VW-Krise, Arbeitsplätze

VW-Krise: 19.000 Arbeitsplätze in Deutschland bis Ende 2026 weg

19.06.2026 - 06:05:51 | boerse-global.de

Volkswagen sieht sich auf der Hauptversammlung mit harscher Kritik konfrontiert. Aktionäre fordern eine klare Zukunftsstrategie statt reiner Sparmaßnahmen.

VW-Hauptversammlung: Kritik an Sparkurs und fehlender Vision
VW-Krise - Oliver Blume spricht auf einer Hauptversammlung von Volkswagen vor Investoren, die kritisch zuhören. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Auf der Hauptversammlung am 18. Juni 2026 haben Aktionäre und Analysten dem Vorstand vorgeworfen, zu sehr aufs Sparen zu setzen – und zu wenig auf eine echte Zukunftsstrategie.

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„Sparen allein ist keine Strategie“

Branchenexperten und Fondsmanager äußerten während der virtuellen Versammlung deutliche Vorbehalte. Janne Werning von Union Investment und Ingo Speich von der Deka betonten: Ein reines Sparprogramm sei keine vollwertige Strategie. Es fehle an attraktiven Modellen und einer klaren Vision.

Die Probleme sind bekannt: Die Krise im China-Geschäft und neue Handelsbarrieren setzen dem Konzern zu.

Konzernchef Oliver Blume räumte ein, dass die Risikolage historisch hoch sei. Das über Jahrzehnte erfolgreiche Geschäftsmodell funktioniere nicht mehr. Doch er verwies auch auf erste Erfolge: VW ist Marktführer für Elektrofahrzeuge in Europa und plant 30 neue Modelle speziell für China. Das Ziel: Bis 2030 will Volkswagen der weltweit attraktivste Autobauer sein – bei einer Umsatzrendite von 8 bis 10 Prozent.

50.000 Stellen sollen wegfallen

Der zentrale Hebel der Neuausrichtung ist der radikale Kostenabbau. Bis 2030 will der Konzern 50.000 Stellen streichen. Allein 35.000 bei der Kernmarke Volkswagen an zehn Standorten. Für 28.000 Beschäftigte sind die Austritte bereits vertraglich fixiert. Weitere 15.000 Stellenstreichungen entfallen auf Audi und Porsche.

Bis Ende 2026 sollen bereits 19.000 Stellen in Deutschland wegfallen.

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Parallel reduziert VW die Produktionskapazitäten in Europa um rund 500.000 Fahrzeuge pro Jahr. Besonders kritisch ist die Lage am Standort Osnabrück. Über 2027 hinaus gibt es dort keine Perspektive im Fahrzeugbau. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies spricht mit Unternehmensvertretern über eine mögliche Umstellung auf Rüstungsproduktion ab 2027. Die IG Metall kündigte bereits Widerstand gegen mögliche Werksschließungen an.

Gewinneinbruch und sinkende Dividende

Die wirtschaftliche Lage ist angespannt. Das Konzernergebnis nach Steuern brach 2025 um 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro ein. Im Vorjahr waren es noch 12,4 Milliarden. Auch das erste Quartal 2026 zeigt mit einem Rückgang des Nettogewinns um 30 Prozent anhaltende Schwäche.

Die Dividende wurde auf 5,20 Euro je Stammaktie und 5,26 Euro je Vorzugsaktie gesenkt – ein Minus von 1,10 Euro. Aktionärsschützer bezeichnen die Ausschüttung als unzureichend. Umweltverbände wie der BUND kritisieren sie angesichts der Lage als noch zu hoch.

Der Aktienkurs reagierte prompt: Nach der Versammlung schloss die Aktie mit einem Minus von knapp 2,8 Prozent bei 84,10 Euro.

Wechsel im Aufsichtsrat und Diesel-Vergleiche

Personell gab es Bewegung im Kontrollgremium. Susanne Wiegand legte ihr Mandat überraschend nieder. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch wurde dagegen mit 98,5 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Die Aktionäre stimmten zudem mit über 99 Prozent Mehrheit für weitere Vergleiche in der Diesel-Affäre. Ein Vergleich mit Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn sieht eine Zahlung von 11,2 Millionen Euro vor.

Die interne Stimmung ist angespannt. In einer Befragung stuften Teile des Vorstands und des Aufsichtsrats den Konzern als potenziell existenzgefährdet ein – sollte der radikale Strategiewechsel nicht gelingen.

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