Osnabrück, Betriebsrat

VW Osnabrück: Betriebsrat fordert Standortsicherung bis Ende 2026

10.06.2026 - 20:30:40 | boerse-global.de

Gewerkschaft und Betriebsrat drängen auf Standortsicherung für das VW-Werk Osnabrück nach dem T-Roc-Aus 2027.

VW Osnabrück: IG Metall fordert klare Zukunftsperspektiven
Osnabrück - Ein Roboterarm einer Volkswagen-Montagelinie in Bewegung, überlagert mit schematischen Darstellungen von Militärfahrzeugen. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Hintergrund: Die Produktion des T-Roc-Cabrios läuft Mitte 2027 aus. Ohne ein Nachfolgeprojekt oder alternative Nutzungskonzepte steht die Zukunft des Standorts mit rund 2.300 Beschäftigten auf dem Spiel.

Am heutigen Mittwoch machten Betriebsratschef Jürgen Placke und die IG Metall auf einer Betriebsversammlung Druck. Sie verlangen zeitnahe Maßnahmen zur Standortsicherung. Bereits Ende 2024 hatte Volkswagen im Zuge eines Sparprogramms beschlossen, das Cabrio-Modell auslaufen zu lassen.

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Rüstungsindustrie als Rettungsanker?

Der VW-Konzern prüft ungewöhnliche Wege, um die Auslastung in Osnabrück zu sichern. Vorstandschef Oliver Blume bezeichnete den Rüstungssektor als möglichen Rettungsanker. Das Management führt demnach konstruktive Gespräche mit Unternehmen der Verteidigungsindustrie.

Als potenzieller Partner gilt der israelische Hersteller Rafael Advanced Defense Systems, bekannt für das Luftabwehrsystem Iron Dome. Brancheninsider berichten von Interesse an der Fertigung von Fahrzeugen oder Startvorrichtungen in Osnabrück. Eine Lösung soll bis Jahresende 2026 stehen. Frühere Verhandlungen mit Rheinmetall 2025 und im März 2026 blieben dagegen ergebnislos.

Kostendruck im ganzen Konzern

Die Unsicherheit in Osnabrück fällt in eine Phase erhöhter Kostendisziplin bei Volkswagen. Konzernchef Blume betonte zuletzt die Notwendigkeit von mehr Geschwindigkeit und Effizienz am Standort Deutschland. Die VW-Vorzugsaktie gab am heutigen Mittwoch leicht nach und notierte bei rund 86,60 Euro – ein Minus von etwa 16 Prozent seit Jahresbeginn.

Während in Osnabrück um die Existenz gerungen wird, zeigen sich andere Standorte stabil. Markenvorstand Thomas Schäfer lobte am 5. Juni die industrielle Stärke des Werks in Emden. Dort fertigen rund 7.700 Mitarbeiter Modelle wie den ID.4 und ID.7. Schäfer mahnte aber auch dort zu fortwährender harter Arbeit. Die Transformation der Automobilindustrie sei kein Selbstläufer. Analysten fordern für Osnabrück einen konkreten Zeitplan, um die Unsicherheit bei Belegschaft und Investoren zu reduzieren.

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Politik mischt sich ein

Die Lage bei Volkswagen ist auch Thema auf höchster politischer Ebene. Parallel zur Betriebsversammlung fand heute ein Spitzentreffen im Kanzleramt statt. Vertreter der Koalition berieten dort mit Arbeitgebern und Gewerkschaften über die industrielle Zukunft Deutschlands.

IG-Metall-Chefin Christiane Benner warnte bereits am Montag vor pauschalen Subventionskürzungen. Sie fordert stattdessen eine gezielte Industriepolitik und eine klare Rollenverteilung zwischen Regierung und Sozialpartnern. Auch beim VW-Tochterunternehmen Everllence, einem Energietechnik-Spezialisten, verlangen Arbeitnehmervertreter weitreichende Beschäftigungs- und Standortsicherungen bis Ende des Jahrzehnts. Eine Entscheidung über den geplanten Teilverkauf von Everllence wird um den Monatswechsel Juni/Juli erwartet.

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