zehn Stunden verlängert werden, sofern innerhalb eines Kalendermonats oder von vier Wochen ein Durchschnitt von acht Stunden erreicht wird. Die gesetzliche Ruhezeit von mindestens elf Stunden bleibt zwingend vorgeschrieben.

Für Beschäftigte gilt bei der Zeitumstellung unverändert die Pünktlichkeitspflicht. Verschlafen stellt keine Entschuldigung dar; selbst verschuldete Verspätungen können Vergütungsabzüge oder Abmahnungen nach sich ziehen, wie das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein entschied (Az. 1 Sa 70 öD/21).

Regelungen in Nachbarländern und grenzüberschreitender Verkehr

In Nachbarländern gelten teils abweichende Bestimmungen. In Tschechien regelt die Regierungsverordnung Nr. 348/2021 Sb. im § 4, dass sich die festgelegte Wochenarbeitszeit in der betreffenden Woche um eine Stunde verlängert.

Folglich entsteht kein formaler Überstundenanspruch, die Stunde wird jedoch voll bezahlt – bei einem Satz von 200 K? pro Stunde erhalten Beschäftigte entsprechend 200 K? mehr. Das tschechische Arbeitsgesetzbuch verlangt im § 96 eine präzise Arbeitszeiterfassung beider Vorkommen des Zeitfensters von 2:00 bis 2:59 Uhr.

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Im Bahnverkehr führt die Zeitumstellung zu Zwangspausen: Die Tschechischen Bahnen stellen jährlich rund zehn Fernnachtzüge wie den Chopin oder Slovakia für eine Stunde an Bahnhöfen wie Ostrava oder B?eclav ab; das Personal erhält diese Zeit als Arbeitszeit oder Bereitschaft vergütet.

In Polen gilt die neunte Stunde einer regulären Schicht laut Arbeitsgesetzbuch als Überschreitung der Tagesnorm und somit als Überstunde. Da sie nachts und an einem Sonntag anfällt, wird ein Überstundenzuschlag von 100 Prozent fällig, sofern kein Freizeitausgleich gewährt wird.

Zusätzlich greift ein Nachtzuschlag in Höhe von 20 Prozent des Stundensatzes, der bei einem Mindestlohn von 4.806 z? brutto im Oktober 2026 bei 5,46 z? brutto je Stunde liegt.

Berechnungen des Arbeitsmarktdienstleisters Personnel Service zufolge erhalten Pflegekräfte mit Mindestgrundgehalt für diese Zusatzstunde rund 126 z? brutto, während Fachärzte mit einem Monatsgehalt von 12.910 z? auf rund 194 z? brutto kommen.

Chronobiologie und Auswirkungen auf die Sicherheit

Arbeitsmediziner und Chronobiologen weisen darauf hin, dass die Herbstumstellung vom Körper zwar im Schnitt besser bewältigt wird als die Frühjahrsumstellung, dennoch eine Belastung darstellt.

Eine in der Fachzeitschrift European Journal of Epidemiology (2026) veröffentlichte Übersichtsarbeit von Steponenaite, Wallraff, Wild und Kollegen, die 157 Studien aus 36 Ländern analysierte, zeigt für den Herbst ein differenziertes Bild: Während die Frühjahrsumstellung kurzfristig zu einem Anstieg akuter Herzinfarkte um rund vier Prozent führt, verzeichnet die Herbstumstellung geringere Unfallzahlen am Arbeitsplatz.

Eine italienische Erhebung von 2013 bis 2017 stellte in den ersten drei Tagen nach der Herbstumstellung einen Rückgang der Arbeitsunfälle um mehr als zehn Prozent fest.

Gleichzeitig verweisen Fachleute darauf, dass Nachtschichten generell mit einem um 36 Prozent höheren Verletzungsrisiko gegenüber Frühschichten verbunden sind.

Um den Übergang zu erleichtern, raten Arbeitsmediziner dazu, die gewohnte Schlafdauer beizubehalten, morgens gezielt Tageslicht zu nutzen und abends helles Licht zu meiden. Verkehrsexperten mahnen zudem zu erhöhter Vorsicht im Straßenverkehr, da die einsetzende Dämmerung im Berufsverkehr das Unfallrisiko kurzfristig steigern kann.

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