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Wirtschaftsprognose: Institute heben BIP-Wachstum 2026 auf 1,2 Prozent

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das IW Köln erwartet 2026 mehr Wachstum, verweist aber auf schwache Privatinvestitionen, anhaltende Bauprobleme und erhöhte Inflation.

IW hebt BIP-Prognose für Deutschland 2026 deutlich auf 1,2 Prozent
Ein Industriekran auf einer Baustelle unter einem bewölkten Morgenhimmel als Symbol für wirtschaftliche Entwicklung. Illustration mit AI erstellt.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat in seiner am 20. September 2026 veröffentlichten Herbstprognose die Erwartungen für das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) massiv nach oben korrigiert.

Rechneten die Ökonomen zuvor noch mit einem Plus von 0,4 Prozent für das Jahr 2026, gehen sie nun von einem Wachstum in Höhe von +1,2 Prozent aus. Für das darauffolgende Jahr 2027 prognostiziert das Institut eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um knapp +1 Prozent.

Sondereffekte und staatliche Investitionen stützen das Wachstum

Die deutliche Anhebung der Prognose begründet das IW Köln vor allem mit einem überraschend starken ersten Halbjahr 2026. Ein wesentlicher Treiber war demnach ein schuldenfinanzierter Infrastrukturtopf, dessen Wirkung sich erstmals über ein gesamtes Kalenderjahr entfaltet.

Zudem identifizierten die Forscher kurzfristige Sondereffekte: Vorzieheffekte durch Lageraufbau und Panik-Käufe, insbesondere bei Chemie- und Elektroprodukten infolge des Iran-Konflikts, stützten die Dynamik in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Trotz der positiven Korrektur bleibt die Einschätzung für die kommenden Monate verhalten. Das IW Köln geht davon aus, dass die Dynamik im zweiten Halbjahr 2026 nachlassen wird, während die Krise im Bausektor weiterhin anhält.

Michael Grömling, Konjunkturchef des IW Köln, erklärte am 21. September 2026, dass sich die deutsche Wirtschaft zwar robuster als erwartet zeige, sich jedoch weiterhin in einer tiefgreifenden Strukturkrise befinde. Eine dauerhafte und breit angelegte Erholung sei vorerst nicht absehbar.

Einigkeit unter den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten

Mit der optimistischeren Einschätzung steht das IW Köln nicht allein. Mehrere namhafte Institute passten ihre Zahlen am 20. September 2026 an. Das ifo Institut in München erwartet für 2026 ein BIP-Wachstum von +1,4 Prozent und für 2027 ein Plus von 1,2 Prozent.

Das DIW Berlin hob seine Erwartung für das laufende Jahr von zuvor 0,5 Prozent auf nun 1,2 Prozent an. Dabei wiesen die Berliner Forscher darauf hin, dass rund 70 Prozent des diesjährigen Wachstums auf den öffentlichen Konsum sowie staatliche Investitionen zurückzuführen seien.

Auch das IWH in Halle korrigierte seine Prognose für 2026 von 0,9 Prozent auf +1,4 Prozent nach oben. In der aktuellen Gemeinschaftsprognose der führenden Institute (RWI, ifo, IfW, IWH und DIW) wird für 2026 ein Wachstum von +1,3 Prozent sowie für 2027 ein Plus von 1,1 Prozent vorausgesagt. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) schließt sich dieser Tendenz mit einer Erwartung von +1,3 Prozent für 2026 an.

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Das IW Köln hat seine BIP-Prognose für 2026 von 0,4 auf 1,2 Prozent angehoben – doch die private Investitionstätigkeit bleibt mit erwarteten +0,5 Prozent schwach und die Inflation liegt mit gut 2,5 Prozent über dem Zielwert. Unser kostenloser Leitfaden ordnet die Prognosen der führenden Institute ein und zeigt, welche Kennzahlen Sie jetzt für Ihre Planung im Blick behalten sollten. Kostenlosen Leitfaden zur IW-Prognose anfordern

Arbeitsmarkt und Inflation zeigen sich stabil, aber belastet

Trotz der konjunkturellen Belebung bleibt die Lage auf dem Arbeitsmarkt angespannt. Sowohl das IW Köln als auch das ifo Institut gehen für 2026 von einer Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent aus, was einer Zahl von knapp 3 Millionen Arbeitslosen entspricht. Das IW Köln erwartet zudem, dass die Zahl der Erwerbstätigen im Vergleich zum Vorjahr um rund 200.000 sinken wird.

Bei der Preisentwicklung rechnet das IW Köln für 2026 mit einer Inflationsrate von gut 2,5 Prozent, während das ifo Institut 2,8 Prozent prognostiziert. Die Deutsche Bundesbank wies in ihrem Monatsbericht vom 21. September 2026 darauf hin, dass die HVPI-Inflation im August bei 2,9 Prozent lag. Ursächlich hierfür seien steigende Energiepreise infolge des Iran-Konflikts. Die Rückkehr zum Zielwert von 2 Prozent könnte sich daher verzögern.

Investitionsschwäche und Außenhandel

Während der Staatskonsum im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr um +3,4 Prozent zulegte, bleibt die private Investitionstätigkeit schwach. Das IW Köln reduzierte die Erwartung für die Anlageinvestitionen im Jahr 2026 auf lediglich +0,5 Prozent.

Besonders die Bauinvestitionen belasten das Bild mit einem erwarteten Rückgang von -1 Prozent. Positive Impulse kommen hingegen von den Ausrüstungsinvestitionen, für die ein Plus von 1,8 Prozent prognostiziert wird.

Im Außenhandel wird für 2026 ein Exportwachstum von +2,8 Prozent und eine Zunahme der Importe um +2 Prozent erwartet. Das Statistische Bundesamt meldete für Juni 2026 bereits einen saisonbereinigten Monatsrekord bei den Exporten in Höhe von 139,3 Milliarden Euro. Dennoch bremsen laut Bundesbank Faktoren wie das Niedrigwasser am Rhein und Produktionsausfälle in der Automobilindustrie die industrielle Entwicklung.

Fiskalische Kennzahlen und langfristiger Ausblick

Die fiskalischen Rahmenbedingungen bleiben angespannt. Das IW Köln rechnet für 2026 mit einem Staatsdefizit von rund 4 Prozent der Wirtschaftsleistung, während die Staatsschuldenquote zum Jahresende etwa 66 Prozent erreichen dürfte.

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Trotz der optimistischeren Prognose hält die Baukrise an: Die Bauinvestitionen sollen 2026 um 1 Prozent zurückgehen, die Anlageinvestitionen nur um 0,5 Prozent zulegen. Für Finanzentscheider im Mittelstand wird die Investitionsplanung damit anspruchsvoller. Unsere Checkliste führt Sie durch die wichtigsten Kennzahlen und Planungsgrößen für 2026. Checkliste Investitionsplanung jetzt sichern

Das Bundesministerium der Finanzen skizzierte in seinem Monatsbericht für September zudem die mittelfristige Entwicklung. Für das Jahr 2027 wird ein BIP von 4.768,9 Milliarden Euro bei einem Produktionspotenzial von 4.829,6 Milliarden Euro erwartet, was einer Produktionslücke von -60,7 Milliarden Euro entspricht. Erst für das Jahr 2030 prognostiziert das Ministerium ein Schließen dieser Lücke bei einem BIP von 5.205,4 Milliarden Euro.

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