VW-Krise, Vorständen

VW-Krise: Sechs von neun Vorständen sehen Existenzgefahr

23.06.2026 - 23:03:48 | boerse-global.de

Volkswagen kämpft mit massiven Problemen: Aktie auf Tiefstand, sechs Vorstände sehen Existenzgefahr und bis zu 50.000 Jobs sind bedroht.

Volkswagen Aktie: Vertrauenskrise und Stellenabbau belasten Konzern
VW-Krise - Ein düsterer, moderner Konferenzraum mit einem langen, leeren Tisch und einem leicht verschobenen Stuhl, der Spannung und Krise symbolisiert. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Aktie fiel auf ein 15-Jahres-Tief, Betriebsräte üben scharfe Kritik an der Führung – und sechs von neun Vorständen sehen die Lage als existenzgefährdend an.

Betriebsversammlungen: „Kommunikationsdesaster“ und verunsicherte Belegschaft

Auf einer Betriebsversammlung im Werk Baunatal warf Betriebsratschef Carsten Büchling der Konzernspitze ein „Kommunikationsdesaster“ vor. Vor rund 6.000 Mitarbeitern kritisierte er, dass das fehlende Zielbild 2030 und der Sparkurs die Belegschaft massiv verunsichern.

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Personalvorständin Anika Stappenbeck war aus Wolfsburg angereist, um die Informationsdefizite zu adressieren. Die Stimmung vor Ort? „Sehr schlecht“, so die Mitarbeiter.

Auch in Ingolstadt kocht die Lage hoch. Audi-Betriebsratschef Jörg Schlagbauer forderte klare Perspektiven für den Standort. „Audi muss außergewöhnliche Leistungen bringen“, mahnte er. Seine Stellvertreterin Rita Beck ergänzte: Die Auslastung der Werke entscheide über die Zukunft. Arbeitsdirektor Xavier Ros betonte, nur gemeinsames Handeln sichere die Jobs.

Vorstandsumfrage: Sechs von neun sehen Existenzgefahr

Das Klima im Vorstand ist angespannt. Laut Medienberichten stufen sechs von neun Vorstandsmitgliedern die Lage als existenzgefährdend ein. Die übrigen drei bezeichnen die Situation immerhin als „angespannt“. Einig sind sich alle: Die Strategie muss radikal geändert werden – vor allem in China und Nordamerika.

Externe Analysen der Boston Consulting Group bestätigen das Bild: zu hohe Kosten, zu wenig Effizienz. Die Absatzziele für China wurden bereits auf 3,2 Millionen Fahrzeuge gesenkt. US-Zölle belasten das Ergebnis mit jährlich rund 4 Milliarden Dollar.

Aktie stürzt ab – Gewinn bricht ein

Die Kapitalmärkte reagieren brutal. Am Montag fiel die VW-Vorzugsaktie unter 80 Euro auf 77,88 Euro – ein 15-Jahres-Tief. Der Börsenwert sank auf rund 43,23 Milliarden Euro. Volkswagen liegt damit gleichauf mit Mercedes.

Die Zahlen des ersten Quartals 2026 sprechen eine klare Sprache: Der Nettogewinn brach um 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro ein. Die operative Marge? Nur noch 3,3 Prozent. HSBC stufte die Aktie herab. Barclays sieht trotz einer Senkung des Kursziels auf 120 Euro weiter Potenzial und stuft das Papier als „Top-Pick“ in Europa ein.

Stellenabbau und Sparkurs: Bis zu 50.000 Jobs weg

Volkswagen reagiert mit einem harten Restrukturierungsprogramm. Bis 2030 sollen konzernweit bis zu 50.000 Stellen wegfallen – 35.000 davon allein bei der Kernmarke. Ein Teil wurde bereits durch freiwillige Austritte realisiert.

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Auch die Produktion wird umgebaut: Ab 2027 soll der Golf in Mexiko vom Band laufen. Die Sachkosten werden verschärft – seit dem 1. Juni gelten neue Regeln für Dienstwagennutzer, die unter anderem die Kraftstoffwahl einschränken und die Anzahl der monatlichen Fahrzeugwäschen limitieren.

Hoffnungsträger Software: Cariad eröffnet Berliner Campus

Ein Lichtblick: die Softwaretochter Cariad. Am Dienstag eröffnete sie einen neuen Campus in Berlin. 1.000 Entwickler sollen dort an KI und Systemen fürs autonome Fahren arbeiten.

Konzernchef Oliver Blume räumte bei der Eröffnung ein, dass VW in diesem Bereich „zurecht in der Kritik“ gestanden habe. Eine Partnerschaft mit dem US-Hersteller Rivian und eine Verdreifachung der Patente sollen nun helfen, eine Führungsrolle bei softwaredefinierten Fahrzeugen zu übernehmen.

Ausblick: Aufsichtsratssitzung und Halbjahreszahlen

Weitere Klarheit über den künftigen Kurs erwarten Analysten von der Aufsichtsratssitzung am 9. Juli sowie der Vorlage der Halbjahreszahlen am 24. Juli 2026. Bis dahin bleibt die Frage: Schafft Volkswagen die Wende – oder steckt der Konzern noch tiefer in der Krise?

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