Frankfurt, Millionen

Frankfurt pumpt Millionen in bezahlbare Wohnungen

04.05.2026 - 14:50:49 | boerse-global.de

Frankfurt fördert den Bau von 86 mietpreisgebundenen Wohnungen in Gallus und Höchst, um den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten.

Frankfurt pumpt Millionen in bezahlbare Wohnungen - Foto: über boerse-global.de
Frankfurt pumpt Millionen in bezahlbare Wohnungen - Foto: über boerse-global.de

Die Projekte in den Stadtteilen Gallus und Höchst sollen die angespannte Wohnungslage in der Mainmetropole entschärfen. Die Einstiegsmiete liegt mit 7 Euro pro Quadratmeter deutlich unter dem Marktniveau.

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Gallus: Passivhaus mit Solaranlage für 42 Familien

Im Gallusviertel entstehen in der Herxheimer Straße 10 insgesamt 42 geförderte Wohnungen. Das Besondere: Das Gebäude wird als Passivhaus mit integrierter Photovoltaikanlage realisiert. Die Gesamtinvestition liegt bei über 16 Millionen Euro. Das Land Hessen steuert rund 9,1 Millionen Euro bei, die Stadt Frankfurt weitere 7,9 Millionen Euro. Fertigstellung ist Ende 2027.

Höchst: Gestaffelte Mieten für unterschiedliche Einkommen

Parallel baut die ABG Holding in der Hospitalstraße 42-48 im Stadtteil Höchst. Hier sind 44 Wohneinheiten geplant, 17 davon explizit gefördert. Der energetische Standard entspricht dem Effizienzhaus-Niveau EH40. Die Mietstaffelung ist clever: Für die erste Förderstufe sind 7 Euro pro Quadratmeter vorgesehen, für die zweite Stufe zwischen 10 und 12 Euro. So sollen auch Haushalte mit mittleren Einkommen Zugang bekommen.

Baukosten explodieren – Genehmigungen dauern Jahre

Doch die Frankfurter Projekte sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Bauwirtschaft steckt in der Krise. Die Kosten für technische Gebäudeausstattung haben sich innerhalb von drei bis vierte Jahren verdoppelt. Bei Herstellungskosten von rund 7.000 Euro pro Quadratmeter wären selbst bei null Prozent Zinsen Mieten von 18 Euro nötig – Utopie für bezahlbaren Wohnraum.

Und dann die Bürokratie: Projekte warten teilweise über zwei Jahre auf eine Baugenehmigung. In dieser Zeit steigen die Kosten weiter. Ein Beispiel zeigt eine Kostensteigerung von 9 auf 10,5 Millionen Euro während der Wartezeit. Auch der Stellplatzschlüssel bleibt ein Problem: In einigen Projekten konnte er von 2,0 auf 1,67 Plätze pro Wohneinheit reduziert werden – doch viele Stellplätze bleiben ungenutzt.

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Die Folgen sind dramatisch: 2024 wurden in Deutschland nur 251.937 Wohnungen fertiggestellt – ein Minus von 14,4 Prozent zum Vorjahr. Das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr ist in weite Ferne gerückt.

Ost gegen West: Ein Markt driftet auseinander

Während Frankfurt und Hamburg gegen Wohnungsmangel kämpfen, sieht es in Ostdeutschland ganz anders aus. Die Leerstandsquote liegt dort bei 7,6 Prozent – das sind rund 390.000 leere Wohnungen. In Westdeutschland sind es nur 5 Prozent bei 420.000 Einheiten. Experten prognostizieren, dass der Leerstand in ostdeutschen Mehrfamilienhäusern bis 2045 auf bis zu 14,4 Prozent steigen könnte. Grund: Der Bevölkerungsrückgang von rund einer Million Menschen.

Die politischen Forderungen sind entsprechend gegensätzlich. Während Metropolen Mietpreisbremsen und Neubauförderungen fordern, verlangt die Linksfraktion einen Altschuldenerlass für kommunale Wohnungsunternehmen im Osten. In Brandenburg plant Finanzminister Daniel Keller den verstärkten Ankauf von Immobilien in Potsdam, um Landesbedienstete aus teuren Mietobjekten umzusiedeln. Die jährlichen Mietausgaben des Landes stiegen von 113 Millionen Euro (2024) auf 130 Millionen Euro (2025).

Bau-Turbo und Fehlbelegungsabgabe: Die Pläne der Regierung

Bauministerin Hubertz will mit einem neuen Vertragsrecht gegensteuern. Der sogenannte „Bau-Turbo“ soll Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen. Diskutiert wird auch die Gründung einer Bundes-Baugesellschaft für niedrigere Zinsen.

Ein weiterer Hebel: die Fehlbelegungsabgabe. Der Sozialverband SoVD unterstützt Pläne, Mieter mit gestiegenem Einkommen in Sozialwohnungen zur Kasse zu bitten. In Hessen gibt es diese Abgabe bereits seit 2016. Berlin und Hamburg arbeiten an ähnlichen Regelungen. Die Einnahmen sollen direkt in den Bau neuer Sozialwohnungen fließen. Eine Mietrechtskommission soll bis Ende 2026 konkrete Vorschläge vorlegen.

Büros werden zu Wohnungen

Parallel setzen Stadtplaner auf die Umwidmung von Gewerbeimmobilien. Das Ifo-Institut schätzt, dass durch den Umbau leerstehender Büros in den sieben größten deutschen Städten bis 2030 rund 60.000 neue Wohnungen entstehen könnten. Architekten warnen jedoch vor langwierigen Verhandlungen mit Banken und Eigentümern. Dennoch gilt die Umnutzung als notwendiger Trend – besonders bei ehemaligen Kaufhäusern.

Was bringt die Zukunft?

Die Frankfurter Förderzusagen zeigen: Die öffentliche Hand ist bereit, finanzielle Risiken einzugehen. Doch die Lage bleibt volatil. Zwar verlor der Mietanstieg im Frühjahr 2026 erstmals seit vier Jahren an Tempo. Doch das Preisniveau in Ballungsräumen bleibt für viele Haushalte eine existenzielle Belastung. Die Wirtschaftsprognose für 2026 rechnet mit einem moderaten Wachstum von 0,5 Prozent – das schränkt den Spielraum für private Investitionen weiter ein.

Projekte wie in der Herxheimer Straße werden zu Testfällen für die Kombination aus Energieeffizienz und sozialverträglichen Mieten. Ob die versprochenen Deregulierungen greifen, wird sich zeigen. Bis dahin bleibt der Wohnungsmarkt ein Feld tiefgreifender regionaler Unterschiede: wachsende Metropolen hier, schrumpfende ländliche Regionen dort.

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