Wohnungsmarkt in Sachsen-Anhalt: Baugenehmigungen brechen ein
04.05.2026 - 14:45:15 | boerse-global.deDie Baugenehmigungen sind 2025 drastisch gesunken – das Land reagiert mit neuen Förderprogrammen.
Nur 1.805 Bauvorhaben genehmigt
Mitte April veröffentlichte das Statistische Landesamt alarmierende Zahlen: Im gesamten Jahr 2025 wurden lediglich 1.805 Bauvorhaben im Wohngebäudebereich genehmigt. Das ist ein Rückgang von 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Noch härter trifft es die Zahl der geplanten Wohnungen. Mit 2.662 Wohneinheiten lag der Wert 14,8 Prozent unter dem Niveau von 2024. Insgesamt erteilten die Behörden 2.600 Baugenehmigungen für Neubauten und Baumaßnahmen im Hochbau – ein Minus von 6,7 Prozent.
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Immerhin: Im letzten Quartal 2025 gab es eine leichte Erholung. 684 Genehmigungen standen 633 im Vorjahreszeitraum gegenüber. Doch diese Stabilisierung kam zu spät, um die Verluste der ersten Monate auszugleichen. Fast 82 Prozent der Bauvorhaben wurden von privaten Haushalten initiiert.
Drei Millionen Euro für Aufzüge
Die Landesregierung versucht gegenzusteuern. Anfang Mai 2026 stellte das Ministerium für Infrastruktur und Digitales drei Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur bereit. Das Geld ist für den An- und Einbau von Aufzugsanlagen in Gebäuden kommunaler Wohnungsgesellschaften bestimmt.
„Wir müssen den Wohnungsbestand barriereärmer und zukunftsfester gestalten“, sagte Infrastrukturministerin Dr. Lydia Hüskens. Ziel sei es, älteren Menschen und Familien mit Kindern ein langes Verbleiben in ihrem gewohnten Umfeld zu ermöglichen.
Die Förderung läuft als nicht rückzahlbarer Zuschuss. Sie deckt bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben ab – maximal 120.000 Euro pro Aufzugsanlage.
Bauordnung reformiert – Bürokratie abgebaut
Bereits Ende 2025 beschloss der Landtag eine Novellierung der Bauordnung. Mehr als 30 Paragrafen wurden überarbeitet. Das Ziel: bürokratische Hürden abbauen, Kosten senken.
Erleichterungen gibt es vor allem für Modernisierungen und Umnutzungen. Der Ausbau von Dachgeschossen zu Wohnzwecken ist unter bestimmten Voraussetzungen künftig genehmigungsfrei.
5,5 Millionen für Wohneigentum
Anfang des Jahres startete das Land zudem ein Programm zur Förderung von Wohneigentum für Familien. Aus dem Wohnraumförderfonds fließen 5,5 Millionen Euro.
Das Angebot: zinsvergünstigte Baudarlehen von bis zu 100.000 Euro. Die Zinssätze liegen je nach Bindungsfrist zwischen 0,9 und 1,7 Prozent. Besonders im ländlichen Raum sollen so Anreize geschaffen werden.
Baukosten explodiert – Preise für Bitumen verdoppelt
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben schwierig. Die Baukosten pro Quadratmeter Wohnfläche stiegen von 1.415 Euro im Jahr 2020 auf durchschnittlich 2.313 Euro in der ersten Jahreshälfte 2025. Zusammen mit gestiegenen Zinsen hat das viele Projekte unrentabel gemacht.
Internationale Konflikte verschärfen die Lage zusätzlich: Die Preise für Bitumen haben sich im Frühjahr 2026 zeitweise verdoppelt – eine direkte Folge der Spannungen im Nahen Osten.
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Stadt und Land driften auseinander
Ein Bericht des Infrastrukturministeriums zeigt eine wachsende Kluft zwischen städtischen und ländlichen Räumen. In Ballungsgebieten steigen die Angebotsmieten für Neubauten auf bis zu 12,50 Euro pro Quadratmeter. In vielen ländlichen Regionen bleiben sie mit Werten zwischen 3,75 und 6,29 Euro moderat.
Rund 32.000 Wohnungen stehen in der organisierten Wohnungswirtschaft leer. Die Strategie verschiebt sich daher weg vom reinen Neubau hin zur qualitativen Aufwertung und zum Teilrückbau.
Branche fordert Planungssicherheit
Die Wohnungswirtschaft blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Auf der Frühjahrstagung der Wohnungsverbände VdW und VdWg in Magdeburg forderten die Vertreter eine verlässliche Förderpolitik. Die Bundesförderung müsse stärker an die Bedingungen in Mitteldeutschland angepasst werden – mit Fokus auf energetische Sanierung und Barrierefreiheit statt massivem Neubau.
Wohnungspolitik wird Wahlkampfthema
Im September 2026 steht die Landtagswahl an. Die Wohnungspolitik wird ein zentrales Thema werden. Die Landesregierung setzt auf beschleunigte Planungsverfahren und die Digitalisierung der Bauverwaltung.
Ob die eingeleiteten Maßnahmen und die Reform der Bauordnung ausreichen, um die Negativspirale im Neubau zu durchbrechen, bleibt abzuwarten. Branchenvertreter hoffen auf eine Trendwende bei den Zinsen und auf die Wirkung der staatlichen Infrastrukturmilliarden, die im laufenden Jahr verstärkt in den Markt fließen sollen.
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