Wasserkrise, Pegelstände

Wasserkrise: Pegelstände in Hessen 60% unter Durchschnitt

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 16:25 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Angesichts anhaltender Dürre verlangen Städte und Gemeinden eine Ausweitung der Genehmigungspflichten für private Wasserentnahmen.

Wasserkrise in Deutschland: Kommunen fordern schärfere Regeln
Ein ausgetrocknetes Flussbett mit rissiger Erde und einer verdorrten Pflanze unter einem diesigen Himmel, der Dürre symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Kommunale Spitzenverbände fordern eine Ausweitung der Genehmigungspflichten und eine stärkere Priorisierung der öffentlichen Trinkwasserversorgung. Hintergrund sind sinkende Pegelstände und regionale Versorgungsengpässe.

Genehmigungspflicht für private Wasserentnahme gefordert

Der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) spricht sich für eine Verschärfung der Regeln bei der privaten Wasserentnahme aus. Ein Vizepräsident des Verbandes betont die Notwendigkeit, bisher genehmigungsfreie Nutzungen einzuschränken. Ziel: mehr Transparenz über die tatsächlich verbrauchten Wassermengen.

Konkret fordert der VKU ein digitales Wasserbuch in allen Bundesländern. Damit ließen sich die Wasserressourcen präziser überwachen. Im Zweifelsfall müsse die öffentliche Versorgung Vorrang vor privaten Komfortbedarfen haben.

Der Deutsche Landkreistag unterstützt diese Position. In extremen Trockenphasen müsse man private Verbräuche wie das Befüllen von Swimmingpools hinterfragen, so sein Präsident. Er setze zwar primär auf die Vernunft der Bürger, doch einzelne Kommunen hätten bereits rechtliche Begrenzungen angeordnet.

Bevölkerung zeigt wachsendes Problembewusstsein

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey untermauert den Trend: Rund 64 Prozent der Befragten geben an, bereits bewusst mit Wasser umzugehen. Etwa 35 Prozent würden behördliche Sparaufrufe sehr wahrscheinlich befolgen.

Die Mehrheit von 60 Prozent befürwortet eine gleichmäßige Verantwortungsverteilung über alle Sektoren hinweg. Das Problembewusstsein in der Bevölkerung wächst also – parallel zu den Forderungen der Kommunen.

Kritische Lage an Flüssen und Bächen

Die hydrologische Situation ist in einigen Regionen bereits kritisch. In Hessen liegen die Wasserstände zahlreicher Flüsse und Bäche rund 60 Prozent unter dem durchschnittlichen Niedrigwasserwert der vergangenen 30 Jahre. Mehrere Kommunen haben die Entnahme von Wasser aus Oberflächengewässern untersagt.

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Die Austrocknung der Gewässerbetten bringt zudem sicherheitstechnische Risiken mit sich. Der Kampfmittelräumdienst warnt verstärkt vor freigelegter Weltkriegsmunition. In Kassel wurde zuletzt eine Brandbombe aus dem Flussbett der Fulda geborgen. Behörden mahnen zur Vorsicht beim Betreten ausgetrockneter Uferzonen.

Pro-Kopf-Verbrauch sinkt – aber regional unterschiedlich

Daten des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigen: Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland lag 2025 bei 123 Litern pro Tag. Das ist ein Rückgang gegenüber dem Spitzenwert von 2020, als Trockenheit und Corona-Pandemie den Verbrauch auf 129 Liter steigen ließen.

Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In Hannover stieg der Verbrauch zwischen 2013 und 2025 um 21,5 Prozent. Hamburg verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Rückgang um 9,3 Prozent.

Den größten Anteil am täglichen Bedarf nehmen die Körperhygiene (36 Prozent) und die Toilettenspülung (27 Prozent) ein.

Städte investieren in Klimaanpassung

Um den Folgen des Klimawandels zu begegnen, investieren Kommunen verstärkt in wassersensible Stadtentwicklung. In Wiesbaden entsteht am Elsässer Platz für rund 7,6 Millionen Euro ein Klimapark, der im Herbst 2026 eröffnet werden soll. Das Projekt umfasst die Entsiegelung von Flächen, die Pflanzung von 40 Bäumen und den Bau einer Zisterne zur Bewässerung.

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Auch in der Wetterau werden Projekte zur Klimaanpassung umgesetzt. In Büdingen entstehen sogenannte Regengärten mit einem Retentionsvolumen von 6.500 Kubikmetern zur Regenwasserversickerung.

Parallel dazu fordern Immobiliennetzwerke eine nationale Hitzeschutzstrategie für Gebäude. Bereits 4,3 Prozent der Neubauten verfügten 2025 über Kühlanlagen – eine Verdoppelung innerhalb von zehn Jahren. Experten raten zu einem Fokus auf Bestandsbegrünung und intelligente Vernetzung, um den Energie- und Wasserbedarf zu optimieren.

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